Die üppige Prämien der Banken-Manager:
Gerettete US-Banken vergeben üppige Boni

Staatlich gerettete US-Banken gestehen ihren Mitarbeitern üppige Prämien zu – sie übersteigen teils sogar die Gewinne des Vorjahrs.

Von Philip Dulle

„Goldman Sachs leistet gute Arbeit, leider ist das, was es tut, schlecht für Amerika“, kommentiert Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman die aktuelle Boni-Debatte um die US-Investmentbank. Als bekannt wurde, dass einige vom Staat gestützte US-Investmentbanken ihren Managern höhere Erfolgsprämien auszahlen wollen, als sie Gewinn gemacht haben, schlug weltweit eine Welle der Empörung hoch. Das prominenteste Beispiel: Das Management des Wall-Street-Urgesteins Goldman Sachs steckte zusätzlich 4,8 Milliarden Dollar als Boni ein – dem gegenüber stehen Einnahmen von nur 2,3 Milliarden. Dass Bankchef Lloyd Blankfein seine Mitarbeiter anwies, das Geld nicht allzu öffentlich zu verprassen, konnte den öffentlichen Aufschrei nicht verhindern.

Die Institute rechtfertigen die enormen Managerboni unter anderem mit herausragenden Leistungen einzelner Banker, die man nicht an die Konkurrenz verlieren wolle. Citigroup und die von der Bank of America gekaufte Merrill Lynch verloren jeweils mehr als 27 Milliarden, zahlten aber 5,3 ­beziehungsweise 3,6 Milliarden an Boni aus. Bei der Bank of America erweitert sich die Causa um eine weitere Nuance, da bei der Übernahme der Investmentbank Bonuszahlungen in Milliardenhöhe zugestimmt wurde. Der Vorwurf der US-Börsenaufsicht lautet auf Irreführung der Aktionäre, da die Bank of America bereits vorab dem Merrill-Lynch-Management die Auszahlung von Boni zugesagt hatte. Die Bank of America hat ­einem Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC zugestimmt und muss eine Strafe von 33 Millionen Dollar hinnehmen – eine Summe, die der Bank wohl kaum ernsthaft wehtun wird, dennoch ist es ein Signal an den Markt. Um sich dem Einfluss der Politik weitgehend zu entziehen, haben die drei Institute JP Morgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley mittlerweile die Steuermittel zurückgezahlt.

Nach einer Auflistung des New Yorker Generalstaatsanwalts Andrew Cuomo haben neun US-Banken, die insgesamt 175 Milliarden Dollar an Staatshilfen vom Steuerzahler bekommen hatten, Prämien im Gesamtwert von 32,6 Milliarden Dollar an ihre Mitarbeiter ausgeschüttet.

Cuomo, einer der größten Kritiker der US-Finanzjongleure, wirft den Geldinstituten vor, dass sie Boni zahlten, egal, ob es dem Institut gut, schlecht oder sehr schlecht gehe. „Die Entlohnung der Mitarbeiter entzieht sich jeder realen Grundlage, sie hat weder Hand noch Fuߓ, kritisiert der an der Wall Street gefürchtete Staatsanwalt. Das US-Repräsentantenhaus, mit überwiegender Mehrheit in der Hand der Demokraten, reagierte vergangene Woche mit einem Gesetzesentwurf auf die Empörung der Steuerzahler. Das Gesetz soll für alle Finanzinstitute gelten, deren Einlagen mehr als eine Milliarde Dollar betragen. Vor allem soll damit verhindert werden, dass Manager für besonders riskante Geschäfte hohe Prämien in Aussicht gestellt bekommen.

Trotz des öffentlichen Aufschreis hat das Gesetz nur wenig Chancen auf Zustimmung im Senat: Nicht nur ein Großteil der Demokraten, sondern auch Präsident Barack Obama sieht den Entwurf als zu massive Einmischung in die freie Marktwirtschaft. Hiesige Finanzmarktexperten fürchten, dass ohne die USA auch in Europa eine Reform der Bonussysteme ausbleiben würde. Gäbe es nur in Europa strikte Regeln, dann wäre die Abwanderung von findigen Bankmanagern in die USA nur eine Frage der Zeit.