Daten & Fakten: Die große Mobilmachung

Das Überholmanöver wurde im Mai bekannt gegeben: Damals verkündete die US-Marktforschungsgesellschaft NDP-Group, dass erstmals mehr Laptops als Desktop-Computer verkauft worden sind – 54 Prozent aller Umsätze in dem Bereich würden bereits mit tragbaren Rechnern gemacht, im Jahr 2000 war dieser Anteil bei erst 25 Prozent gelegen.
„Die Menschen sind beweglicher geworden, speziell in ihrer Geisteshaltung gegenüber der Mobilität“, glaubt Johann Günther, Leiter der Abteilung Telekommunikation, Information und Medien der Donau-Universität Krems und Autor des Sachbuchs „Die neue Mobilität der Gesellschaft“*).

Der Datenverkehr, der täglich weltweit durch die Leitungsnetze fließt, soll dem Consultingunternehmen IDC zufolge im Jahr 2005 bereits 2,3 Millionen Terabit betragen – 93-mal so viel wie im Jahr 2000. Ein Terabit entspricht etwa dem Inhalt von 300.000 Büchern.

E Um rund 30 Prozent pro Jahr wächst UN-Angaben zufolge die Zahl der Internet-Anwender. Laut dem Marktforschungs- und Beraterunternehmen Gartner Group werden bis 2007 rund 23 Millionen Europäer drahtlose Netzwerke verwenden und sich per Laptop im Hotel oder am Flughafen ins Web einwählen. Weltweit existieren laut IDC bereits rund eine Milliarde E-Mail-Boxen, im Jahr 2006 sollen es mehr als 1,3 Milliarden sein. Der finnische Konzern Nokia prognostiziert für 2005 bereits 1,6 Milliarden Handyanwender. Allein in Österreich werden täglich rund zehn Millionen SMS versandt.
E In drei Jahren sollen 18 Prozent aller Bestellungen von Unternehmen über das Web abgewickelt werden. Weil Internet-Filialen in aller Welt grundsätzlich rund um die Uhr geöffnet sind, wird im Hinblick auf Arbeitsphasen bereits von „Wachzeiten“ statt von Geschäftszeiten gesprochen.
E Dennoch soll auch der physische Verkehr zunehmen. Stieg EU-Statistikern zufolge zwischen 1979 und 1998 das Luftverkehrsaufkommen um 171 Prozent und die Nutzung des Autos um 188 Prozent (von 4661 auf 10.176 Kilometer pro Kopf), prophezeit eine Studie von Shell Austria weiterhin ungebremste Motorisierung: Bis 2020 sei mit einem Wachstum von mindestens 26 Prozent zu rechnen.

Günther glaubt dabei allerdings an einschneidende Änderungen: „Der bisherige Individualverkehr wird verschwinden. Man kann keine vierte oder fünfte Autobahnspur mehr bauen. Denkbar ist eine zunehmende Steuerung von Fahrzeugen. Wer am Stadtrand wohnt und in die City will, muss um einen Time Slot ansuchen und wird dann navigiert.“

*) Johann Günther: „Die neue Mobilität der Gesellschaft“, StudienVerlag, 2002, 234 S., EUR 25.