Die Legende vom heiligen Talib

Ein junger Deutscher tritt zum Islam über, reist nach Afghanistan und stirbt im Dschihad. Jetzt machen ihn die Taliban zum Mythos, um damit neue Kämpfer zu rekrutieren – auch in Österreich: Eric Breininger und sein Weg über den Tod hinaus.

Von Valerie Prassl und Martin Staudinger

So sterben vielleicht Heilige, so werden auf jeden Fall Legenden gemacht: „Ich bezeuge, dass Abdul-Ghaffar einen sehr zufriedenen Gesichtsausdruck hatte und am Lächeln war, und obwohl seine Seele seinen Körper bereits seit mehr als 36 Stunden verlassen hatte, floss immer noch frisches Blut aus seinen Wunden. Allahu Akbar!“1)

Der Mann, von dem diese Zeilen stammen, verrät seinen Namen nicht, aber er hat das letzte, etwas holprige Wort in einem Buch, das seit Anfang Mai im Internet kursiert: Es trägt den Titel „Mein Weg nach Jannah“, und als Autor gilt eben jener ­Abdul-Ghaffar, der in einer nach seinem Tod hinzugefügten Schlussbemerkung beklagt und gefeiert wird.

Abdul-Gaffar el-Almani hieß bürgerlich einst Eric Breininger und wurde ­lediglich 22 Jahre alt: geboren am Montag, 3. August 1987, im deutschen Saarland, gestorben am Mittwoch, 28. April 2010, im pakistanischen Waziristan bei einem Feuergefecht mit der Armee – ein Terrorist für die Behörden seines Heimatlands; ein Freiheitskämpfer und Märtyrer für die Taliban, denen er sich zwei Jahre zuvor angeschlossen hatte; ein Mythos möglicherweise schon bald für junge Moslems, die nach Vorbildern suchen, denen sie in den „Heiligen Krieg“ folgen können.

Breininger steht exemplarisch für eine Generation von Islamisten, denen westliche Geheimdienste und Sicherheitsbehörden ein besonderes Gefahrenpotenzial zumessen: Noch im Teenageralter oder knapp danach zum Islam konvertiert und in der Folge rasch radikalisiert, verlassen sie ihre Heimatländer, um sich in Terror-Camps zu Guerilleros ausbilden zu lassen. Danach kämpfen sie in Afghanistan und Pakistan oder werden darauf vorbereitet, nach Hause zurückzukehren, um dort Anschläge durchzuführen.

Rund 100 einschlägig Verdächtige hat das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) auf der Liste, „einige Dutzend“ sollen es in ­Österreich laut Auskunft des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) sein. Konkrete Zahlen und Informationen haben die hiesigen Behörden aus „Geheimhaltungsgründen“ bislang nicht genannt. Eine entsprechende Anfrage von profil blieb vergangene Woche unbeantwortet. Wie groß die Bedrohung ist, lässt sich also schwer abschätzen.

Dass das Phänomen tatsächlich existiert, ist angesichts mehrerer aktenkundiger Fälle in Deutschland allerdings nicht von der Hand zu weisen. Eric Breininger gehört ebenso dazu wie die so genannte „Sauerland-Gruppe“ – vier junge Männer aus Deutschland, darunter Konvertiten, die im vergangenen März wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags und Verabredung zum Mord zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Einige von ihnen waren ebenfalls durch Terror-Ausbildungslager in Pakistan gegangen, anschließend hatten sie ein Attentat auf US-Truppen in Deutschland vorbereitet. Über Kontakte mit der „Sauerland-Gruppe“ war Eric Breininger zum radikalen Islamisten geworden: zu Abdul-Gaffar el-Almani („der Deutsche“), der sich auf den Weg nach Afghanistan machte, um mit einer Untergrundorganisation namens „Islamische ­Jihad Union“ (IJU) den Kampf gegen die „Ungläubigen“ aufzunehmen.

Der deutschen Öffentlichkeit wurde er durch seine Auftritte in Propaganda-Videos bekannt, bei denen er als Role-Model für Dschihad-Konvertiten posierte und Werbung für eine eigene Miliz machte, die sich pompös „Deutsche Taliban Mujahideen“ nannte.

Die deutschen Behörden gehen davon aus, dass seine in „Mein Weg nach Jannah“ (das heißt: „ins Paradies“) zusammengefassten Erinnerungen im Wesentlichen authentisch sind. Bedeutsam ist das Buch nicht nur deshalb, weil es wie selten zuvor Einblick in die Rekrutierungsmethoden radikaler Islamisten erlaubt – und dadurch auch in ihre Gedankenwelt. Relevanz bekommt es auch aus einem zweiten Grund: Im „Heiligen Krieg“ der Moslem-Fundamentalisten hat sich in den vergangenen Jahren die Tradition etabliert, mit ­Attentätern „Märtyrer-Videos“ zu produzieren, die nach ihrem Tod verbreitet werden. „Mein Weg nach Jannah“ ist eine Art Märtyrer-Video in Schriftform, das sich gezielt an den deutschsprachigen Nachwuchs der Islamisten richtet – also auch an potenzielle Dschihadisten in Österreich.
Garniert mit ausführlichen Zitaten aus dem Koran und Unterweisungen durch moslemische Gelehrte, wird darin die idealtypische Hinwendung eines jungen Mannes zum Islam bis zu ihrer Erfüllung durch den Tod entworfen: eine zeitgenössische Heiligenlegende, die mit der vergeblichen Suche nach einem Sinn im Leben beginnt.

1. Die Erweckung
„Ich wuchs in einem bescheidenen Elternhaus auf. Wir waren weder reich noch arm. Als Kind verbrachte ich die meiste Zeit mit Sport treiben und mit Freunden zusammen sein. Als ich älter wurde, schieden sich meine Eltern. Ich lebte mit meiner Mutter und Schwester zusammen. Als ich in das jugendliche Alter kam, fing ich an mich für die Versuchungen des diesseitigen Lebens zu interessieren und folgte dem Weg des verfluchten Satans. Ich verbrachte meine Zeit mit Frauen, feierte Partys und ich tat noch viele andere schlechte Dinge. Ich lebte genau das Leben, welches sich ein Jugendlicher in der westlichen Welt wünscht zu leben. Jedoch konnte ich mir den Sinn des Seins nicht erklären.“

Geboren wird Breininger in Neunkirchen, einer Stadt mit rund 50.000 Einwohnern, die nahe der französischen Grenze im deutschen Saarland liegt. Die wenigen Beschreibungen, die über ihn existieren, zeichnen den jungen Mann als „lebensfroh“ (seine Schwester), aber auch als wankelmütig und unentschlossen. Nach dem Hauptschulabschluss wechselt er an eine Handelsschule, um sich zum Industriekaufmann ausbilden zu lassen.

„Nebenbei arbeitete ich auch noch in einer ­Logistikfirma, um etwas Geld nebenbei zu verdienen. Geld war für mich der einzige Weg, um Freude zu haben. ­Üblicherweise ging ich nach der Schule zur Arbeit. Meine Aufgabe bestand ­darin, in Lastwagen einzuordnen.“

Dabei lernt Breininger Anfang 2007 einen Arbeitskollegen kennen, der aus Pakistan stammt – eine göttliche Fügung, wenn man seinen Ausführungen glaubt. „Allah, der Erhabene, wollte, dass mir an diesem Tag eine zweite Person zugewiesen wurde. Diese Person war ein praktizierender Muslim … Er war ein bescheidener, frommer Mann und sah mich und mein Wesen vertieft im Diesseits und übertreibend Wert legend auf die äußere Erscheinung.“

Weder das Buch noch die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden über ihn und sein familiäres Umfeld geben Auskunft darüber, welche tieferen Gründe dafür verantwortlich waren, dass sich Breininger dem Islam zuwendete. Rückschlüsse können allenfalls aus dem Verfahren gegen die Mitglieder der „Sauerland-Gruppe“ gezogen werden, mit der er wenig später in Kontakt kam – und die aus jungen Männern mit ähnlichem Hintergrund bestand. „Vom Gericht bestellte Sachverständige haben versucht, in die ­Seelenfalten dieser jungen Leute zu schauen, und sie blickten auf die Überreste familiärer Katastrophen“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ in einem Bericht über den Prozess. „Die Eltern geschieden, die Kinder hin und her gerissen. Suche nach irgendeiner ­Orientierung, kein innerer Kompass, Gefühls­chaos, dann nur noch Chaos bis schließlich die Hinwendung zum Islam ­erfolgte – so sah das übliche Lebensmuster der Angeklagten aus.“

Breininger sei „ein sehr beeinflussbarer Mensch“ gewesen, wird ein deutscher Ermittler später auf „Spiegel online“ zitiert: „Er hätte auch bei den Neonazis landen können oder bei Scientology, wenn er unter deren Einfluss geraten wäre.“

2. Die Missionierung
Die Bekanntschaft mit dem Pakistani am Arbeitsplatz scheint jedenfalls etwas in ihm ausgelöst zu haben. Der junge Mann ­beginnt, mit seinem Kollegen über den Islam zu diskutieren, nimmt Einladungen an, folgt ihm in die Moschee und lernt dabei auch einen Deutschen kennen, der konvertiert ist: ­Daniel Schneider, Mitglied der „Sauerland-Gruppe“.

Seine neuen Freunde scheinen gewittert zu haben, dass Breininger jemand ist, der an der Kippe steht. Sie verstärken ihre Bemühungen, ihn zu missionieren und zu indoktrinieren.

„Mein muslimischer Freund vereinbarte, dass wir uns alle bei ihm treffen. Er hatte ein schönes Essen vorbereitet und war wie immer sehr gastfreundlich. Hussayn, welcher unter ihnen am meisten islamisches Wissen hatte, pries ­Allah und lobte ihn und forderte mich zum Islam auf … Ich wusste jetzt schon seit einiger Zeit, dass der Islam die Wahrheit ist, jedoch hielt mich wie schon zuvor etwas (der Satan) davon ab, den Islam anzunehmen. ­Anschließend sprach Hussayn zu mir Worte, die mich schwer zum Nachdenken brachten: ,Du hast jetzt erkannt, dass der Islam die Wahrheit ist. Überleg mal, du gehst heute Nacht nach Hause und irgendwas stößt dir zu, dass du dann als Ungläubiger stirbst. Und dass dann dein Platz im Höllenfeuer ist, ewig.‘“

Wenig später konvertiert Breininger zum Islam.
„Als ich an diesem Abend nach Hause kam, erzählte ich meiner Freundin, dass ich den Islam angenommen hatte. Sie hat sehr seltsam reagiert und beschimpfte mich, ob ich verrückt geworden sei. Ich forderte sie auf den Islam anzunehmen und nahm sie zukünftig mit zu der Frau meines muslimischen Bruders.“

Breiningers Freundin konvertiert ebenfalls und heiratet ihn. Allerdings ohne innere Überzeugung. Die ­Beziehung zerbricht, Breininger zieht mit Daniel Schneider zusammen, der inzwischen den Namen Abdullah angenommen hat. Im Leben der beiden geht es jetzt vorwiegend um Religion und „Heiligen Krieg“, ihre Informationen beziehen sie offenbar größtenteils aus einschlägigen Quellen.

„Wir verfolgten die Geschehnisse in den ­Regionen des Jihad und sahen uns Filme an, wie Mujahidin gegen Kreuzzügler kämpften. Uns entsetzten vor allem die Nachrichten von den Gefängnissen und wie diese Kreuzzügler mit unseren Brüdern umgehen, wie sie sie foltern und unterdrücken. Auch die Tatsache, dass diese Ungläubigen unschuldige Frauen in Gefängnisse stecken, sie Tag für Tag vergewaltigen und dass manche von ihnen danach Kinder in ihren Bäuchen tragen müssen und dass diese edlen Schwestern wie Dreck behandelt werden, schürten den Zorn auf die Kuffar in mir.“ Zu diesem Zeitpunkt hat der deutsche Verfassungsschutz Schneider bereits im ­Visier – und dieser weiß das offenbar.

„Abdullah stand in Deutschland unter Beobachtung. Die Geheimdienste haben ihm vorgeworfen, dass er vor seinem Aufenthalt in Ägypten angeblich ein Terrorcamp in Pakistan ­besuchte. Abdullah sagte öfters zu mir: ,Es ist besser für dich, dass du das Land verlässt, da e­twas passieren wird, was für dich negative ­Folgen haben wird.‘

Deswegen war mir bewusst, dass ich Deutschland verlassen musste. Ich war erst 4 Monate im Islam, dennoch kannte ich meine Pflicht. Ich wollte in den Jihad.“

3. Die Ausbildung
Im Spätsommer 2007, nur wenige Monate nach seinem ersten Kontakt mit dem radikalen Islam, verlässt Breininger Europa. ­Gerade noch rechtzeitig – bereits im ­September fliegt die „Sauerland-Gruppe“ auf, Daniel Schneider alias Abdullah wird verhaftet.

Nach einem rudimentären Arabisch-Kurs in Ägypten geht es unter allerlei Schwierigkeiten nach Teheran und von dort aus – möglicherweise mithilfe des iranischen Geheimdienstes – mit einer Burka getarnt weiter in die pakistanischen Stammesgebiete.

Dort gelangen sie in ein Camp der „Islamischen Jihad Union“ (IJU): Über den Hintergrund der Organisation gibt es wenige Informationen und viele Spekulationen, die bis zu ihrer angeblichen Gründung durch den usbekischen Geheimdienst reichen. Über die Zahl ihrer Mitglieder weiß man ebenfalls nicht viel. Breininger trifft dort ­jedenfalls im Frühjahr 2008 auf einige weitere Nachwuchs-Taliban und beginnt mit der Ausbildung.

Trainingsplan:
• Fajr-Gebet; danach Zhikr anschließend Sport und Dehnen. Für das Frühstück 1 Minute Zeit zum Essen, nach dem Essen Waffenkunde und bis zum Dhuhur Zeit zum Auswendiglernen
• Dhuhur Gebet; danach Taktik und Anti-Terror-Kampf (Nahkampf)
• Asr-Gebet; wieder 1 Minute Zeit zum Essen (nur Brot und Tee), danach Waffenkunde Abfragung (nicht gewusst = Strafe), ­anschließend Zhikr
• Maghrib; bis Ischa Quran lernen
• Ischa; ab und zu Nachts ca. 1 Stunde Wache halten“

All das klingt wohl professioneller, als es tatsächlich war. Darauf weisen zumindest Aussagen der „Sauerland-Gruppe“ in ihrem Prozess hin, deren Mitglieder ebenfalls ein Camp der IJU besucht hatten. Wenn man ihnen glaubt, dann war die Terror-Gruppe in Wahrheit ziemlich schlecht organisiert.

Der Sprengstoff-Unterricht sei meistens ausgefallen, weil der einzige verfügbare ­Experte keine Zeit hatte. Von einem so ­genannten „Gift-Kurs“ blieb kaum Wissen übrig. Und für die Anschläge in Deutschland, für die sie anschließend auserkoren worden waren, seien sie auch nicht richtig ausgebildet worden: „Da hatte die IJU nicht die Mittel zu“, ärgerte sich einer der Angeklagten bei der Verhandlung.

Breininger behauptet, zumindest bei der Bedienung von Waffen gut trainiert worden zu sein. „Mir wurde nun erklärt, das uns noch eine weitere Ausbildung bevorstand und zwar ein Training zum Erlernen von Großwaffen wie z.B.
• Havan (Granatwerfer, Anmerkungen von profil)
• Z.K.K. (Jagd- und Sportgewehr)
• A.G.S. (vollautomatischer Granatwerfer)
• SPG 9 (rückstoßfreies Geschütz zur Bekämpfung von gepanzerten Zielen)
• DSHK (sowjetisches Maschinengewehr)
• BM1 (russische Rakete)
• Minen
Auch lernten wir den Umgang mit dem GPS um die Weite zu den Camps besser messen zu können um später die Berechnungen für die Waffen machen zu können.“

Ab Mai 2008 veröffentlicht die IJU mehrere Videos, in denen Breininger, nunmehr alias Abdul-Gaffar el-Almani, zu sehen ist: manchmal schwer bewaffnet, manchmal beim Studium des Koran, manchmal in Tarnkleidung, manchmal in Stammestracht.

4. Der Kampf
„Wir trafen uns mit weiteren Mujahidin von Taliban und Al-Qaida. Als wir mit den nötigen Vorbereitungen wie Waffen und Raketen checken fertig waren, machten wir uns auf in die Berge. Dort teilte der Amir uns in vier Gruppen ein. Eine Gruppe wurde zur Verteidigung der Mujahidin vor Helikopterangriffen … stationiert. Eine andere Gruppe feuerte Havans und die zwei letzten Gruppen schossen BM1 auf die Kuffar. Ich war in der einen BM1-Gruppe.“

Wenn es wahr ist, was Breininger in „Mein Weg nach Jannah“ berichtet, dann hat er an mehreren schweren Gefechten gegen US-amerikanische Einheiten der internationalen Schutztruppe ISAF teilgenommen, ist dabei mehrfach unter Beschuss geraten und hat nur knapp überlebt.

„Als nun alles startklar war, warteten wir auf den Befehl des Amir und zündeten darauf die ersten Raketen. Ich war auf einer kleinen Berghöhe und verfolgte, wie die Raketen im Camp einschlugen. Die Gruppe mit den Havans fing auch endlich mit den Bombardierungen an. Plötzlich ertönte ein kurzes pfeifendes Geräusch, und die erste Rakete von Seiten der Kuffar schlug in unserer Nähe ein … Als wir fertig ­waren, packten wir alles zusammen und wollten wieder den Weg, den wir auch gekommen waren zurück. Die Kuffar beschossen uns mit Kampfjets … Wir flüchteten von Busch zu Busch und versteckten uns in einem Dickicht, sobald wir die Jets im Sturzflug ansausen hörten.“

Wann und wo sich dieser Vorfall genau abgespielt hat, ist unbekannt. Zu diesem Zeitpunkt dürfte Breininger, der mit seinem Tod rechnete, aber bereits an seinem Buch gearbeitet haben. Es endet mit Aufrufen an Glaubensbrüder in Deutschland, den Dschihad zu unterstützen – und mit der Aufforderung an Mosleminnen, den Kämpfern in den Krieg zu folgen.

„Es gibt hier viele unverheiratete Brüder, die sich wünschen eine Familie zu gründen … Die Kinder wachsen hier fernab vom Kuffr der westlichen Gesellschaft auf … Mit Allahs Erlaubnis wird der Nachwuchs zu einer ganz besonderen Generation von Terroristen, der in keiner Datenbank und keiner Liste der Feinde Allahs ­erfasst ist. Sie sprechen die Sprachen der Feinde, kennen ihre Sitten und Bräuche und können auf Grund ihres europäischen Aussehens … die Länder der Kuffar unauffällig infiltrieren um dort inshAllah eine Operation nach der anderen ­gegen die Feinde Allahs auszuführen und so Angst und Terror in ihren Herzen zu säen.“

Am Nachmittag des 28. April 2010 stirbt Eric Breininger alias Abdul-Ghaffar nahe der Stadt Mir Ali in der pakistanischen Region Nordwaziristan. Der unbekannte Verfasser des Nachworts von „Mein Weg nach Jannah“ behauptet, der Deutsche sei mit drei weiteren Männern von Ungläubigen an einem Checkpoint unter Feuer genommen worden: „Sie alle kämpften wie die Löwen. Abdul-Ghaffar und ein weiterer Bruder wurden von mehreren Kugeln der Kuffar getroffen, als der Todesengel ihre Seelen nahm.“

Wenige Tage später wird das Buch via Internet verbreitet, um damit die Legende von Abdul-Ghaffar al-Almani ein für allemal festzuschreiben. Eine Legende, die ­allerdings einen großen Schönheitsfehler hat: Der Mann, der für Breiningers Nom de Guerre Pate stand, Khan Abdul Ghaffar, war zwar ein Freiheitskämpfer aus der Region – seine Berühmtheit hatte er allerdings durch absolute Gewaltfreiheit erlangt.