Buwog: Das Werk einer Woche

Im September 2002 leitete der Immobilienkaufmann und Grasser-Vertraute Ernst Karl Plech innerhalb weniger Tage gleich mehrere umstrittene Geschäfte in die Wege. Dies lässt sich aus Plechs Terminkalender rekonstruieren.

Im Büro des Immobilienmaklers Ernst Karl Plech im Trattnerhof Nummer 2 in bester Wiener Innenstadtlage herrschte in den ersten Tagen des September 2002 reger Betrieb. Die Zeiten waren turbulent: Jörg Haider hatte soeben bei einem Sonderparteitag in Knittelfeld die FPÖ gespalten, die schwarz-blaue Regierung war in Auflösung begriffen.

Wer geschäftlich auf ein Netzwerk im rechten Lager vertraute, der musste sich ranhalten. Die Chancen auf eine erneute Regierungsbeteiligung – und damit auf entscheidende Posten in der Republik – standen für die FPÖ nicht gut. Ernst Karl ­Plech bewies in diesen Tagen einen ausgeprägten Zug zum Tor, wie ein profil vorliegender Auszug aus dem Terminkalender des Immobilienkaufmanns beweist.

Es scheint, dass Plech in der ersten Septemberwoche des Jahres 2002 nicht nur maßgeblich an einer höchst umstrittenen Vergabeentscheidung im Rahmen der Buwog-Privatisierung beteiligt war. Er dürfte auch Geschäfte mit dem Baukonzern Porr orchestriert haben, die jetzt von der Korruptionsstaatsanwaltschaft untersucht werden.

Plech und Porr – das war eine funktionierende Achse in den Jahren der schwarz-blauen Regierung. Bei der Einmietung des Wiener Handelsgerichts in die von Porr entwickelte Immobilie City Tower in Wien-Mitte kassierte Plech im Jahr 2002 rund 600.000 Euro an Vermittlerprovision. Dabei hätte es gar keinen Vermittler gebraucht – Porr hatte das Projekt bereits ein Jahr zuvor dem Justizministerium vorgestellt. Was auch immer Plechs Beitrag war – er war im September 2002 längst erledigt. Und dennoch gaben sich Manager und Geschäftspartner des Baukonzerns Porr die Klinke bei Plech in die Hand. Anhand der Termine, die Plech zwischen 2. und 8. September 2002 absolvierte, liegt ein Schluss nahe: Höchstwahrscheinlich wurde ­damals der Verkauf einer Immobilie der Telekom Austria an ein Konsortium aus Porr und dem Bauunternehmer Anton Kallinger-Prskawetz eingefädelt.

Einer Gesellschaft von Kallinger-Prskawetz namens AKP Vermögensverwaltungs GmbH verrechnete Walter Meischberger über seine Agentur ZehnVierzig 708.000 Euro „für die Beratung und Unterstützung“ bei „Entwicklung und Verwertung der Immobilie Projekt Nordbergstraße 15, 1090 Wien“. Der Hintergrund der Zahlung: Die Wirtschaftsuniversität Wien litt an Platzmangel, in unmittelbarer Umgebung wurde ein Gebäude der Telekom Austria frei. Meischberger will Kallinger-Prskawetz und Porr den Tipp gegeben haben, das Telekom-Gebäude zu erwerben und an die WU zu vermieten. Plausibel ist diese Darstellung nicht. In einem von der Polizei mitgeschnittenen Telefonat mit Ernst Karl Plech konnte sich Walter Meischberger an den Hintergrund der Zahlung jedenfalls nicht erinnern. „Was war mei Leistung?“, fragte Meischberger seinen Freund ­Plech. Plech erläuterte seinem Freund Meischberger das Projekt Nordbergstraße. Es gibt einen einfachen Grund, warum Plech dabei nicht aufscheinen darf: Eigentlich hatte die Bundesimmobiliengesellschaft den Auftrag, das Gebäude von der Telekom Aus­tria zu erwerben und dann an die WU zu vermieten.
Als Aufsichtsratsmitglied dürfte Ernst Karl Plech ­darüber informiert gewesen sein. Als Porr und ­Kallinger-Prskawetz auf den Plan traten, beendete die Telekom die Verhandlungen mit der BIG.

Wer kann Porr und Kallinger-Prskawetz bloß auf diese Geschäftsidee gebracht haben?

Terminvereinbarungen mit Kallinger-Prskawetz, den Porr-Vorständen Martin Huber und Horst Pöchhacker legen den Schluss nahe, es sei Ernst Karl Plech gewesen. Auch wenn dieser das stets bestritten hat.

Seinen Terminkalender hat Plech übrigens als Beweismittel in einem Gerichtsverfahren zur Verfügung gestellt. Damit will er die Behauptung stützen, es habe bei der Abwicklung der Buwog-Privatisierung keinerlei Malversationen gegeben. Das Verfahren ist von Karl-Heinz Grasser angestrengt worden, nachdem dessen ehemaliger Mitarbeiter Michael Ramprecht gegenüber profil einbekannt hatte, dass ein zehn Millionen Euro schwerer Auftrag an die US-Investmentbank Lehman Brothers durch die Manipulation einer Vergabekommission zustande gekommen war. Plech war Mitglied dieser Kommission. Bei der entscheidenden Sitzung am 6. September 2002 ließ Plech sich entschuldigen.

Der Grund dafür war eine Terminkollision. Am selben Tag fand ein Hearing von Kandidaten für die Geschäftsführung der Bundesimmobiliengesellschaft statt, an dem Plech teilnahm. Ausgerechnet jener Gesellschaft also, deren Aufsichtsratsmitglied Plech war und die beim Projekt Nordbergstraße ausgebootet wurde.