Der Salzberg in Altaussee wird zum Hollywood-Thriller

„Monuments Men“ hieß eine US-Spezial­einheit, deren Mission die Rettung von NS-Raubkunst war. George Clooney adaptiert den historischen Stoff, in dem die steirische Gemeinde Altaussee eine hochexplosive Rolle spielt, jetzt für Hollywood.

Siebenhundert Meter lang führt der Weg im Halbdunkel über Schienen in das Innere des Salzbergs. Es ist dieselbe Strecke, auf der ab dem Herbst 1943 rund 7000 Kunstwerke, darunter Gemälde von Weltrang wie Johannes Vermeers „Die Malkunst“), Rembrandts „Großes Selbstbildnis“, Tizians „Zigeunermadonna“ oder Raffaels „Madonna im Grünen“ in Waggons holperten. „Oftmals waren die Kunstwerke nur notdürftig in Decken eingehüllt, denn die Verpackungsmaterialien waren knapp“, erzählt Kurt Thomanek, Geschäftsführer der „Salzwelten“, und führt in jene Räumlichkeiten im Berg, die für die Museumsbesucher nicht zugänglich sind. Dort stehen noch immer jene grob gezimmerten Holzregale, auf denen die Trophäen der NS-Raubzüge zu Tausenden, oft nur lose aneinandergelehnt, gelagert wurden. Nach dem Krieg plante Hitler die edelsten Stücke des gigantischen Diebstahls den Deutschen in seinem Linzer Führermuseum zugänglich zu machen.

Dramen auf Leben und Tod
In den letzten Kriegstagen, im April und Mai 1945, knapp vor dem Einmarsch der Amerikaner, spielten sich hier Dramen auf Leben und Tod ab, denen ein Kräftemessen zwischen dem ideologisch fanatischen Gauleiter August Eigruber und Ernst Kaltenbrunner, Chef des Reichssicherheitshauptamts, vorausgegangen war. Eigruber wollte den Salzberg, inklusive der darin gelagerten Michelangelos, Bruegels und da Vincis, in die Luft jagen, damit „das Weltjudentum“ die Kostbarkeiten nicht in die Finger bekäme. Kaltenbrunner trachtete längst danach, seine Haut zu retten, und versuchte auf Drängen der einheimischen Bergleute, den Gauleiter von Oberdonau auszubremsen.

Die dramatischen Ereignisse in dem steirischen Bergdorf werden nun Teil des Historien-Thrillers „Monuments Men“, den Regisseur, Produzent und Co-Autor ­George Clooney eben in Berlin in den Babelsberg-Studios vorbereitet. Geplanter Filmstart ist Ende Dezember 2013; die Besetzung prominent: 007-Darsteller Daniel Craig, Matt Damon, Clooney selbst und der britische „Downtown Abbey“-Star Hugo Bonneville werden jene amerikanischen und britischen Soldaten spielen, deren Mission die Aufspürung und Sicherstellung der insgesamt mit fünf Millionen bezifferten geraubten Kunstgüter war. Die einzige Frauenrolle ist mit Cate Blanchett besetzt: Die Australierin gibt Rose Valland, die legendäre Verwalterin des Pariser Museums „Jeu de Paume“, die tagsüber für die Nazis arbeitete und nachts unter Lebensgefahr die Transportpapiere des Raubguts für die Resistance-Bewegung abschrieb. Ihr Fleiß und Patriotismus sollten den US-Kunstdetektiven „Monuments Men“ bei ihren späteren Fährtensuchen unschätzbare Arbeitserleichterung leisten.

Die historische Vorlage für den Hollywood-Film lieferte der texanische Ölmillionär Robert M. Edsel, der seit den neunziger Jahren das bis dahin noch unerforschte Schicksal jener Militärtruppe untersuchte, die als „Monuments Men“ und Kunstschutzoffiziere in die Geschichte eingingen. Ihre Mission lautete, die während des NS-Regimes verschleppten und verschollenen Kunstwerke aufzuspüren und sie ihren rechtmäßigen Besitzern wieder zukommen zu lassen. 2009 war das gleichnamige Buch in den USA erschienen, erst diese Woche liegt die deutsche Übersetzung unter dem Originaltitel im Residenz Verlag vor.

„Die Geschichte wird nie aufhören“
Nicht mehr als 60 Mann zählte die Formation, von denen viele bereits in der Normandie am D-Day an Land gegangen waren. Sie stammten durchwegs aus schöngeistigen Berufen, waren Architekten, Bildhauer, Kunsthistoriker oder Museumskuratoren mittleren Alters und hatten häufig noch nie eine Waffe in ihren Händen gehalten. Als Mastermind der Idee, den Erhalt und die Rettung bedrohten Kulturguts zu einer militärischen Operation zu machen, gilt der aus Iowa stammende Oberleutnant George Stout. Der elegante Lebemann und Veteran des Ersten Weltkriegs bedrängte den nicht sehr kunstsinnigen General Dwight Eisenhower mit großer Leidenschaft, eine solche Einheit aufzubauen und finanziell zu unterstützen. Robert Edsel – dessen nächstes Buch sich der Kunstjagd der „Monuments Men“-Truppe in Italien widmete – verbrachte „unzählige Stunden mit George Clooney und seinem Drehbuchautor Grant Heslov“, wie er profil erzählt. „Die beiden haben sich mit großer Leidenschaft in die Geschichten dieser Männer vertieft. Der Film wird die Welt wieder darauf aufmerksam machen, was mich sehr mit Stolz erfüllt. Es werden noch immer Tausende Kunstwerke vermisst; die Geschichte wird nie aufhören.“
Vermisst wurde auch über Jahre ein Tafelbild des Genter Altars, dem wohl wertvollsten Schatz im „Bergungsdepot“ des Dritten Reichs. Beim Abtransport in Altaussee im Juli 1945 war es wohl wirklich versehentlich nicht eingepackt worden.

Seit Jahrzehnten kursiert in Altaussee der Mythos, dass dieses Bild aus dem 15. Jahrhundert lange Zeit im Jausenraum der Bergarbeiter als Tischplatte verwendet worden war. „Salzwelten“-Direktor Kurt Thomanek bestätigt den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte: „Ein Tafelbild war tatsächlich lang als Jausenbrettl von den Arbeitern benutzt worden. Bis zu welchem Zeitpunkt, lässt sich heute nicht mehr eruieren. Unsere Leute hatten keine Ahnung, dass sie ihren Speck auf einem Weltkulturerbe geschnitten haben.“

Dass die Crew rund um George Clooney auch im Salzberg selbst drehen wird, bezweifelt er. Diesbezüglich hätte es noch keine Anfragen gegeben, aber Ausstattungsleute der Filmfirma haben sich mehrmals vor Ort kundig gemacht: „Das Innere unseres Salzbergs wird vermutlich im Studio Babelsberg nachgebaut werden.“

Unzählige Meisterstücke der Kunstgeschichte
Thomanek wirft im Stollen eine Videoinstallation an, die gespenstische Stimmung aufkommen lässt. Im Sekundentakt leuchten jene Bilder auf, die hier sukzessive versteckt worden waren: da Vincis „Leda“, eine Dürer-Madonna, einige Rembrandts, Caravaggios „David“ und unzählige Meisterstücke der Kunstgeschichte. Die Temperatur im Inneren des Stollens beträgt konstant acht Grad Celsius bei ­einer Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent – damals wie heute. Einzigartige Voraussetzungen für die Konservierung von jahrhundertealten Bildern und Skulpturen, wie auch Herbert Seiberl, Leiter des Instituts für Denkmalpflege und damit auch Verwaltungsverantwortlicher für „künftig sichergestellte und beschlagnahmte Kunstwerte“, bei einem offiziellen Besuch im Juni 1943 feststellte. Die Farben der Heiligenbilder in der „Barbarakapelle“, einer Andachtsstätte für die Bergleute tief im Inneren des Stollens, strahlten ungeachtet ihres Alters in frischer Intensität, und die hellgrünen Tannenzweige dufteten noch immer stark, obwohl sie schon über Monate als Dekoration der Schutzpatronin gedient hatten.

Seiberl war erleichtert, die Zeit drängte. Nicht nur die Tausenden Gemälde, Skulpturen und Kunstgegenstände, die der inzwischen an Krebs verstorbene Direktor der Dresdner Gemäldegalerie Hans Posse für die Sammlung des Führers und den „Sonderauftrag Linz“ seit 1939 zusammengerafft hatte, auch die bedeutendsten Werke des Kunsthistorischen Museums und der Albertina mussten in Sicherheit gebracht werden. Denn die diversen Schlösser oder Klöster, die als Lager gedient hatten, boten mit Verschärfung der Kriegslage und der Bedrohung von Wien nicht mehr ausreichenden Schutz. Altaussee bot nicht nur die optimalen Lagerbedingungen für die Raubkunst, sondern erwies sich auch durch seine Abgeschiedenheit als perfekte NS-Schatzkammer.
So wurde unter höchster Geheimhaltung und unter den widrigsten Bedingungen – der Schnee lag bisweilen fünf Meter hoch – ab dem Herbst 1943 sukzessive mit der Hilfe von Raupenfahrzeugen aus den Steyr-Werken, die eigentlich für den Russland-Einsatz konstruiert worden waren, vor allem die für das Führermuseum bestimmte Sammlung in das neue „Bergungsdepot des Reichs“ gebracht.

Eine Inventarliste, die der dort zuständige Restaurator Karl Sieber nach dem Kriegsende für die Amerikaner verfasste, belegte, dass für das Führermuseum, dessen Eröffnung für 1950 geplant war, allein 1695 Gemälde als Ausstellungsstücke vorgesehen waren. Die Sonderauftrags-Kollektion machte jedoch nur einen Teil des Depots aus; auch Göring soll Teile seiner Sammlung in Altaussee eingelagert haben; unter anderem lagerten auch nahezu 700 Grafiken der Rothschild-Sammlung im Dunkel des Stollens.

Die Prunkstücke des Lagers wurden von Sieber, einem unscheinbaren kleinen Mann mit großer Kunstleidenschaft, auf dieser Liste jedoch betont lapidar verzeichnet: Unter Punkt XI und dem Passus „Einlagerung des Generaldirektors Prof. Dr. Buchner“ steht zu lesen: „17 Tafeln des Genter Altars“, darunter unter Punkt XII: „Liebfrauenkirche Brügge – 7 Gemälde, 4 Flügelaltäre, 1 Plastik“.

Hinter dem betont unaufgeregten Begriff Plastik verbarg sich ein Schlüsselwerk der Hochrenaissance, die „Madonna von Brügge“ von Michelangelo, eine 126 Zentimeter hohe Steinstatue, die Ende des 18. Jahrhunderts vom französischen Revolutionsheer aus der Brügger „Liebfrauenkirche“ geraubt, aber wieder zurückerstattet worden war. Im September 1944 hatte ein Sonderkommando der deutschen Wehrmacht dem Bischof von Brügge mitgeteilt, dass das Kunstwerk „aus Sicherheitsgründen und um eine Verschleppung zu verhindern“, abtransportiert werden müsse. Der Transport durch die Kriegswirren dauerte knapp einen Monat und fand unter den schwierigsten Bedingungen statt. „Es grenzte an ein Wunder, dass die Madonna den Transport nach Altaussee überhaupt überstanden hat“, schreibt die Historikerin Veronika Hofer in „Berg der Schätze“.

Der Genter Altar überstand seine Reise aus Süddeutschland, wohin er „zur Restaurierung“ überführt worden war, ins steirische Versteck nicht so glimpflich. Das Johannes-Tafelbild des zweigeschossigen Altars aus dem 15. Jahrhundert, der in der Kunsthistorie als genauso bedeutend wie die „Mona Lisa“ gilt, war bei seinem Eintreffen schwer beschädigt. Für Hitler war der Raub des Altars von Jan van Eyck emotional besonders hoch besetzt, hatte doch Belgien Teile des Altars, die zuvor im Besitz des preußischen Königs gewesen waren, im Rahmen des für ihn so schmachvollen Friedensvertrags von Versailles als Kriegsentschädigung erhalten.

„Stur wie ein Bock"
Welchen Stellenwert die Kunst für den abgewiesenen Kunststudenten und Kleinbürger Adolf Hitler besaß, beweist auch, dass er noch in seinen letzten Bunker-Tagen in der totalen Realitätsverweigerung an seiner monomanischen Idee vom Führermuseum in Linz festhielt. Augenzeugen berichteten, dass er die Tage bis zu seinem Selbstmord am 30. April im Bunker oft grübelnd vor dem Museums-Modell und dem dazugehörigen Miniatur-Prachtboulevard verbracht hatte. In seinem privaten Testament, das er einen Tag vor seinem Tod verfasste, schrieb er: „Ich habe meine Gemälde niemals für private Zwecke, sondern stets nur für den Aufbau ­einer Galerie in meiner Heimatstadt Linz gesammelt. Dass dieses Vermächtnis ­vollzogen wird, wäre mein innigster Wunsch.“

Robert Posey und Lincoln Kirstein waren die „Monuments Men“ und US-Kunstschutz-Beauftragten, die am 12. Mai 1945 in Altaussee als Erste der Truppe eintrafen: Vier Tage zuvor hatte bereits der US-Major Ralph Pearsons den Gebäudekomplex am Salzberg ohne Widerstand ein­genommen. Posey, ein Architekt aus Alabama, und Kirstein, ein depressiver New Yorker Ballett-Manager, stiegen in den Berg, ohne zu ahnen, welche Kämpfe und Tragödien dort in den Tagen zuvor stattgefunden hatten. Sie wussten auch nicht, welche Schätze dort gehortet waren. Denn die Zugänge zu den 137 Stollen des Bergs waren von den Bergarbeitern bereits eine Woche zuvor „gelähmt“ worden. So wie es auch der Führer gewollt hatte. Hitler hatte seinen Befehl, im „Falle der Feindesannäherung alle Sachwerte zu vernichten“, längst revidiert. Er wollte die Kunstwerke für die Nachwelt erhalten.

Mit solchen Kompromissen wollte sich der noch immer ungebrochen fanatische Gauleiter Oberdonau August Eigruber nicht zufriedengeben. „Stur wie ein Bock“, so der Direktor der „alpenländischen“ Salinen Emmerich Pöchmüller in seinen Erinnerungen, hielt er an seinem Plan der totalen Vernichtung des Salzbergs fest.

Schon im August hatte Eigruber bei einer Lagebesprechung angekündigt, „selbst Handgranaten in die Räume zu werfen, denn den Bolschewisten lasse ich die Kunstschätze nicht in die Hände fallen“. Eigruber erklärte noch am 13. April 1945, wie der damalige Salinen-Direktor Pöchmüller später dokumentierte, „den Führerbefehl als überholt anzusehen. Die Kunstschätze dürften unter keinen Umständen in die Hände des Weltjudentums fallen.“

Um die totale Vernichtung zu gewährleisten, ließ er am 10. April vier Holzkisten mit vier Bomben à 500 Kilogramm in den Berg transportieren. Die Kisten waren mit der Aufschrift „Marmor – bitte nicht stürzen“ getarnt. Vier weitere sollten wenig später eingelagert werden.
„Wir wussten, dass ein Sonderkommando mit den Zündsätzen für die Fliegerbomben im Auftrag von Eigruber aus Tirol nach Aussee unterwegs war“, erklärt der heute 91-jährige Hans Matlas (siehe Interview hier) , der als Panzersoldat im Frühjahr 1945 vor dem Salzberg in der Eiseskälte rund um die Uhr im Schichtwechsel mit fünf Kameraden den Eingang zu be­wachen hatte und der letzte Überlebende der Truppe ist. „Wir hatten den Auftrag, niemand hineinzulassen. Bei uns wäre nicht einmal der Hitler durchgekommen.“

Trittbrett-Helden
profil liegt ein bislang unveröffentlichtes Schreiben aus dem Jahr 1972 vor, in dem der Altausseer Beamte August Ringdorfer ein „verbotenerweise abgehörtes“ Telefongespräch auf dem Postamt erwähnt. In der Nacht vom dritten auf den vierten Mai 1945 sei es dabei zu einem „ziemlich heftigen Wortwechsel“ zwischen Gauleiter Eigruber und Ernst Kaltenbrunner, dem aus Oberösterreich stammenden Chef des Reichssicherheitshauptamts, gekommen, in dem „Dr. Kaltenbrunner die Oberhand hatte“. Der Inhalt des Gesprächs, so der Altausseer Hobbyhistoriker Johann ­Linortner, „war der Kampf um den Berg. Paradoxerweise war Kaltenbrunner, einer der größten Kriegsverbrecher des NS-Regimes, möglicherweise der indirekte Retter der geraubten Kunstschätze.“

Eine Theorie, die auch „Monuments Men“-Autor Robert Edsel vertritt: „Der Bergmann Alois Raudaschl wusste schon zuvor, dass Kaltenbrunner nach Altaussee unterwegs war, und drängte, mit ihm Kontakt aufzunehmen.“ Der verheiratete Kaltenbrunner hatte einen pikanten Grund, in das steirische Bergdorf zu fahren: In Altaussee saß seine hochschwangere, 22-jährige Geliebte, die deutsche Gräfin Gisela von Westorp, die ihm am 12. Mai 1945 Zwillinge gebären sollte.

Schon bei einer Besprechung zuvor hatten der Oberbergrat Otto Högler und der Bergarbeiter Alois Raudaschl Kaltenbrunner gedrängt, ihnen die Ermächtigung zur Entfernung der Bomben zu erteilen. In der Akte Högler im Linzer Landesarchiv ist Kaltenbrunners Antwort vermerkt: „Ja, machen Sie es, ich werde Sie schon decken.“ In der Nacht vom dritten auf den vierten Mai 1945 wurden trotz der Drohung Eigrubers, dass „er persönlich nach Altaussee kommen und alle aufhängen werde“, wie Pöchmüller schreibt, die vier Tonnen schweren Bomben aus dem Stollen entfernt. „Es waren die ehrenwerten Herren Raudaschl, Högler und Pöchmüller aus den Salinen“, so sind sich Johann Linortner und viele betagte Altausseer an den Wirtshaustischen bis heute einig, deren heldenhaften Widerstands­taten die Erhaltung des Kunstschatzes zu verdanken ist. Das würde auch der „Clooney George“ hoffentlich so sehen. Aus Robert Edsels Buch wie auch aus den Recherchen der Historikerin Katharina Hammer („Glanz im Dunkel“) geht freilich hervor, dass es den Ausseer Widerständlern weniger um den Michelangelo und den Genter Altar gegangen war als um die Rettung ihrer jahrhundertelangen Lebensader und um Existenzsicherung. Viele der braunen Erfüllungsgehilfen verstanden es später hervorragend, sich in Selbstentnazifizierungsprozessen reinzuwaschen und zu Trittbrett-Helden zu werden. Ein Beispiel dafür ist der Bergwerks-Chemiker Hermann Michel, ein schwer belasteter Regime-Opportunist, der sich sofort nach der Kapitulation den Amerikanern als „Vertrauensmann andiente“, so die Historikerin Birgit Schwarz, „und sich dabei zum Retter des Schatzes hochstilisierte“.

Schon Simon Wiesenthal sagte einmal in einem Interview: „Die Vorgänge in Altaussee seit Mitte 1944 würden genügend Material für eine Reihe spannender Filme enthalten, in denen die unglaublichsten Dinge vorkommen dürften.“