<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Google Maps: Wir sind der Stadtplan!

Wie sich Karten zu sozialen Organismen entwickeln.

Eine der größten Errungenschaften des Netzzeitalters sind digitale Karten, allen voran natürlich Google Maps . Früher war eine Karte einfach nur ein statisches Stück Papier, auf dem Straßen, Eisenbahnstrecken oder Seen eingezeichnet waren. Heute sind sie dynamische Gebilde, die sich ständig verändern, ja fast schon „Lebewesen“, wie neulich der „Economist“ schrieb – Lebewesen, die auf unseren Computern, Smartphones und ­Tablets sitzen.

Google Maps hat den geografischen Raum neu definiert, ihn mit Information verknüpft und durchsuchbar gemacht wie das Netz selbst. Das merkt man nirgendwo so deutlich wie in Städten. Man muss nur ­irgendwo hineinzoomen, und schon wird die Karte lebendig: Überall poppen Informationen zu Läden, Restaurants oder Tierkliniken auf. Man kann sich Routen anzeigen lassen oder Orte markieren, an denen man schon gewesen ist. Und mit „Street View“ kann man sich einen Ort sogar ansehen, ohne jemals dort sein zu müssen. Für Google ist „Maps“ natürlich ein Riesengeschäft, weil es Ortsin­formationen mit Business verknüpft.

Schon heute ist Google Maps der Konkurrenz weit voraus, siehe die Nutzerproteste nach Apples Umstieg auf eigenes Kartenmaterial. Nun aber steht der nächste Entwicklungsschritt bevor – die „soziale“ Karte, die ortsbezogene Informationen der Nutzer einbezieht. Google hat dazu für eine Milliarde Dollar das israelische Startup „Waze“ gekauft, das Verkehrsinformationen zu Staus oder Unfällen auf Smartphones anbietet. Die Daten werden von den Verkehrsteilnehmern selbst generiert. „Social Traffic“ ist wohl nur der Anfang. Die Zukunft der digitalen Karte gehört der Vernetzung von Menschen. Die Nutzer selbst werden den Raum definieren, in dem sie leben und sich bewegen. Ob das auch der besseren Orientierung dient, muss sich allerdings noch zeigen.

thomas.vasek@profil.at