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Der Plan der EU-Kommissarin, Microsoft kleinzukriegen, wird auch nach dem aktuellen Urteil scheitern.

Im Übrigen bin ich der Meinung, Microsoft muss zerschlagen werden.“ Es fehlt nicht viel, und Armin Thurnher muss die goldene Gebetsmühle an Neelie Kroes weiterreichen. Denn die EU-Wettbewerbskommissarin, von der dieser Satz stammen könnte, führt einen erbitterten Krieg gegen den US-Software-Riesen und feiert nun ihren „Sieg“: Die nunmehr erfolgte Bestätigung der im Jahr 2004 von der Kommission ausgesprochenen Strafe von 497 Millionen Euro durch den Europäischen Gerichtshof, der Microsofts Ausnutzung der marktbeherrschenden Stellung als bewiesen ansieht, sei „richtungsweisend“. Jetzt erwarte sie sich eine „deutliche Reduktion des Marktanteils von Microsoft“ – und das bitte möglichst sofort.

Spätestens mit dieser Aussage hat sich Kroes endgültig ins Out befördert – fehlt nur noch, dass sie die abzusäbelnden Prozentpunkte gleich auf die hungernde Konkurrenz aufteilt. Als europäische Hüterin des Wettbewerbs hat sie ausschließlich das zu tun, also den Wettbewerb zu ermöglichen, nicht aber in zentralistischer Manier über die Verteilung von Marktanteilen zu befinden.

Wesentlicher Bestandteil eines funktionierenden Wettbewerbs ist die Möglichkeit, durch innovative Entwicklungen den Marktbeherrscher angreifen zu können. Der EuGH ist zu dem Schluss gekommen, dass Microsoft dies verhindere, weil der Konzern die Schnittstellen zum Betriebssystem Windows, das 95 Prozent aller Computer weltweit zum Laufen bringt, nicht genügend offenlegt oder viel zu teuer lizenziert.

Dieser Entscheid der EU und des Gerichts hat zweifellos seine Berechtigung, schließlich gilt es zu unterbinden, dass Microsoft die Entwicklung neuer Anwendungen blockiert oder auch nur kontrolliert. Noch dazu entspricht er im Kern der Vereinbarung, die Microsoft im Jahr 2001 mit den US-Behörden geschlossen hat, um der damals schon beschlossenen Zerschlagung zu entgehen. Insofern ist Microsofts Zögerlichkeit der vergangenen Jahre in dieser Causa als unnötiges Machtspiel gegenüber der EU zu qualifizieren und damit von der EU zu Recht zu disqualifizieren.

Alle darüber hinausgehenden Forderungen und Kommissionsentscheide sind aber entweder überzogen oder inzwischen obsolet, jedenfalls aber unnötig.

So muss Microsoft laut Urteil sein Windows-Betriebssystem – noch dazu die inzwischen veraltete Version XP – auch ohne Audio- und Videoprogramm Media Player anbieten. Richtungsweisend? Nein, sondern längst überholt. Denn erstens folgt Microsoft dieser Auflage seit Jahren mit dem Ergebnis, dass kaum jemand Windows ohne Media Player kauft. Und zweitens hat sich mit Apples Programm iTunes, das auch auf Windows läuft, längst ein Konkurrent etabliert, der den Media Player alt aussehen lässt. Wer einmal iTunes verwendet hat, weiß, wovon die Rede ist.

Das Argument, Microsoft könne durch seine monopolartige Stellung auch den Markt der Anwendersoftware nach Belieben diktieren, ist damit widerlegt. Das Gleiche gilt für den heiß umkämpften Browser-Markt (zum Surfen im Internet). Microsofts Internet-Explorer ist längst nicht mehr das Maß aller Dinge; der ursprünglich von Non-Profit-Programmierern entwickelte, attraktive Browser Firefox wird Tag für Tag auf zigtausenden von Rechnern installiert und hat binnen drei Jahren in Europa fast 30 Prozent Marktanteil erreicht – ganz ohne Neelie Kroes mit ihren aufwändigen Gerichtsverfahren. Gar nicht zu reden von Google, die erfolgreichen Web-2.0-Portale wie YouTube oder die Entwicklung hin zu Online-Programmen, die über den Web-Browser funktionieren und damit den vorinstallierten Microsoft-Programmen langfristig den Mythos rauben werden, unersetzbar zu sein.

Firefox ist übrigens genauso amerikanischer Herkunft wie iTunes oder Google oder YouTube. Europäische, ernst zu nehmende Software-Entwickler sind rar. Und das liegt nicht an der Krake Microsoft, sondern an mangelnder Innovationskraft, geringer Investitionsbereitschaft und fehlendem Mut. Da kann Kroes noch so sehr behaupten, nun für eine größere Wahlfreiheit der Verbraucher und sinkende Preise auf dem Softwaremarkt gesorgt zu haben – das ist pure Polemik und geht an der Realität vorbei.

So ist nicht weiter überraschend, dass die Klage gegen Microsoft vor allem große US-Unternehmen wie Adobe Systems, Corel, IBM, Oracle oder Sun unterstützen, die aus verschiedenen, zum Teil hausgemachten Gründen an Microsoft und den US-Gerichten gescheitert sind und nun einen zweiten Anlauf in Europa unternehmen. Hier lässt sich die EU in einen Stellvertreterkrieg drängen, wovon die europäischen Unternehmen, auch mangels nötiger Voraussetzungen, wenig haben.

Aber schon werden die nächsten Warnungen laut: Microsoft versuche gerade eine neue Norm für Büroanwendungen zu etablieren – ganz entgegen den Bestrebungen anderer Firmen, die sich auf ein anderes Format für die funktionierende Zusammenarbeit verschiedener Programme zu einigen versuchen.

Gut so. Lieber abhängig von den typischen Microsoft-Fehlermeldungen, als jahrelang auf den kleinsten gemeinsamen Nenner diverser Softwareschmieden warten zu müssen. Und wenn Microsoft Mist baut, wird es auch da Alternativen geben – wenn auch nicht aus Europa. Das nennt man freie Marktwirtschaft, da kann Frau Kroes noch so protektionistische Anwandlungen haben.