Gefährdetes Österreich

Eine "Risikomatrix“ des Bundesheers zeichnet neue Bedrohungsszenarien auf.

Mit welchen Gefahren Österreich konfrontiert ist und in der Zukunft sein wird, ist Gegenstand breiter Überlegungen, die in der Direktion für Sicherheitspolitik beim österreichischen Bundesheer angestellt werden. An dem gesamtstaatlichen Projekt arbeiten neben Experten des Verteidigungsministeriums auch Fachleute aus dem Innenministerium, dem Bundeskanzleramt, dem Institut für Höhere Studien, der Industriellenvereinigung und andere mit.

In einem ersten konkreten Ansatz wurde eine "Sicherheitsmatrix Österreich“ erstellt, eine grobe Skizze der potenziellen Bedrohungen, die nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Stärke der möglichen Auswirkungen gewichtet wurden. Der "Risikokatalog Österreich“ baut auf die Auswertung der Risikokataloge Schweiz, Deutschland, Holland und England auf sowie auf Einschätzungen europäischer Gefahren aus dem "Global Risk Report“ des World Economic Forum. In seiner - noch in Arbeit befindlichen - Endfassung soll das Papier in die "Nationale Sicherheitsstrategie“ Österreichs einfließen.

Mit sehr geringer Eintrittswahrscheinlichkeit, aber katastrophalen Auswirkungen wird etwa eine "Massenpolarisation in Österreich“, ein Angriff auf einen EU-Staat oder ein Nuklearunfall bewertet. Ein Scheitern der "Balkan-Stabilisierung“ gilt dem Papier zufolge als von hoher Eintrittswahrscheinlichkeit mit schwerwiegenden Auswirkungen. Ebenfalls als "sehr wahrscheinlich“ gilt interessanterweise ein "Funktionsverlust der EU-Außengrenze“, was "erhebliche“ Auswirkungen hätte.

Den österreichischen Regierungsmitgliedern misst die Risikomatrix offenbar eher bescheidene Wichtigkeit zu: Die Gefahr einer "Geiselnahme oder Anschlag auf politische Führung“ wird als gering gesehen und die Auswirkungen als weniger erheblich.