Bootswerft Frauscher - Gegen den Strom:
Gmundener expandieren in der Krise

Die Gmundener Bootswerft Frauscher expandiert mitten in der Krise – mit prominenter Unterstützung.

Von Martina Lettner

Das kommt davon, wenn das Hobby zum Beruf wird: Der Urlaub hatte ihm einfach zu lange gedauert, die Idee keine Ruhe gelassen. Nach zwei Wochen fuhr Thomas Gerzer, zum Leidwesen seiner Frau, zurück an seinen Arbeitsplatz. Er wusste, dass in der Werft der Gmundener Bootsbauerfamilie Frauscher ein defekter Rumpf lag, auch ein Motorblock, Materialreste sowieso. In den vergangenen Tagen hatte Gerzer in Gedanken ein Boot entworfen, das ihn nun nicht mehr losließ. Er begann zu sägen, schleifen, bohren.

Auch Michael Frauscher , geschäftsführender Gesellschafter der Frauscher Bootswerft GmbH, zog es trotz Betriebsferien in die Schiffbauanlage – und war verzückt von dem, was sein Chefbastler in der Werks­halle zimmerte. Mittlerweile, fast ein Jahr später, ist die „717 GT“ beinahe fertig: Noch im Mai darf die Luxusyacht auf See, im Spätsommer vor die Presse. Die meisten Ideen stammen von Mitarbeitern wie Gerzer. „Wir führen keine Marktstudien durch, sondern bauen, was uns gefällt“, erzählt Frauschers Bruder Stefan. Unabhängig davon, ob es im Mainstream liegt: „Besser provozieren als in der Masse untergehen.“

Massenware war ohnehin nie das Ziel , Individualität das Maß – mit Erfolg: Das ­Familienunternehmen wächst beständig. 2008 lag der Umsatz bei 8,1 Millionen Euro: Pro Woche verließen vier Boote die Werft, 145 Boote im Geschäftsjahr – 15 mehr als noch im Jahr davor. Zu ihren Kunden zählen neben österreichischen Millionären, deutschen Politikern und diversen Stars etwa König Mohammed VI. von Marokko und der Gründer des Softwarekonzerns Oracle, Larry Ellison – laut „Forbes“-Magazin derzeit der viertreichste Mensch der Welt. Die Krise dämpft zwar den Auftrieb, Absatz­einbrüche von 50 Prozent und darüber, wie sie andere Werften schon jetzt vermelden (siehe Kasten), sind aber auch in Zukunft nicht zu erwarten. Statt wie ihre Konkurrenten auf billigere Ware zu setzen, wollen die drei Geschäftsführer – Michael, Stefan und Andrea Frauscher (Brüder und Cousine) – im Luxusbereich expandieren. Mit durchaus prominenter Unterstützung.

Know-how. „Wir haben schon länger mit dem Gedanken gespielt, die Werft zu vergrößern. Was uns fehlte, war etwas Geld und vor allem das organisatorische Know-how. Wir sind Bootsnarren, keine Controller“, sagt Stefan Frauscher, selbst Weltmeister im Regattasegeln im H-Boot 2002 und mittlerweile für das Marketing des Unternehmens zuständig. Er erzählte Armin Burger, früher Chef des Diskonters Hofer und nun Mitglied im Führungsteam der Konzernmutter Aldi-Süd, bei einer gemeinsamen Bootstour von seinen Plänen. Burger sagte spontan zu, Schottertycoon Andreas Asamer stieg wenig später ein. Sie sind seit Beginn des laufenden Geschäftsjahrs, per 1. September 2008, zu jeweils 12,5 Prozent an Frauscher beteiligt – Burger über die Bovate GmbH, Asamer via A5 Immobilien GmbH.

Um rund sieben Millionen Euro planen die neuen Partner nun eine neue Werft nahe Gmunden. Das Grundstück ist bereits gekauft, die Baupläne sollen noch nächste Woche eingereicht werden. Derzeit wird an der Produktion getüftelt: Bisher wurde alles ­individuell per Hand gefertigt, erst kürzlich folgte die Umstellung auf Linienfertigung. Das aktuelle Ziel ist ein Fließbandsystem, auf dem unterschiedliche Modelle gebaut und Sonderwünsche wie einfahrbare Antriebe oder Außenverpolsterung auch weiterhin verwirklicht werden können. Ein ­Novum. Eines von vielen.

Mit allen Konsequenzen. Die Frauschers verstehen sich zwar als traditionsbewusstes Unternehmen – ihr Großvater gründete die Werft bereits 1927 –, die Lust am Neuen überrumpelt die dritte Generation aber immer wieder. Ökonomische Gründe stehen dabei nur selten im Vordergrund, meint Stefan Frauscher: „Wir wollen einfach keine Projekte machen, die in der Schublade landen. Wenn wir etwas versuchen, dann mit allen Konsequenzen.“

Im Vorjahr schickten sie das erste Hybridboot vor San Francisco auf Jungfernfahrt, erst kürzlich präsentierten sie das erste serienmäßige Wasserstoffboot in Gmunden. Ihre Werft war auch die erste, die den Motor des Audi Q7 aufs Wasser brachte – in der Luxusyacht 909 Benaco. „Die Kooperation mit Volkswagen Marine ist sicher eine der wichtigsten“, meint Michael Frauscher.

Das große Netzwerk der Bootsbauer ist mit dem Unternehmen gewachsen: Schon seit Jahren werden sie vom selben Schlosser, Tischler und Elektriker aus der Umgebung beliefert, später kamen Windschutzscheiben aus Radstadt fix ins Programm. Der Zulieferer mit der größten Entfernung sei bis heute am Reschenpass, sagt Michael Frauscher: „Wenn etwas fehlt, kann ich mich ins Auto setzen und hinfahren. Wenn etwas nicht passt, kann ich zum Großteil unserer Lieferanten hinübergehen. Würde ich im Osten produzieren, wäre es vielleicht etwas billiger, aber nicht flexibel genug. Außerdem würde das Vertrauen fehlen.“

Durch das Netzwerk bleibt alles nah an der Familie: Werbelinie und Design werden von – prominenten – Bekannten übernommen, bei der Organisation helfen teils sogar Kunden nach. „Wären sie nicht unsere Freunde und ebenso in Boote verliebt wie wir, könnten wir uns manches gar nicht leisten“, gesteht Michael Frauscher.

Manchmal aber hilft nur der Zufall: Der Regisseur der US-amerikanischen Fernsehserie „CSI Miami“ hatte bei einem Händler ein Frauscher-Boot gesehen – und es für eine Folge als „Boot der Bösen“ geordert, erzählt Stefan Frauscher. Als die Geschäftsführer ihren Auftritt im ORF verfolgen wollten, wurden sie aber enttäuscht: Wegen einer aktuellen Programmänderung entfiel just jene Folge. Auf den Zufall ist nun mal kein Verlass.

Fotos: Peter M. Mayr