Bücher: Die Bibel

Wie aus Altem und Neuem Testament die Bibel entstanden ist.

Das Wort „Bibel“ leitet sich vom altgriechischen Begriff „ta biblia“ ab und bedeutet „die Bücher“. Die Grundlage des christlichen Glaubens besteht aus dem Alten (A. T.) und dem Neuen Testament (N. T.). Sie wurde bis heute in 2600 Sprachen übersetzt. Das Alte Testament erzählt nicht nur Mythen wie die Schöpfungsgeschichte, es berichtet auch über die Geschichte des jüdischen Volkes, etwa über den „Auszug aus Ägypten“, „die Einnahme Kanaans“, das „Großreich unter König David“ oder den „Tempelbau in Jerusalem unter König Salomo“. Zu diesem Zweck werden Königslisten verarbeitet, die bis in das zehnte Jahrhundert v. Chr. zurückreichen. Die ältesten Schriften sollen um etwa 1500 vor Christi Geburt entstanden sein und werden Moses zugeschrieben. Neue Ausgrabungen und Untersuchungen zeigen aber, dass viele Teile wesentlich später entstanden sind und dass es viele, bisher als historische Fakten angesehene Elemente, wie den Auszug aus Ägypten oder die legendären Königreiche Davids und Salomons, in der beschriebenen Form nie gegeben hat. Eine Endredaktion könnte sogar erst um Christi Geburt erfolgt sein, meinen Archäologen wie Israel Finkelstein, Direktor des israelischen Archäologischen Instituts in Tel Aviv. Der Aufbau des Alten Testamentes in der heute bekannten Form – sein „Kanon“ – basiert auf der „Septuaginta“, einer griechischen Abschrift der im Urtext hebräisch geschriebenen Bibel.

Das Neue Testament beschreibt das Leben Jesu und das Wirken der Apostel im gesamten Mittelmeerraum. Es besteht aus 27 verschiedenen Schriften, die etwa zwischen 50 und 120 n. Chr. verfasst wurden. Die ältesten Elemente, die Briefe des Paulus, stammen von einem Mann, der Jesus gar nicht persönlich kannte. Als älteste der noch bis vor 200 Jahren als Augenzeugenberichte der Apostel angesehenen Schriften gilt das Markus-Evangelium. Aber auch dieses wurde erst, wie die Forscher herausfanden, erst um 70 n. Chr. geschrieben.

Sosehr das Markus-, Matthäus-, Lukas- oder das Johannesevangelium auch den Eindruck vermitteln, Insidergeschichten über Jesus aus Nazareth zu erzählen, keiner der Autoren hat den Porträtierten persönlich gekannt. Nach dem Tod des Paulus beginnt der langwierige Kanonisierungsprozess des Neuen Testaments, der mit dem 39. Festbrief des Athanasius, Bischof von Alexandria, 369 n. Chr. abgeschlossen wird. 382 beauftragt dann Papst Damasus I. den Kirchenvater Hieronymus mit der Übersetzung der Bibel ins Lateinische – so entsteht die bekannte „Vulgata“.

Martin Luther, der die Bibel in der Zeit von 1522 bis 1534 ins Deutsche übersetzte, entfernte aus seiner Fassung des Alten Testaments alle Bücher, die nicht in der hebräischen Urschrift verfasst waren (die Bücher Tobit, Judit, 1,2 Makkabäer, Weisheit, Jesus Sirach und Baruch). Seit der Reformation besteht ein Streit darüber, ob diese Bücher zur Bibel gehören. Auf dem Konzil von Trient (1570) nahmen die Katholiken diese Bücher in die Bibel auf.

Bibelausstellung: Im Prunksaal der Nationalbibliothek sind derzeit als Beitrag zum „Jahr der Bibel“ reich illustrierte Prachthandschriften aus dem Mittelalter ausgestellt. Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. Jänner 2004. Öffnungszeiten: täglich 10–14 Uhr.