Der Deal im Detail: Der Kern der Aktionäre

In der neuen Eigentümerstruktur der Voest addieren sich Mitarbeiterbeteiligung und Wandelanleihe zu einer österreichischen Sperrminorität.

Die Mitarbeiterbeteiligung der Voest wird nun von 6,4 auf zehn Prozent aufgestockt. Bei der Belegschaft handelt es sich um langfristig interessierte Aktionäre, die ein stabiles Element in der Eigentümerstruktur darstellen.

Zentralbetriebsratsobmann Helmut Oberchristl: „Wenn einem Mitarbeiter Aktien einmal zugezählt worden sind, dann bleiben die bis zur Pensionierung oder bis zu seinem Ausscheiden aus der Voest unangetastet.“ Kurzfristige Gewinnmitnahmen seien nicht möglich.

Die Stiftung, in der die Belegschaftsaktien zusammengefasst sind, stellt somit eine der entscheidenden Säulen des künftigen Kernaktionärskonstrukts dar. Im Wesentlichen bezahlen sich die Voestler ihre Aktien selbst – sie tauschen Jahr für Jahr einen Teil sonst möglicher Lohnsteigerungen gegen zusätzliche Aktien ein. Gerüchteweise hört man, die Raiffeisenlandesbank habe der Voest-Belegschaft eine Finanzierung der Anteilsaufstockung angeboten. Oberchristl agiert momentan im Spannungsfeld zwischen der Kritik privatisierungsfeindlicher Fundi-Kollegen und der Haltung derer, die von ihm verlangen, schlicht aus der gegebenen Situation das Beste zu machen. Jetzt verhandelt er um mehr als die von der ÖIAG angebotenen fünf Prozent Preisnachlass beim Erwerb der neuen Mitarbeiteranteile.

Die zweite Säule der künftigen Kernaktionärsstruktur ist eine so genannte Wandelanleihe. Nach drei Jahren kann die ÖIAG das mittels Anleihe aufgenommene Kapital durch Übergabe der ihr verbliebenen 15 Prozent an Voest-Aktien zurückzahlen. Als Zielkurs sollen 42 Euro festgesetzt werden. Der am Freitag gefällte Beschluss zur Begebung einer solchen Anleihe stößt vielfach auf Kritik. Die mit dem Fall betrauten Banken J. P. Morgan und Erste Bank hatten vom Einsatz dieses Instruments zunächst überhaupt abgeraten. Angesichts des politischen Willens, dennoch diesen Weg zu gehen, traten sie zuletzt für einen möglichst geringen Anteil der Wandelanleihen am Gesamt-Privatisierungsvolumen ein.

Für die Politik hat der mit der Anleihe gewählte Weg indes großen Charme: Weil die Summe aus 15 Prozent Wandelanleihe plus zehn Prozent Mitar-beiterbeteiligung eine Sperrminorität von 25 Prozent ergibt und weil nur die gegen eine feindliche Übernahme der Voest durch einen Konkurrenzkonzern eine Barriere bildet, fand sich die ÖVP zu diesem – ihrer ursprünglichen Idee einer Radikalprivatisierung nicht wirklich entsprechenden – Weg bereit. Als die Schwarzen merkten, dass in der FPÖ das Gewicht der Privatisierungsgegner größer wurde, wollten sie Vizekanzler Haupt damit die Brücke zu einem Kompromiss bauen, den beide Parteien ihren jeweiligen Anhängern gut würden „verkaufen“ können: Für die ÖVP lässt sich die Wandelanleihe wegen der schon beschlossenen späteren Transformation in Aktien als „Privati-sierung“ darstellen. Die FPÖ wiederum würde, hoffte man, bei ihrer neuerdings privatisierungsfeindlichen Klientel damit punkten können, dass die dem Anleihevolumen entsprechenden Aktien der Voest noch über die nächsten drei Jahre im Portefeuille der ÖIAG blieben.