Erhard Busek über die Causa Helmut Zilk:
Im Interview über seien Ost-Erfahrungen

Zilks Ex-Vizebürgermeister Erhard Busek über die Affäre und seine eigenen Erfahrungen im Osten.

Interview: Herbert Lackner

profil: Herr Doktor Busek, Sie waren mehr als jeder andere ­österreichische Politiker im damals noch kommunistischen Osteuropa unterwegs. Hatten Sie auch Geheimdienstkontakte?
Busek: Für mich erkennbar nicht. Man hat aber einmal versucht mich reinzulegen. Ich sollte nach einer Leibesvisitation in der Tschechoslowakei ein Protokoll unterschreiben, wonach man bei mir tschechoslowakisches Geld gefunden habe. Ich hatte aber keines bei mir. Das Geld hatte ein anderer in der Gruppe. Die Einfuhr war ja damals verboten. Ich habe das nicht unterschrieben, weil mir völlig klar war, wie das benützt wird.

profil: Wie denn?
Busek: Um meine Rolle gegenüber den Dissidenten zu diskreditieren und mich einfach als Schmuggler abzustempeln.

profil: Sonst hat es keine Annäherungsversuche gegeben?
Busek: Man hat schon versucht, Gespräche herbeizuführen. Ich habe aber nur mit einem einzigen kommunistischen Regierungsmitglied gesprochen, das war der stellvertretende Ministerpräsident von Ungarn, Aczel. Da ging es aber nur darum, jemandem aus der Verbannung zu helfen.

profil: Hat es funktioniert?
Busek: Ja, es ist gegen die Arbeitserlaubnis für einen Koch im ehemaligen Liesinger Keller in Wien abgetauscht worden.

profil: Hat man es mitbekommen, wenn sich jemand geheimdienstlich angepirscht hat?
Busek: Bei mir wurde das als eher aussichtslos angesehen. Natürlich kann jemand, mit dem ich gesprochen habe, danach darüber berichtet haben. Aber so merkbar, dass man mir Informationen über Österreich abgewinnen wollte, gab es das nicht. Einige Dissidenten, die meine Gesprächspartner waren, sind oft bei der Polizei und sogar im Gefängnis gelandet.

profil: Ist für Sie die Vorgangsweise des Geheimdienstes, wie sie sich im Fall Zilk zeigt, nachvollziehbar?
Busek: Das ist für mich nachvollziehbar. Ich bin seinerzeit, von jenem tschechischen Abgeordneten, der für solche Akten zuständig war, in der Causa Zilk schon 1998 kontaktiert worden. Aber da er mir keine Beweise vorlegen wollte, habe ich mich für in jeder Hinsicht unzuständig erklärt. Ich vermute, Zilk hat einen gewissen Preis dafür bezahlt, um noch einmal seine „Stadtgespräche“ machen zu können.

profil: Er hat auch Geld für seine Informationen genommen und sich damit in die Hände des Geheimdienstes begeben.
Busek: Das ist allerdings richtig. Es wäre aber jenseits des Respekts für einen ­Toten, würde ich da jetzt noch mehr Vermutungen in den Raum stellen.

profil: In Zilks jetzt bekannt gewordenem Stapo-Akt heißt es, Zilk habe durch seine Informationen den „Reformkommunismus“ fördern wollen. Macht das Sinn?
Busek: Nein, das tut es nicht. Meine Linie war, die Gelegenheit zu nutzen, um nichtkommunistische Gruppen zu unterstützen. Ein Einfluss auf innere Vorgänge durch Informationen, wie Zilk sie gegeben haben soll, war natürlich völlig ­unmöglich und ist auch nicht plausibel.

profil: Waren Sie von den neuen Fakten im Fall Zilk überrascht? Sie waren ja ­immerhin sein Vizebürgermeister.
Busek: Der Fall selbst hat mich nicht überrascht. Betroffen gemacht hat mich die Trivialität des Vorgangs. Das Geld, der geforderte Kristallluster – das ist schon eher unteres Niveau.

profil: Sie haben in einem Zeitungsinterview gesagt, jetzt werde es schwer werden, die Ringstraße nach Zilk zu benennen. Hat Ihnen das viele böse Briefe ­eingetragen?
Busek: Keinen einzigen!