Der Film: Krieger sehen anders aus

Homer und Hollywood, das war, als Profitliaison, nur eine Frage der Zeit. So wird „Troja“, der Film (Start: 14.5.), auf den Weg gebracht: Die griechischen Streitkräfte unter Agamemnon (hässliche Herrscher, Bosheit, Gier) treten gegen das aufrechte Troja (gütiger König, Schönheit, Gerechtigkeit) an. Die Landschaftstotale mit digital multiplizierten Heerscharen und Kriegsflotten ist Regisseur Wolfgang Petersens Lieblingseinstellung, vielleicht, weil er sich sonst nur schlechten Shakespearianismus und schwerfällig inszenierten Krieg leisten kann. Brad Pitt bewegt sich als zorniger Wunderkrieger Achilles mit Dauer-Weltekelgesicht durch „Troja“ wie durch ein schwedisches Metal-Musikvideo, und der Schotte Brian Cox ähnelt als machtgeiler Agamemnon eher einem Londoner Zuhälter in historischem Textil, der ein paar De-Niro-Filme zu viel gesehen hat.

Dass die griechische Antike hier zum Trivialbaukasten und Stichwortgeber verkommt (Durchbrennen mit Helena! Holzpferd! Ferse!): geschenkt. Ästhetische Verödung und monotone Dramaturgie beschädigen „Troja“ viel nachhaltiger. Es regieren Redundanz und Pathos: Wenn Achilles hier unentwegt betont, dass es ihm vor allem darum gehe, Geschichte zu machen, so darf man mit der Mutmaßung antworten, dass dem Film selbst dieses Schicksal erspart bleiben wird: Der Mantel des Schweigens wird sich, spätestens nach der DVD-Auswertung, über das 185-Millionen-Dollar-Desaster „Troy“ breiten.