Der Stern von Bethlehem

War die in der Bibel genannte Himmelserscheinung ein Komet oder eine Planetenkonjunktion?

Der Halley’sche Komet gelangt auf seiner elliptischen Bahn alle 75 bis 78 Jahre so weit in Erdnähe, dass er mit freiem Auge zu sehen ist. Seine Sichtung ist bereits aus dem Jahr 240 v. Chr. überliefert und auf babylonischen Keilschrifttafeln ist sein im Jahre 87 v. Chr. erfolgter Vorbeiflug vermerkt. In seinem darauf folgenden Umlauf erreichte er seinen erdnächsten Punkt am fünften Oktober des Jahres 11 v. Chr. Die Geburt Jesu mit diesem Ereignis zu datieren, wäre aber höchstwahrscheinlich falsch, sagen Bibelexegeten. Denn wenn Jesus bei seinem ersten öffentlichen Auftreten etwa 30 Jahre alt gewesen ist und sein Schritt in die Öffentlichkeit, wie Lukas schreibt, mit dem 15. Herrschaftsjahr des Kaisers Tiberius zusammenfiel, der von 14 bis 37 n. Chr. regierte, dann kann Jesus erst etwa zehn Jahre nach dem Vorbeiflug des Halley’schen Kometen geboren worden sein – nämlich tatsächlich annähernd an jenem Tag, der den Beginn unserer Zeitrechnung markiert.

Auch Johannes Keplers (1571–1635) Vermutung, dass der Stern von Bethlehem kein Komet, sondern eine spezielle Planetenkonjunktion gewesen sei, ist nicht wirklich überzeugend. Nach Keplers Berechnungen müsste es alle 800 Jahre zu einer dreimaligen Überschneidung der Bahnen von Jupiter und Saturn im Lauf eines Jahres kommen. Die beiden Planeten sehen dann aus wie ein einziger großer Stern. Dieses Ereignis hat sich im Sternbild der Fische in den Jahren 7 und 6 v. Chr. auch tatsächlich ereignet.

Diese dreifache Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn im Jahr 7 v. Chr. hatten schon babylonische Astronomen errechnet. Für die Babylonier galt Jupiter als höchster babylonischer Gott namens Marduk – er war „Der Stern“ schlechthin. Saturn entsprach dem babylonischen Kajmanu, einem Wandelstern, der mit dem König von Israel in Verbindung gebracht wurde. Und eben dieser Saturn stand auch noch im Sternbild der Fische, dem himmlischen Ort des Landes Israel. Für die babylonischen Astronomen konnte das Phänomen daher nur so ausgelegt werden: Jetzt ist in Israel ein neuer König geboren, und der König von Babylon solle hingehen, ihm zu huldigen – die drei Weisen aus dem Morgenland der Bibel. Um 66 n. Chr. taucht der Halley’sche Komet über Jerusalem auf.