<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>

Der Nobelbauernhof „LandArt“ macht trotz Konkurs weiter.

Ich kann mich noch gut an die leuchtenden Augen von Kolleginnen und Kollegen der Gourmetfraktion erinnern, als Ende der neunziger Jahre, meist Freitag, passend nach Redaktionsschluss, die bestellten Pakete ins Büro geliefert wurden – voller Zutaten für die Wochenend-Homecooking-Aktionen: Tafelspitz vom Atterochsen, Nacken vom Egelseer Waldschwein, Wildfisch aus dem Salzkammergut, Fonds und Chutneys in homöopathischen Dosen, dafür aber zu Apothekerpreisen. Ach, nie sollte es uns schlechter gehen.

1997 hatte der Hardcore-Feinschmecker Karl Heinz Wolf in Unterach am Attersee den Landwirtschaftsbetrieb LandArt gegründet, um die einschlägige Klientel mit Lebensmitteln zu versorgen, die noch den Geschmack vorindustrieller Agrarproduktion in sich bergen. Mit dem Versand von Gourmetprodukten war der ehemalige Sterne-Koch 1978 zu einer Schlüsselfigur der deutschen Feinschmeckerei aufgestiegen; sein „Rungis-Express“ belieferte die Top-Gastronomie, und man konnte auch in München plötzlich bedenkenlos frischen Steinbutt, Jakobsmuscheln und Austern genießen. Nach dem Verkauf des Gourmetversands ging Wolf an den Attersee. Heimische Produkte rückten in den Mittelpunkt. Wer so etwas auf sich nimmt, darf nicht davor zurückschrecken, die Kosten „artisanaler“ Lebensmittelherstellung auch in Rechnung zu stellen. Und so kostet eben ein Kilo Filet vom Atterochsen 75 Euro, das Hechtfilet aus dem Attersee 49,50. Lange Zeit ging das Geschäft ziemlich gut. 2006 übergab Wolf den Betrieb mit angeschlossenem Catering an seinen langjährigen Mitarbeiter Paul Brzon. Und dann schlug die Krise zu.

Vor wenigen Wochen musste Brzon Konkurs anmelden. 365.000 Euro Passiva hatten sich angesammelt, die Wirtschaftskrise habe „zu einem stark rückläufigen Kaufverhalten geführt“. Dabei hält Brzon den sinkenden Privatkonsum nur für einen „Puzzlestein“ der finanziellen Misere. Immer häufiger war ihm auch zu Ohren gekommen, dass in der gehobenen Gastronomie offenbar wundersame Dinge passieren – dort nämlich, wo 365 Tage im Jahr zum Beispiel LandArt-Rindfleisch auf der Karte steht, die Gastronomen jedoch „bloß zweimal ein Schulterscherzl bei uns bestellt haben“. Vor allem aber habe sich das neue Antikorruptionsgesetz „brutal hart ausgewirkt“. Ab 2008 kam es, so Brzon, zu einem massiven Rückgang der „tollen Partys, die wir für die Salzburger Festspiele ausgerichtet haben. Und dass die Pharmafirmen begonnen haben, sich gegenseitig wegen der kulinarisch aufwändigen Info-Abende für die Ärzteschaft anzuzeigen, hat dem Geschäft auch nicht genützt.“

LandArt, sagt Brzon, wird dennoch vorerst weiterexistieren. Gründer Karl Heinz Wolf will das Projekt nicht untergehen lassen. Er kaufte die Konkursmasse und übernahm die Firma erneut; Brzon ist wieder sein Angestellter. Und wenn die finanzielle Bauchlandung nur zu irgendetwas gut ist, dann vielleicht dazu, die angeblichen „Fantasiepreise“ des Nobelbauernhofs in nachvollziehbare Dimensionen zu rücken. Brzon: „LandArt ist ein beinharter Job, in dem hart kalkuliert werden muss. Wir benutzen unsere Traktoren nicht dazu, das Geld in der Scheune zu wenden, damit es nicht schimmlig wird. Das dürfte nun ja bekannt sein.“

LandArt Egelseestraße 44, 4866 Unterach Tel.: 07665/60 11 Kochtermine im LandArt-Stüberl (Menü mit Weinbegleitung: 125 Euro) und Preisliste: www.landart.at

klaus.kamolz@profil.at