Die Scheidungsindustrie: Noch nie wurden Ehen so häufig entsorgt wie heute

Noch nie wurden Ehen so häufig entsorgt wie heute. Von der Kurzlebigkeit der ewigen Liebe profitieren ganze Branchen wie Rechtsanwälte, Psychotherapeuten und Mediatoren. Das Ziel: Schadensbegrenzung.

Die Bankrotterklärung der großen Gefühle in ihrer Idealform erfolgte kürzlich in Frankfurt. Bei einer internationalen Tagung zum Thema „Kapitalismus und Liebe“ mit dem bedrohlichen Untertitel „Eine verhängnisvolle Affäre“ waren sich die vortragenden Psychologen und Soziologen einig, dass die dauerhafte Liebe, „die sich gleich einer Naturgewalt“ einstelle, dem anachronistischen Ideal der Romantik entspräche und längst nicht mehr mit der Gegenwart kompatibel wäre. Eine desillusionierende Einsicht, die sich bei der Wiener Scheidungsanwältin Helene Klaar in Bezug auf die Ehe längst zur Gewissheit verdichtet hat.

In ihrem 2004 erschienenen Buch „Scheidungsratgeber für Frauen“ (Linde Verlag) vergleicht sie die Ehegemeinschaft mit „einem Wartungsvertrag, den man mit der Firma eines Kopiergeräts eingeht“. Dass Liebe in diesem Vertrag „als notwendige Voraussetzung“ empfunden wird, wäre der Hauptgrund für eine aktuelle Scheidungsrate von 43,2 Prozent. „Von Liebe steht nämlich im Bürgerlichen Gesetzbuch genau nichts“, so Klaar, „und diesem Trugschluss erliegen leider viele.“

18.727-mal wurde 2003 die Floskel „Bis dass der Tod euch scheidet“ durch den Satz „Biss dass die Liebe tot ist“ ersetzt; 21.025 Kinder mussten im vorvergangenen Jahr lernen, dass ein Elternteil, zu 98 Prozent der Vater, nach der Scheidung nur mehr in einem stark reduzierten Ausmaß in ihrem Leben stattfindet. Die Statistik für 2004 wird im Juni publiziert.

Von der schwindenden Widerstandsfestigkeit der Ehe profitieren inzwischen ganze Branchen – allen voran die Anwälte, die Mediatoren (jene Konfliktregler, die im außergerichtlichen Raum die Aufteilung des Besitzes und das Procedere der Trennung festsetzen) und die Psychotherapeuten, die einerseits zur Rettung angeschlagener Beziehungen, aber auch immer häufiger zum Abrüsten verhärteter Fronten nach dem Trennungsentschluss zurate gezogen werden.

Voyeurismus & Lebenshilfe. Trotz der Tatsache, dass gescheiterte Ehen längst zum gesellschaftlichen Alltag gehören, erweisen sich Rosenkriege im Prominentensegment wie die Causa Uschi Glas, das auf ATVplus ausgestrahlte Fendrich-Zerwürfnis, Wolfgang Ambros’ Ehefinale und die jüngsten Scheidungsgerüchte bei Lugners als sichere Auflagen- und Quotenheber. Die Info-Illustrierte „News“ verbuchte beispielsweise mit den Ehefehden der betagten Austropopper Verkaufszuwächse von 20 bis 25 Prozent. Möglicherweise weil sich Tisch-und-Bett-Soaps dieser Provenienz an der konsumentenfreundlichen Schnittstelle zwischen Lebenshilfe und Voyeurismus befinden. Das Geschäft mit dem Trennungsboom treibt aber auch skurrile Auswüchse. In Linz existiert beispielsweise Österreichs erste „Treueagentur“, wo Misstrauische um 220 Euro einen aus einer Kartei ausgewählten Lockvogel auf ihren Ehepartner ansetzen können.

Doch die Republik wird auch erwachsen. Österreich ist durchaus gewillt, in seine seelische Gesundheit – die Freud mit der Arbeits- und Liebesfähigkeit definiert – zu investieren: Von 1997 bis 2002 steigerten sich die Ausgaben für psychotherapeutische Behandlungen um 68 Prozent auf 38 Millionen Euro. Wie viel davon auf Paartherapien entfällt, ist empirisch nicht erfasst. Experten gehen davon aus, dass die Investitionen in die Revitalisierung zerrütteter Beziehungen rapide angestiegen sind. Dafür spricht auch die Entwicklung im Bereich der Mediation. Im 3500 Mitglieder zählenden Bundesverband für Mediatoren schätzt man, dass allein im Jahr 2003 ein bis 1,5 Millionen Euro für außergerichtliche Konfliktbewältigung flüssig gemacht wurden – das Gros davon für Scheidungscausen.

Die wachsende Psychologisierung der Gesellschaft, die sich zunehmend von der akademisch gebildeten Mittelschicht auch in die unteren Schichten fortsetzt, beschleunigt den Zivilisationsprozess der Konflikt- und Trennungskultur statistisch nachweisbar. Von den vielfältigen Beratungs- und Begleitungsangeboten profitieren nicht nur die Betreiber der Liebestrümmerindustrie, sondern nachweislich auch die Betroffenen.

Schadensbegrenzung. Denn im Gegensatz zu einer stabil hohen Scheidungsrate, die in den letzten Jahren nach einer Spitzenmarke von 46 Prozent aus dem Jahr 2001 trotz gegenteiliger Prognosen sogar leicht zurückgegangen ist (die Statistiker erklären sich das weniger mit einer Romantikhausse als mit wirtschaftlicher Verunsicherung), haben Scheidungen mit Schlammschlachtencharakter abgenommen. Eine profil vorliegende und bis dato noch nicht publizierte Studie im Auftrag des Justizministeriums, die die Erfahrungswerte von Scheidungspaaren mit Anwälten, Richtern und rechtlicher Beratung zum Inhalt hat, demontiert entschieden das Klischeebild vom Scheidungsanwalt als Kriegsgewinnler, Scharfmacher und Abzocker und zeigt den Imagewandel in Richtung schadensbegrenzende Begleitung auf. Ratschläge, wie sie die frisch geschiedene TV-Redakteurin Gertraud B. (Name von der Redaktion geändert) von einem im Vorfeld konsultierten Anwalt bekam, „meinen damaligen Noch-Ehemann doch so zu provozieren, dass er mir körperliche Gewalt antut, um beim Verfahren besser auszusteigen“, zählen zu einem Minderheitenprogramm.

In einem Drittel der vom Justizministerium untersuchten Scheidungsverfahren wurde „anwaltliche Hilfe“ in Anspruch genommen, und in 78 Prozent dieser Gruppe konnte eine einvernehmliche Lösung erzielt werden. Bemerkenswert auch: Wenn keine Anwälte im Spiel sind, unterschreiben 86 Prozent aller untersuchten Paare einen wechselseitigen Unterhaltsverzicht. Bei Rechtsbeistand sinkt der Wert auf 72 Prozent. Fachkundige Begleitung scheint somit eher den Frauen zu nützen, die in der Regel weniger als ihre Männer verdienen.

„Prinzipiell rate ich all meinen Klienten von einer Scheidung ab“, untergräbt Helene Klaar, die in ihrer Branche als die feministische Kampfmaschine gilt, ihr eigenes Geschäft, „außer die Schmerzgrenze ist vergleichbar mit Zahnweh, das einem nicht erlaubt, noch länger im Wartezimmer des Arztes zu verharren.“ Ihre professionelle Glaubensformel lautet: „Besser eine Ehe ohne Liebe als eine Scheidung ohne Geld.“ Denn für alle Beteiligten würde sich der Lebensstandard erheblich senken.

Doch die eigene Psychohygiene scheint dem Gros der Bevölkerung ein weit höheres Anliegen als die materielle Sicherheit zu sein. „Wobei ich in meiner Berufspraxis konstatiere“, so der Wiener Anwalt Thomas Rast, „dass die Ursachen für eine Trennung immer nichtiger werden. Früher wirkte Schwerwiegendes wie Gewalt und Alkoholismus als Auslöser; heute reicht den jeweiligen Partnern schon, dass der andere zu langweilig ist und jemand anderer interessanter sein könnte.“

Zwänge und Druck. Dass die Hollywood-infizierten Erwartungen, die an Ehen gestellt werden, schnell zur Überforderung aller Beteiligten führen können, erzählte der ausgewiesene Beziehungs-Literat und britische Star-Autor Nick Hornby kürzlich in einem Interview: „Ich wollte nie einer von diesen Männern werden, von denen sich eine Frau scheiden lassen will. Doch ich konnte auch nicht ahnen, welcher Druck und welche Zwänge in einer Ehe entstehen können. Heute habe ich mit meiner Ex-Frau ein viel glücklicheres Verhältnis, als wir es früher je hatten.“

Die höchste Bruchgefahr liegt laut Statistik Austria in Österreich zwischen dem dritten und fünften Ehejahr, wobei in den vergangenen Jahrzehnten eine starke Steigerung bei Scheidungen von bereits in die Jahre gekommenen Ehen registriert wurde. Der Durchschnittswert der Ehedauer steigerte sich von 1993 mit 7,5 Jahren zehn Jahre später auf 9,8 Jahre.

„Ich konstatiere einen Trend bei Frauen zwischen 40 und 60, die sich scheiden lassen wollen“, bestätigt die Wiener Familienrechts-Spezialistin Andrea Wukovits, „für den jeweiligen Partner kommt das meist aus heiterem Himmel, weil er die jahrelangen Signale überhört hat.“ Oft haben sich diese Frauen über Jahre mit den außerehelichen Verhältnissen ihrer Männer arrangiert, aber „irgendwann kommen sie an einen Punkt, wo sie sich sagen: Jetzt kann ich nicht mehr.“ Wukovits erachtet das Prinzip Mediation nur dann für sinnvoll, wenn keine „emotionale Verhärtung vorhanden ist“, ansonsten „halte ich das Gericht für den sinnvolleren Austragungsort“. Auch deswegen, weil „Frauen sich dort oft erstmals ernst genommen fühlen“ und „sie zumindest finanziell das bekommen, was das Gesetz ihnen zubilligt“.

Mediation. Die Austragung einer nicht einvernehmlichen Scheidung inklusive der damit verbundenen „Lebensumwälzungsprozesse“ rangiert, so Wukovits, je nach Zeitaufwand zwischen 4000 und 25.000 Euro. „Geeignet ist Mediation“, so die Linzer Anwältin Waltraud Steger, „nur für jene Menschen, die zur Eigenverantwortung bereit sind, dafür jedoch fremde Hilfe benötigen.“ Womit auch Jan Stadlmaier, einer der Leiter des Wiener Instituts „co Medio“ für Konfliktregelung und Mediation, konform geht: „Die Voraussetzung für das Gelingen ist natürlich die Bereitschaft aller Beteiligten, aktiv an einer Regelung mitzuarbeiten.“ Der diplomierte Sozialarbeiter mit Mediatorenausbildung, für dessen Institut in Wien, Niederösterreich und im Burgenland fünf Co-Mediatorenteams arbeiten, sieht die Aufgabe seiner Branche als „die eines Dolmetschers und Vermittlers“: „Natürlich haben wir auch Paare, die Rücken an Rücken sitzen, einander nicht in die Augen sehen wollen und wo die Kommunikation anfangs ausschließlich von den Mediatoren abgewickelt wird, aber nach drei Sitzungen löst sich das meist auf. Durch das neutrale Setting von zwei gegengeschlechtlichen Mediatoren wird erheblicher Druck abgebaut.“ Wichtigste Zielsetzung sei die Entdämonisierung des Partners: „Dem Gegenüber muss klar gemacht werden, dass der andere nicht nur böse ist, sondern mit der Situation genauso seine Not hat.“

Mediation wird vom Bundesministerium für Soziale Sicherheit bei niedrigem Einkommen und dem Vorhandensein von Kindern stark gefördert. Im Idealfall ist die eineinhalbstündige Sitzung kostenlos, der ungestützte Normaltarif beträgt zirka 90 Euro pro Kopf. Durchschnittlich reichen drei bis acht Sitzungen zur Bewältigung der Konfliktsituationen aus. Besonders bei Vorhandensein von Kindern und der damit verbundenen Aushandlung von Unterhalt und Besuchsrechten hat sich Mediation in der Praxis bewährt.

Auf der Homepage des Instituts preist die Ex-Moderatorin und EU-Abgeordnete Karin Resetarits, Mutter von drei Kindern aus erster Ehe mit dem Fernsehjournalisten Peter Resetarits, ihre Erfahrungen mit dem außergerichtlichen Schlichtungsprinzip: „Meinem Mann und mir war klar, dass wir unsere Probleme nicht alleine lösen können. Wir wollten zwar eine einvernehmliche Scheidung, aber die Emotionen waren einfach zu stark, zu intensiv, um uns zusammenzusetzen und zu reden. Es gab zu viele ,Nicht-Vernunft-Elemente‘.“

Für die Kinder ist vor allem das Wie einer Trennung von maßgeblicher Bedeutung für ihre Entwicklung und ihr späteres Verhalten in Partnerschaften. „Ich rate davon ab, die Kinder in psychotherapeutische Sitzungen zu involvieren“, findet die auf Paare spezialisierte Psychotherapeutin Claudia Karolinsky, „außer es sind traumatische Störungen aufzuarbeiten.“ Als oberste Regel gilt, die Kinder aus Loyalitätskonflikten herauszuhalten und die Modalitäten der Kontaktaufnahme im Vorfeld unter den Eltern zu regeln.

„Eine Scheidung kann für Kinder“, so der Wiener Familientherapeut Manfred Pawlik, „durchaus stressbefreiend wirken.“

In dem inzwischen zum Standardwerk avancierten Buch „Wenn Eltern sich trennen“ (Campus Verlag) empfiehlt das Herausgeberinnen-Trio Zartler, Wilk, Kränzl-Nagl eine Neudefinition von Scheidung als „Transitions- und Transformationsprozess“, in dem Ex-Partner eine neue Gemeinsamkeit als Eltern erarbeiten sollten. Laut empirischen Studien würden Väter zwar im Vergleich zu früher weit mehr „Engagement“ und „expressives Verhalten gegenüber ihren Kindern“ an den Tag legen, jedoch nur „eine geringe Übernahmebereitschaft von Routinetätigkeiten“ aufweisen.

Liebe und Hass. Wenn die Demarkationslinie zwischen den Nicht-Vernunft-Elementen Liebe und Hass endgültig überschritten ist, greifen jedoch Mediation und Psychotherapie ins Leere – wie im Fall des zurzeit arbeitslosen technischen Zeichners Hannes L. (Name von der Redaktion geändert), dessen Frau, beflügelt von den Einflüsterungen einer überkonfessionellen Glaubensgemeinde, ohne Vorwarnung in einer Nachtaktion die Möbel aus der gemeinsamen Wohnung räumte und mit den beiden gemeinsamen Kindern in die Anonymität abtauchte. Die einzigen Lebenszeichen seitens der Noch-Frau sind bisher eine Anklage auf sexuellen Missbrauch der gemeinsamen Tochter sowie der Vorwurf von Homosexualität und häuslicher Gewalt: „Anfangs war ich wie gelähmt. Ich konnte nicht begreifen, warum sie mir das antut. Der emotionale Stress hatte eine lebensbedrohliche Gallenoperation zur Folge. Ich fühle mich anwaltlich gut betreut, doch so ein Scheidungsverfahren nimmt einen sehr in Anspruch. Jobs, die mir angeboten wurden, konnte ich nicht annehmen, weil ich zu oft zu Verfahrensterminen musste.“ Die Anwaltskosten begleicht inzwischen seine Schwester. Das Arbeitsmarktservice bewies Feingefühl, indem es Hannes L. eine Fortbildung als Detektiv anbot, die er auch teilweise absolvierte. „Nur“, so lächelt er leise, „fehlen mir zu meiner Beobachtungspraxis noch zwei Scheidungsfälle. Und vorher möchte ich noch meine eigene abschließen.“

„Der Vorwurf sexuellen Missbrauchs“, erklärt der Wiener Anwalt Thomas Rast, „häuft sich in letzter Zeit. Auch hört man immer wieder von Frauen, die sich selbst verletzen und ihrem Partner das unterjubeln. Frauen erscheinen mir manchmal in ihren Rachefeldzügen weit kalkulierter und berechnender als Männer.“

Wie den Anwälten, Mediatoren und Therapeuten ist auch der Trümmerbranche der Detektive nichts Menschliches mehr fremd. Werner Machacek, Leiter einer achtköpfigen Detektei in Niederösterreich, rekrutiert ein Drittel seines Umsatzes „durch Partnerschaftsangelegenheiten“ zum Stundentarif von 40 Euro, der Nachtzuschlag beläuft sich auf zehn Euro. „Je früher ein vermeintlicher Ehebrecher beschattet wird“, erklärt er, „desto günstiger kommt das Ganze. Wenn sie Verdacht schöpfen, wird es aufwändig. Das akribisch geführte Protokoll einer solchen Observation genügt auch bei Gericht meist als Beweismittel für die Verschuldensfrage, wobei ein gemeinsames Abendessen mit Küsschen nicht ausreicht. Oft dienen die Fotos und Videos zur Befriedigung der Neugierde des Betrogenen. Da sitze ich dann mit einer 55-Jährigen, deren Mann mit einer 25-Jährigen zugange ist, und muss eine Antwort auf ihre Frage ‚Sagen S’, Herr Machacek, was find’t der eigentlich an der?‘ suchen.“

„Den Adonis in jedem Fall bis nach der Scheidung einfrieren“, lautet Helene Klaars dringende Bitte an außerehelich aktive Frauen. Und der Wiener Scheidungsanwalt Nikolaus Lehner warnt hingegen dringlich „vor allen Barübergaben von Unterhalt. Es sollte alles nur nachweisbar über Konten laufen.“

Einig sind sich alle Anwälte, Mediatoren, Detektive und Therapeuten, dass in der Früherkennung kaputter Beziehungen enorme ökonomische wie auch seelische Schadensbegrenzung betrieben werden kann. „Das Pferd wird immer von hinten aufgezäumt“, so der Wiener Familienrichter und Mediator Franz Mauthner, „die Leute gehören bereits vor der Ehe aufgeklärt, welche Rechte und Pflichten auf sie zukommen.“

Die Rechtsanwaltsbranche hat sich die Präventionskultur bereits zu Herzen genommen. 300 Anwälte (www.rechtsanwaelte.at) bieten unter dem Banner „Ehe- und Partnerschaftscheck“ zum Fixpreis von hundert Euro eine individuelle Beratung vor der Trauung, aber auch während der Ehe an, um individuelle vermögens- und sozialrechtliche Fragen abzuklären, so Alexander Christian, Generalsekretär des Rechtsanwaltskammertags.

Auch an der Seelenfront wäre der Weg zur Therapie erwünscht, wenn eine Ehe noch nicht zum Tretminenfeld mutiert ist. Die Paartherapeutin Claudia Karolinsky gibt eine Beziehung erst auf, „wenn sich ein Partner bereits innerlich verabschiedet, aber noch nicht den Mut gefunden hat, die Trennung auszusprechen“.

Paartherapien zählen nach wie vor zum „Privatvergnügen“ (zum Tarif von 240 Euro für 1,45 Stunden) und werden nicht von der Krankenkasse refundiert. Sollte sich innerhalb von neun Monaten in der Beziehung nichts verändert haben, rät Karolinsky zur Trennung unter Aufsicht: „Denn auch in der Trennungsphase kann therapeutischer Beistand schmerzreduzierend wirken.“

Besonders Neurotiker, die keinen Willen zur Selbstreflexion zeigen und dazu tendieren, die Verantwortung für ihr Glück wie Unglück einer Beziehung zuzuschreiben, purzeln sonst mit Sicherheit ins programmierte Scheitern der nächsten Beziehung.

Möglicherweise enden sie dann auch wie der zweifach geschiedene französische Star-Designer und dreifache Vater Philippe Starck, der unlängst in einem Interview bekannte: „Ich bin nomadisierender Autist. Am liebsten lebe ich allein, allein, allein wie ein Mönch mitten im Meer oder im Schlamm meiner Austernfarm, und ab und zu besucht mich ein Mitglied meines Stamms. Das ist meine Vorstellung von Glück.“

Von Angelika Hager, Edith Meinhart und Uli Moser