Feldpost

Ein General der Tschad-Rebellen macht der EU und Österreich per profil ein Angebot: Friedensgespräche mit allen Konfliktparteien.

Die Botschaft kommt direkt aus dem Lager der Rebellen. Vergangenen Donnerstag spätabends langte bei profil ein Schreiben ein, das mit den Worten „gegeben in Hadjer Marfeine, am 6.11.2007“ unterzeichnet war. Der Verfasser: General Brahim Djidda, Kommissar für Außenbeziehungen der UFDD-Rebellen (Vereinigung der Kräfte für Demokratie und Entwicklung) im Tschad.

Der Adressat: „Son excellence Monsieur le Ministre de la défense de la République autrichienne“ – also der österreichische Verteidigungsminister Norbert Darabos.

Ende vorvergangener Woche hatte die UFDD den Eufor-Friedenstruppen und dabei namentlich auch den Bundesheer-Spezialeinheiten, die in den Tschad entsandt werden sollen (siehe Kasten), den Krieg erklärt: „Wir betrachten die europäischen Soldaten als Feinde, egal, ob Franzosen oder Österreicher“, sagte Rebellensprecher Mahamat Hassane Boulmaye in einem via Telefon geführten Interview mit profil.

Boulmaye war es auch, der die Botschaft von General Djidda an profil übermittelte – mit der dringenden Bitte um Weiterleitung an den zuständigen Minister in Österreich.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich Djidda nach Angaben der UFDD im Bergmassiv Hadjer Marfeine – und damit am Schauplatz blutiger Gefechte zwischen Rebellen verschiedener Fraktionen und Regierungstruppen des umstrittenen Präsidenten Idriss Déby.

In seinem Schreiben vom 6. November deutet General Djidda die Möglichkeit einer Lösung des Konflikts an. Er fordert die EU auf, einen Friedensprozess in Gang zu setzen: „Die internationale Gemeinschaft und Europa im Besonderen haben Verpflichtungen und müssen das Regime von Déby an den Verhandlungstisch zwingen.“ Die UFDD verlangt eine Konferenz aller Streitparteien mit „internationaler Sicherheitsgarantie“. Das Schreiben schließt mit „Komplimenten“ an Minister Darabos und der Versicherung, die UFDD sei „für eine allfällige Kontaktaufnahme jederzeit verfügbar“.

Neutralität. Mit ihrer Botschaft machen die Rebellen keinen Rückzieher: Für sie gilt laut Djidda weiterhin jedes Engagement einer ausländischen Macht und jede Unterstützung des Regimes als „kriegerischer Akt“. Das betrifft auch die Eufor. Das größte Kontingent der Truppe stellt die frühere Kolonialmacht Frankreich, die bis zuletzt immer wieder für Präsident Déby ins Geschehen eingegriffen hat. Immer noch führen französische Hubschrauber und Flugzeuge Aufklärungsmissionen für die Regierungsarmee durch. Damit steht die Neutralität, die der Eufor durch ihr UN-Mandat auferlegt ist, substanziell in Zweifel.

Die Worte von General Brahim Djidda haben durchaus Gewicht: Er ist einer der maßgeblichen Rebellenführer – und die UFDD laut Einschätzung des österreichischen Generalstabs „die größte Miliz“ im Tschad. Bei Friedensgesprächen, die im Oktober unter Vermittlung des libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi stattfanden, war er einer der UFDD-Verhandler. Sowohl unter dem autokratisch regierenden Präsidenten Déby als auch unter dessen Vorgänger, dem Diktator Hissène Habré, diente er in hochrangigen Funktionen, etwa als Chef der Geheimpolizei DDS. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bringt ihn in Zusammenhang mit der Folterung von Regimegegnern. Djidda, inzwischen selbst Rebell, wirft der Regierung im profil zugegangenen Schreiben vor, „zu foltern, zu töten und die Reichtümer des Tschad zu plündern“.

Inzwischen kämpfen neben der UFDD auch der RFC (Zusammenschluss der Kräfte zur Veränderung), die FUC (Vereinigte Kräfte für den Wechsel) und die CNT (Nationale Eintracht des Tschad) mit.

So gesehen, wäre eine allgemeine Friedenskonferenz wohl keine so schlechte Idee.

Von Martin Staudinger und Robert Treichler