<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Das soziale ­Glashaus


Wie Facebook die Netzsuche ­revolutionieren will.

Facebook führt eine soziale Suchfunktion ein. Das ist aus mehreren Gründen spannend. Erstens konkurriert das Unternehmen damit natürlich mit seinem Erzrivalen ­Google, der ebenfalls verstärkt auf soziale Suchfunktionen setzt. Zweitens könnte der Erfolg von „Graph Search“ über die längerfristige Zukunft von Facebook entscheiden. Drittens bedeutet die Facebook-Suche den bislang vielleicht größten Angriff auf unsere persönlichen Daten. Mit „Graph Search“ sollen Nutzer künftig nach Menschen, Fotos, Orten und Interessen suchen können. Die Datenbasis ist vor allem Facebook selbst – also eine gigantische Sammlung der sozialen Kontakte, Postings und „Likes“ von mittlerweile einer Milliarde Nutzern. Mit „Graph Search“ kann man also etwa nach einem „Restaurant in Stockholm“ suchen und bekommt dann eines angezeigt, das auch die Freunde auf Facebook empfehlen. Nach diesem Prinzip hat Face­book zwar schon bisher funktioniert. Doch mit „Graph Search“ versucht das Unternehmen nun, die sozialen Interaktionen seiner Nutzer systematisch zu nutzen: Aus dem sozialen Netzwerk wird eine Suchmaschine. Facebook ist längst ein gigantisches Datenzentrum, und wahrscheinlich verfügt es sogar über die größte Menge an personenbezogenen Daten in der Geschichte.

Was bislang fehlte, war ein mächtiger Algorithmus, um diese Datengoldmine auszubeuten. Das Ziel von „Graph Search“ ist natürlich, mit Suchanzeigen Geld zu verdienen – die Basis von Googles Geschäftsmodell. Dazu braucht es präzise und nützliche Such­ergebnisse. Und das wiederum heißt: Facebook wird versuchen, die Daten seiner Nutzer so effizient wie möglich auszuwerten. Wie gut das alles funktioniert, wird sich noch zeigen. Doch gegen das Potenzial von „Graph Search“ waren alle bisherigen Angriffe auf die Privatsphäre harmlos: Das soziale Netzwerk wird zum größten sozialen Glashaus der Geschichte.

thomas.vasek@profil.at