<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
100 Meter Mittelmeer

Neno Treselj und sein „Aurelius“: Eine Gasse wird zur Fischmeile.

Zu Hause bei seiner Großmutter in Split, sagt Neno Treselj und säbelt ein Stück Goldbrasse aus einem tellergroßen Filet, das zuvor in Pergamentpapier bissfest schmurgelte, war das nämlich so: „Auf dem Tisch sind immer eine Flasche Wein und eine Flasche Olivenöl gestanden, wobei nie klar war, welche zuerst leer sein wird.“ Und dann erwähnt Treselj noch, dass seine Oma jetzt 90 sei. Man kann also auch so erklären, warum man sich als Koch der Mittelmeerküche zugetan fühlt. „Authentisch, einfach und gesund“ – so wollte Neno Treselj, 53, immer kochen, damals im „Bevanda“, später im „Cinque Terre“ und neuerdings im brandneuen „Aurelius“ in der Wiener Marc-Aurel-Straße: viel Holz und Leder, ein Glasdach und eine Kühlvitrine, in der Weine lagern, angesichts derer man gerne einmal nach der Sperrstunde im Lokal vergessen werden würde.

Veteranen der Marc-Aurel-Straße werden sich noch an den alten Textilhändler erinnern, der gerne mit Hut und Zigarette vor seinem Laden stand. Als er starb, mietete Treselj die Räumlichkeiten. Deshalb gibt es jetzt auf einer Strecke von 30 Metern zwei adriatische Fischlokale (eben das „Aurelius“ und das „Kornat“) und ein französisches, ebenfalls ziemlich schalen- und krustentieraffines Bistro („Le Salzgries“). Platz, findet Treselj, sei hier für alle. Er zerdrückt ein paar kleine Paradeiser auf dem Teller, wendet ein weiteres Stück Goldbrasse in der so entstandenen „pazza“ und träumt von einer kleinen Genussmeile: etwa 100 Meter Marc-Aurel-Straße, vom 15. Mai bis 15. September täglich von 11 bis 24 Uhr ­autofrei, oder besser noch: gleich zur Fußgängerzone ­deklariert.

Dann läge am unteren Ende Treseljs ehemaliges „Cinque Terre“, das demnächst zum mediterranen Feinkost­laden („Alimentari“, sagt Neno Treselj korrekt) umgebaut wird, mit Pasta, Prosciutto, Käse, Brot und Öl und frischen istrischen Trüffeln in der Saison, gefolgt von drei Lokalen, die alles bieten, was das Meer hergibt. Mal sehen, sinniert Treselj, was Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel zu dieser Vision sagt. Autofreie Gastro-Gassen in der Innenstadt seien doch bitte etwas ziemlich Mediterranes.
Ja, das ist eine gute Idee. Und wenn ich die Gasse dann einmal am oberen Ende betrete, gibt’s zuerst die besten Austern der Stadt im „Le Salzgries“, dann bei Neno Treselj den knusprigsten Oktopus, den man sich nur wünschen kann, und einen Brudetto im „Kornat“ schaffe ich sicher auch noch.

klaus.kamolz@profil.at