Datenverkehr: Netzwerk Europa

Das Wiener E-Commerce-Kompetenzzentrum EC3 ist federführend bei der Harmonisierung des europäischen Internet-Verkehrs.

Das Internet ist, weltweit gesehen, nach wie vor ein Minderheitenprogramm. Nur ein Zehntel der Weltbevölkerung nutzt den internationalen Datenverkehr, während der Rest der Welt vom schnellen Informationsaustausch abgeschnitten bleibt. Diesen „Digital Divide“ etwa durch Verbilligung des Zugangs oder durch optische, weniger sprachgebundene Elemente abzubauen, sei ebenso Aufgabe der Informatik wie die ständige Verfügbarkeit von Information für jedermann und an jedem Ort, sagt Hannes Werthner, Professor für Informatik und E-Commerce an der Universität Trient sowie Obmann des im Tech Gate Vienna in der Donau City ansässigen Wiener Vereins EC3 (Electronic Commerce Competence Center). Auf dem Weg zu diesem fernen Ziel seien aber noch viele Hürden zu nehmen.

Mit ebendiesen befassen sich die Informatiker von EC3, wobei es zunächst darum geht, Web-Inhalte durch verbesserte Suchkonzepte rascher und leichter verfügbar zu machen. Das betrifft nicht nur die aktive Datensuche, sondern das Bereitstellen von personalisierter Information zu jeder Zeit und an jedem Ort, beispielsweise von Kursveränderungen im persönlichen Börsenportfolio. Der im Jahr 2000 im Rahmen des Kompetenzzentren-Programms der Bundesregierung gegründete und geförderte Verein EC3 befasst sich aber auch mit der „Interoperabilität von Systemen, die unterschiedliche Sprachen sprechen“. Ein „Ball“ kann ein Fußball oder eine Tanzveranstaltung sein; „Ferienwohnung“ und „Apartment“ sind unterschiedliche Begriffe für das gleiche Konzept. Solche für Suchmaschinen relevante Hürden zu überwinden war Ziel des EU-Forschungsprojekts „Harmonize“, an dem EC3 federführend beteiligt war. Wenn unterschiedliche europäische Systeme und Länder miteinander kommunizieren, müsste jeder mit jedem seine Schnittstelle definieren, was den nötigen Aufwand explodieren ließe. Die von Werthner & Co vorgeschlagene Lösung des Problems: Schaffung eines „Harmonize Space“, eines zentralen Begriffsraums, in dem Übersetzungsmechanismen bereitgestellt werden und über den die gesamte Kommunikation läuft.

Begriffliche Hürden und mangelnde Interoperabilität von unterschiedlichen Systemen sind laut Werthner wesentliche Gründe dafür, dass Europa in der Informationstechnologie gegenüber den USA so ins Hintertreffen geraten ist. „Google ist nicht so gut, weil es technologisch so gut ist, sondern weil die USA ein uniformer Markt sind“, sagt Werthner. Im vergangenen Jänner hat EC3, dem auch die Internet-Firma Lixto Software GmbH des TU-Informatik-Professors und Wittgenstein-Preisträgers Georg Gottlob angehört (siehe Haupttext), mit sieben weiteren europäischen Kompetenzzentren die Ausschreibung für die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Tourismus-Internet-Portals gewonnen – Auftragsvolumen: zwei Millionen Euro. Auf Basis der bei dem Projekt „Harmonize“ entwickelten Technologie sollen dabei 33 europäische Länder ein gemeinsames Tourismus-Portal für die Vermarktung touristischer Produkte bekommen, „eine prominente Adresse für ganz Europa“, wie die finnische Projektmanagerin Inkeri Starry sagt. An dem Projekt beteiligt sind neben EC3 auch Siemens PSE, Lixto, Tiscover (Innsbruck), das Forschungsinstitut ITC-irst in Trient, die britische Firma What’s on When sowie die Tourismus-Boards von Finnland, Frankreich und Portugal.