Die größten Fußball-Geheimnisse: 30 Dinge, die Sie über die EURO wissen sollten

Wo gibt es noch Matchtickets? Wird Österreich Europameister? Wie viel Bier wird in den Fanmeilen getrunken? Wohin kann man vor dem Fußball flüchten? Was ist eine PUH? 30 Dinge, die Sie unbedingt über die EURO 08 wissen sollten. Von Sebastian Hofer und Rosemarie Schwaiger

Tiefstapelei ist ausnahmsweise nicht angebracht: Die Fußball-Europameisterschaft vom 7. bis 29. Juni wird das größte Sportereignis, das jemals in Österreich stattfand. Sieben Milliarden Fernsehzuseher in 200 Ländern sind prognostiziert, allein das Finale in Wien sollte rund 280 Millionen Fans vor die TV-Geräte locken. In Österreich und der Schweiz werden sieben Millionen Schlachtenbummler erwartet, 120 TV-Stationen übertragen in drei Wochen nicht weniger als 30.000 Stunden Fußball.

Auch wer die Abseitsregel für einen Begriff aus der Paartherapie hält, kommt an der EURO nicht vorbei. Im Fernsehen treten die Fußballer sogar im Kulturprogramm auf, die Innenpolitik wird sich weitgehend auf die Match­besuche der Regierungsmitglieder beschränken, in den Austragungsstädten werden bemalte Fans den Verkehr behindern, und weder Joghurtdrink noch Klopapierrolle werden ohne Fußballmotive zu haben sein. Einige wichtige Fragen blieben dennoch unbeantwortet. profil lüftet die allerletzten Geheimnisse der EURO.

Wird Österreich die Europa­meisterschaft gewinnen?
ein. Die – schon aus Eigeninteresse bes­tens informierten – Fußball-Wettanbieter führen das österreichische Nationalteam jedenfalls nur als Pro-forma-Anhängsel. Die Quoten für den EM-Sieg sind relativ eindeutig.

Wie viel ist das Nationalteam wert?
Nicht sonderlich viel. Insgesamt kostet der gesamte Hickersberger-Kader deutlich weniger als zum Beispiel der portugiesische Stürmer Cristiano Ronaldo (der auf 55 Millionen Euro taxiert wird) allein. Andere Nationalmannschaften sind – rein finanziell – ohnehin außer Reichweite.

Wird Österreich die Vorrunde überstehen?
Ja, wenn es nach den langjährigen Erfahrungswerten bei Fußball-Großereignissen geht. Noch nie ist ein Veranstalterland schon in der Gruppenphase ausgeschieden. Alle anderen Anzeichen sprechen jedoch leider für ein frühes Ende: Österreich liegt auf Platz 101 der FIFA-Weltrangliste und damit ein ganzes Fußballuniversum hinter den Gegnern in der Gruppe B. Deutschland ist im Ranking auf Platz fünf, Kroatien auf Platz 13, Polen auf Platz 27. Nur die Team-Senioren Ivica Vastic (38) und Martin Hiden (35) waren schon einmal bei einem internationalen Turnier im Einsatz, beide bei der WM 1998. Die Gruppengegner haben wesentlich mehr Personal mit internationaler Erfahrung – was schlicht daran liegt, dass sich die drei Nationen deutlich öfter qualifizierten und allesamt bei der WM 2006 dabei waren. Die Zusammenstellung des Kaders lässt vermuten, dass Teamchef Josef Hickersberger kein Offensivfurioso plant. In der ÖFB-Auswahl finden sich acht Verteidiger und vier Stürmer. Die drei Gegner nominierten jeweils sieben Verteidiger und fünf Stürmer. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir die EM-Spiele permanent diktieren und vorne attackieren, sondern eher tief stehen“, verriet Hickersberger.

Wer wird der österreichische EURO-Star?
er wichtigste EURO-Teilnehmer aus heimischer Sicht wird wahrscheinlich kein Fußballer sein, sondern Schiedsrichter Konrad Plautz. Weil jeder der zwölf Referees im Bewerb mindestens zwei Spiele pfeifen soll, hat Plautz gute Chancen, die Vorrunde zu überstehen – und wäre dann wahrscheinlich der letzte Österreicher im Bewerb. „Mein Traum ist natürlich das Finale“, sagt der 43-Jährige, der nach der EURO für die ÖVP in den Tiroler Landtag einziehen wird. Die Teilnahme an einer EM ist für die Schiedsrichter eine Ehre – und ein gutes Geschäft. Pro Spiel zahlt die UEFA dem Unparteiischen 10.000 Euro. Ein Match in der österreichischen Bundesliga bringt nur 600.

Und ganz allgemein: Wer wird das Gesicht der EURO?
ls Medienmagnet dürfte der große Meister des vierfachen Übersteigers, ­Cristiano Ronaldo (Portugal), auch bei der EURO kaum zu übertreffen sein. Seine bekannt manierierten Superstarambitionen (Kritiker sprechen auch von geckenhaftem Verhalten) könnten allenfalls dann verblassen, wenn der Turnierverlauf einen neuen Star aus der zweiten Reihe hervorbringt (Stichwort: Heldensaga). Sollte etwa das spanische Nationalteam, wie viele Experten mutmaßen, diesmal tatsächlich seine notorische Turnierschwäche ablegen, könnte der Stürmer Daniel Güiza zur großen EURO-Entdeckung avancieren. Die bisherige Saisonbilanz des spanischen Torschützenkönigs spricht jedenfalls für sich: In 37 Spielen gelangen dem 28-Jährigen immerhin 27 Tore – kein Wunder, dass sich derzeit sowohl der FC Barcelona als auch Arsenal um den Mallorca-Stürmer bemühen. Ein weiterer Kandidat auf erhöhtes Medieninteresse ist der französische Stürmer Karim Benzema. Mit Olympique Lyon brachte er es bereits zu vier Meistertiteln (ein stattlicher Erfolg für einen 20-Jährigen), in der abgelaufenen Saison wurde er französischer Torschützenkönig und Spieler des Jahres. Gerüchten zufolge spekuliert der Teamchef der Équipe Tricolore, Raymond Domenech, sogar damit, Benzema als Solostürmer dem französischen Altstar und Rekordtorschützen Thierry Henry vorzuziehen.

Wann scheint die Sonne?
Das Positive zuerst: Eine massive Schlechtwetterfront ist für den Juni derzeit nicht absehbar. Das Negative: Schlechtwetterfronten sind launisch. Immerhin versprechen die Modellrechnungen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) für die ersten EURO-Spieltage weitgehend sommerliches und bloß von allfälligen Schauern gestörtes Hochdruckwetter. „In den nächsten Tagen bis hin zur EURO-Eröffnung sieht die Temperaturverteilung stabil sommerlich aus“, verspricht der ZAMG-Meteorologe Harald Seidl, „danach könnte es allerdings etwas wechselhafter werden.“ Ein dramatischer Kaltlufteinbruch sei zwar nicht in Sicht, die Tücke der traditionellen Schafskälte dürfte deswegen allerdings keineswegs unterschätzt werden.

Woher kommen die Kinder, die vor dem Anpfiff mit den Spielern aufs Feld ­laufen?
Es handelt sich um die Gewinner eines vom EURO-Hauptsponsor Mc Donald’s ausgerichteten Preisausschreibens, insgesamt 682 Kinder zwischen sechs und zehn Jahren, davon 239 aus Österreich. Einige der so genannten „Eskort-Kids“ absolvieren seit Anfang April auch diverse Werbeauftritte für den Sponsor; für den Großteil beschränkt sich die Angelegenheit auf einen Händedruck mit einem Profifußballer und einen Kurzauftritt vor der Weltöffentlichkeit. Nach absolvierter Eskortierung dürfen die Kinder das jeweilige Spiel von der Tribüne aus mitverfolgen.

Wie sieht es mit Hotelbetten aus?
rstaunlich gut. Der (von den Hoteliers) erhoffte Massenansturm auf die Unterkünfte in den Spielstädten blieb aus. In Wien und Klagenfurt gibt es auch an Spieltagen noch freie Betten in allen Kategorien, in Innsbruck und Salzburg ist die Buchungslage noch besser. Sepp Schellhorn, Präsident der Österreichischen Hoteliersvereinigung, erklärt sich das mit der Tücke der Gruppenzuordnungen: Fans aus Kroatien, Polen und Deutschland seien eher Tagesausflügler, während Schweden, Spanier, Griechen und Russen, deren Teams in Innsbruck und Salzburg spielen, schon aus geografischen Gründen eher für mehrere Tage anreisen. Zudem würde die EM rund 20 Prozent der üblichen Stammgäste und 75 Prozent des Wiener Kongresstourismus vertreiben. Insgesamt werden diese Verdrängungseffekte in einer vom Bundeskanzleramt und der Wirtschaftskammer veröffentlichten Studie auf 90 Millionen Euro beziffert; aus der touristischen EM-Wertschöpfung verspricht man sich dennoch ein Plus von 472 Millionen Euro. Auch in den Low-Budget-Quartieren sind noch Betten frei: Im Fan-Camp bei der Messe Wien (Foto rechts) kostet die Nacht in der (nach oben offenen) Schlafkabine 38 Euro, geboten werden dafür Stadion- und U-Bahn-Nähe, fußballaffine Unterhaltungsprogramme sowie erstaunlich kundenfreundliche Bierpreise (2,90 Euro/0,5 l). Bloß die Hausordnung erweist sich als nicht hundertprozentig fantauglich: Verboten sind unter anderem Glasflaschen und Aludosen, Lärm nach 24.00 Uhr sowie beleidigende Äußerungen gegenüber Andersdenkenden.

Gibt es noch Matchtickets?
Ja, und zwar jede Menge. Sieht man von diversen Gewinnspielen ab, bei denen bis zum Finale noch zahlreiche Tickets verlost werden, wird der Matchbesuch allerdings ins Geld gehen. Auf dem Schwarzmarkt muss mit Preisen deutlich über dem Nennwert der Tickets gerechnet werden. Die Auswahl ist dafür recht groß. eBay Österreich hat derzeit über 1600 Angebote für praktisch alle Spiele der EURO. Eine Karte für das Halbfinale gibt es beispielsweise um 605 Euro, zwei Tickets für den Schlager Österreich gegen Deutschland um 655 Euro. Weil anzunehmen ist, dass die Preise noch steigen werden, sollten sich Interessierte nach Möglichkeit beeilen. Ganz risikofrei sind diese Transaktionen nicht: Wer Pech hat, darf trotz gültiger Tickets nicht ins Stadion. Die Karten sind nämlich personalisiert, auf den meisten steht der Name des Käufers. Laut UEFA-Reglement dürfen die Tickets zwar weiterverkauft werden – allerdings nur mit Genehmigung der UEFA und nicht zu erhöhten Preisen.

Alle 30 größten Fußballgeheimnisse finden Sie im aktuellen profil 23/2008