Du wirst es, Lieserl

Eines steht fest: Quotenfrauen müssen erwiesenermaßen qualifiziert sein.

Wir sind alle keine Quotenfrauen!“, betonte Justizministerin Karin Miklautsch auf einer Pressekonferenz, die die Ministerinnen der gegenwärtigen Regierung zum Frauentag am 8. März gaben.

Ich bin keine Quotenfrau! Ein beliebter Hinweis.
Darauf wäre ich jedoch nicht stolz.

Eine Quotenfrau ist eine, die bei gleicher Qualifikation einem Mann vorgezogen wurde. Das ist keine Schande. Männer, die Frauen vorgezogen werden (manchmal sogar trotz niedrigerer Qualifikation), schämen sich in der Regel nicht im Geringsten.
Sagen wir es so: Eine Quotenfrau ist jedenfalls erwiesenermaßen qualifiziert. Der Nicht-Quotenfrau hingegen könnte man auch unterstellen, ein Produkt männlicher Gunst zu sein, so etwa nach dem Motto: Du wirst es, Mizzi/ Resi/Lieserl, weilst immer so loyal zu mir warst und mir auch in Zukunft nicht weh tun wirst.

Das ist, zugegeben, keine freundliche Vermutung, aber sie ist um nichts weniger unfair als die Behauptung, den Quotenfrauen fehle es in Wahrheit an der Eignung. Tatsächlich kommt sie der Realität insofern sogar näher, als sich die Nicht-Quotenfrau in der Regel dadurch auszeichnet, dass sie patriarchale Strukturen akzeptiert. Die Quotenfrau dagegen ist eine Kampfansage an etablierte Hierarchien und die Netzwerke der Old Boys.

Es gibt ohne Frauenquoten ja über weite Strecken ganz selbstverständlich eine hundertprozentige Männerquote. Sie heißt nur nicht so, und sie wird von den wenigsten als solche wahrgenommen. Aber wenn es zur Postenvergabe, zur Ernennung, zur Preisverleihung kommt, dann fallen den tonangebenden Männern eben nur Männer ein. Basta.

Kleines Beispiel, jüngst erlebt: In einer Jury, die zwei Stipendien zu vergeben hat, einigt man sich rasch auf einen bestimmten Mann als einen der Stipendiaten. Er ist in dieser Kategorie nach Meinung aller der Beste. Beim zweiten Stipendium fällt die Wahl schwerer, denn sie ist zwischen mehreren etwa gleich qualifizierten BewerberInnen zu treffen, wobei mehr Frauen als Männer zur Debatte stehen. Nach Abwägung zusätzlicher – berechtigter – Kriterien bleiben eine Frau und ein Mann übrig. Ein Jurymitglied (männlich) votiert für den Mann, einfach so. Ein anderes (ich) wendet ein, da man schon einen Mann nominiert habe, sollte das zweite Stipendium die Frau bekommen. Darauf das männliche Jurymitglied: Wir brauchen hier doch keine Quotenfrauen!

Mit anderen Worten: Werden’s – noch dazu trotz eines Überhangs an Bewerberinnen – zwei Männer, ist das normal, wird’s eine Frau, ist es Bevorzugung.
Die Frauenquote ist jedoch keine Kavaliersgeste, sondern als Instrument zur Behebung struktureller Ungerechtigkeiten gedacht.

Dass sie dennoch – auch von Frauen – beharrlich mit erzwungener Galanterie verwechselt wird (so als sollte Männern abverlangt werden, der patscherten Dame künftig statt in den Mantel ins höhere Amt zu helfen), liegt daran, dass systematische Defizite beharrlich geleugnet werden, auch von Frauen, die sich damit, siehe oben, den Tonangebenden andienen.

Frauentagsdiskussion (am 6. März) in der ORF-TV-Sendung „Offen gesagt“: Es wird der eh sattsam bekannte Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen zitiert sowie auch die Tatsache, dass Frauen für gleichwertige Arbeit häufig schlechter bezahlt werden. Darauf die Managerin Antonella Mei-Pochtler, immer wieder: Das glaube ich nicht! (Man kennt das Argumentationsschema auch aus anderen Debatten: Menschenrechtsverletzungen in China? Ach was. Ich habe bis jetzt nur höfliche Chinesen getroffen.)

Leider sind Missstände durch Leugnen nicht aus der Welt geschafft. Tatsache ist, viele Daten belegen es: Frauenarbeit wird schlechter bezahlt als Männerarbeit. Das beginnt bei den Kollektivverträgen – in männerdominierten Branchen weit besser als bei den so genannten Frauenberufen, die sich durch die Bank in den unteren Lohngruppen finden – und endet bei Führungsaufgaben, die firmenintern häufig nicht als Führungsposition eingestuft und entlohnt werden, wenn eine Frau sie wahrnimmt. Letzteres ist zwar gesetzlich verboten, aber Frauen, die sich an die Gleichbehandlungsanwaltschaft wenden, laufen Gefahr, gekündigt zu werden, während die Firma bloß geringfügige Geldstrafen riskiert.

Was arbeitende Frauen brauchen würden, wären also zum Beispiel Politikerinnen, die sich stark machen für ein Gleichbehandlungsgesetz mit mehr Biss. Oder Managerinnen, die sich nicht damit begnügen, ihren eigenen Aufstieg als ausreichenden Beweis für die Gerechtigkeit des Systems zu betrachten.
Stattdessen: Wir sind keine Quotenfrauen! Heißt im Klartext: Wir finden uns super, der Rest ist uns wurscht. Auch
eine Haltung.

Themawechsel: Ein TV-Werbespot für Windeln zeigt zurzeit eine Reihe Cancan tanzender Babys, nackt bis auf die beworbenen Windeln, und zum Schluss ein weiteres fast nacktes Kleinkind, mit dem Popo wackelnd. Poposchwenk und Cancan imitieren (mittels Computeranimation) die Bewegungen erwachsener Frauen, und zwar solche, die als erotisch gelten oder galten. Mit anderen Worten: Wir sehen auf sexy getrimmte Wickelkinder.

Das ist, wenn schon nicht obszön, so doch ziemlich verantwortungslos. Pädophilie ist eine Krankheit und als solche nicht moralisch zu verurteilen. Werbespots, die damit spielen, dass sie kranke Bedürfnisse bedienen, sind es schon.