<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Das App-Portal

Was kommt nach dem Webportal?

Es gab eine Zeit, da bestand das Netz für mich aus einer einzigen Website. Auf Yahoo! las ich die Nachrichten, holte mir Einkaufstipps oder checkte meine E-Mails. Auf Yahoo! sah ich auch die ersten Bilder der einstürzenden Twin Towers. Yahoo! war meine Browser-Startseite, mein Zugang zum Netz. In meiner kleinen Yahoo!-Welt gab es einfach alles, was ich brauchte oder wissen wollte. Eigentlich ziemlich komfortabel, denke ich manchmal. Doch die Zeit der großen Webportale ist vorbei. Niemand braucht mehr einen vorsortierten Bauchladen an Informationen und Services. Mit Google findet man heute alles, was man sucht.

Die Webnutzung ist dadurch allerdings nicht unbedingt komfortabler geworden. Schließlich muss man immer noch entscheiden, welche Informationen wirklich relevant sind. Die totgesagten Webportale kehren heute in neuer Form zurück. Für viele ist längst Facebook das „Portal“, also die Eintrittspforte ins Internet. Und das mobile Netz definiert die alte Idee des Portals radikal neu: Die App-Sammlung auf dem Smartphone bietet für viele den Zugang zu relevanten Internet-Angeboten.

Kaum jemand tippt noch irgendeine URL ein: Für fast alles, was man so braucht, gibt es eine App. So gesehen, ist ein Smartphone oder Tablet mit vielen Apps das Yahoo! von heute. Allerdings wird auch das App-Angebot immer größer und unübersichtlicher. Bei Millionen von Apps sind Appstores mittlerweile keine große Hilfe mehr. Schließlich sucht man meist nicht nach einer bestimmten App, sondern nach der Lösung für ein bestimmtes Problem. Eigentlich bräuchte man ein Webportal, das ­einem für jeden Zweck sofort die passende App liefert, wie neulich im Fachblog „Techcrunch“ zu lesen war. Also eine Art Suchmaschine, die nicht nur die richtigen Informationen ausspuckt, sondern auch gleich die adäquate App-­Lösung: eine Art Yahoo! für Apps.

thomas.vasek@profil.at