Georg Springer über die Causa 4GS: „Kein revolutionärer Einzelfall“

Georg Springer, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, über die Folgen des Outsourcing und sein Veto zur Veröffentlichung einer kritischen Studie.

Interview: Stefan Grissemann

profil: Haben Sie angesichts der aktuellen Querelen um den Sicherheitsdienstleister G4S schon bereut, diesen seinerzeit engagiert zu haben?
Georg Springer: Nein, denn von der Komischen Oper in Berlin bis zur Semperoper in Dresden wird das ganz ähnlich gehandhabt. Ein revolutionärer kultureller Einzelfall sind wir mit der Idee der Auslagerung des Publikumsdienstes an private Anbieter also nicht.

profil: Aber man muss die Frage doch stellen, ob die jeweils billigste und effizienteste Lösung stets zu bevorzugen sei – oder ob es nicht doch noch andere Kriterien als nur Gewinnmaximierung geben mag. Die Vorwürfe gegen G4S umfassen Betrug, Arbeitsrechtsbruch, sogar Mitverantwortung für den Tod eines Schubhäftlings. Gibt das nicht zu denken?
Springer: G4S ist, wie ich jetzt erst gelernt habe, der größte Sicherheitsleistungsanbieter der Welt – und als Aktiengesellschaft konstruiert. Die österreichische Niederlassung ist faktisch ein autonomes Unternehmen. Was wird ihm vorgeworfen? Alle auf dem Tisch liegenden Anschuldigungen betreffen ausländische G4S-Sektionen. Wir hatten bislang nur ein einziges medienwirksames Problem mit der G4S – beim Opernball 2012. Abgesehen davon lief und läuft alles höchst zufriedenstellend, Arbeitszeiten und kollektivvertragliche Bestimmungen werden eingehalten. Ich sehe aus der Tätigkeit der G4S in Österreich keinen Anlass, diese Zusammenarbeit in Frage zu stellen. Natürlich ist es entsetzlich und inakzeptabel, wenn Menschen zu Schaden oder sogar zu Tode kommen, aber das liegt ja in keiner Weise im Einflussbereich des österreichischen Unternehmens.

+++ Burgtheater: Der Konflikt um das Security-Unternehmen G4S schwelt weiter +++

profil: Dieses steht immerhin in der Kritik, Mitglieder des Publikumsdienstes mit jahrelangen Probezeiten zu belasten und oft bloß geringfügig zu beschäftigen. Ihre Einsparungen finden auf dem Rücken der Mitarbeiter statt.
Springer: Jeder Mitarbeiter beginnt mit einer Probezeit und kann wählen, ob er auch über den Sommer beschäftigt sein will oder nur bis zum Ende der Theatersaison im Juni.

profil: Es ist schwer zu glauben, dass jeder und jede frei wählen kann, ob es denn eine längerfristige oder nur eine geringfügige Beschäftigung sein soll.
Springer: Das ist Sache der G4S. Das entscheiden ja nicht wir. Auch Herr Diaz wollte meines Wissens vor dem Sommer wieder ausscheiden. Er hat seine Probezeit, wie so viele, erneut begonnen, weil er den Sommer frei haben wollte.

profil: Wie haben Sie auf Matthias Hartmanns überraschende Würdigung des Christian Diaz reagiert?
Springer: Irritiert, denn Hartmanns erste Äußerung fand ich angemessener. Und es war natürlich richtig von ihm, Diaz ein Gespräch anzubieten. Aber Hartmanns plötzliche Solidarisierung mit Diaz hat uns jetzt ein wirkliches Imageproblem gebracht.

profil: Wieso muss die 2011 fertiggestellte, sehr kritische Evaluierung der Bundestheater-Holding eigentlich weiterhin zurückgehalten werden?
Springer: Meinetwegen jetzt überhaupt nicht mehr. Ein vom Ministerium selbst eingeholtes Anwaltsgutachten kam damals zu dem Schluss, diese Studie müsse zurückgehalten werden – worauf alle Welt meinte, der Bericht sei extrem scharf. Was gar nicht der Fall ist.
profil: Meinten Sie nicht damals selbst, die Materie sei zu komplex, um veröffentlicht zu werden?
Springer: Damals, ja. Es hätte zu groben Missverständnissen geführt. Die in der Studie geäußerten Vorwürfe muss man interpretieren können, sonst kommt man zu Fehlschlüssen. Heute liegen alle Fakten selbsterklärend auf dem Tisch, und viele der kritisierten Themen haben wir längst erledigt.

Foto: Walter Wobrazek für profil