<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Noking On Heaven‘s Door

Warum sich der finnische Nokia-Konzern von seiner Mobilsparte trennt.

Mein erstes Nokia-Handy kaufte ich 1993. Es war das Nokia 1011, mit ausziehbarer Antenne, für 14.990 Schilling. Ein Klassiker. Anfang der Nullerjahre besaß ich das famose 3310, das toll aussah und extrem gut in der Hand lag. Über Jahre hindurch kam für mich kein anderes Handy in Frage. Die Geräte von Nokia waren die besten und innovativsten der Welt – und das von einem Hersteller, der als Papierfabrik anfing. Vom Qwerty-Keyboard über die Kamera bis zum Wap-Browser: Die Finnen lagen überall vorn. Mein letztes Nokia war vor ein paar Jahren das N97, ein Smartphone mit Tastatur und aufschiebbarem Display. Ein gutes Gerät. Aber es gab Besseres. Seither habe ich kein Nokia-Gerät mehr gekauft. Nun hat der finnische Hersteller den Verkauf seiner Handy- und Smartphonesparte an den US-Softwarekonzern ­Microsoft bekanntgegeben. Der Schritt ist logisch und keineswegs überraschend. Nokias Mobilsparte schreibt rote Zahlen. Zugleich ist der finnische Hersteller Microsofts bedeutendster Partner bei der Entwicklung von Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Phone. Nokias Niedergang ist ein Lehrstück der Innovationsgeschichte.

2007 hatten die Finnen mit dem N95 eines der ersten richtigen Smartphones am Start. Doch nur weni­ge Monate später kam Apples iPhone – und veränderte alles. Kaum ein Jahr danach begann der Siegeszug von Android. Nokias Smartphones konnten bei Design und Bedienbarkeit nicht mit dem iPhone mithalten. Zugleich war das veraltete Symbian-Betriebssystem chancenlos gegen iOS und Android. Mit der Lumia-Reihe auf Basis von Windows Phone hat Nokia in letzter Zeit zwar passable Geräte auf den Markt gebracht. Aber gegen Apple und Samsung kommt im Moment einfach niemand an. Mit Microsoft und Nokia finden jetzt zwei Verlierer der Mobil-Revolution zueinander. Beide können eigentlich nur gewinnen.

thomas.vasek@profil.at