Fernsehen: „Zwischen den Stühlen“

Die Erregung um die Verschiebung der Comedy-Serie „Dorfers Donnerstalk“ hat eine Frage erneut aufgeworfen: Wie frei ist die Satire im ORF?

Als vorvergangene Woche eine unter anderem der bevorstehenden Wiener Wahl gewidmete Folge der TV-Comedy-Show „Dorfers Donnerstalk“ per ORF-Dekret kurzfristig gegen eine andere Folge ausgetauscht wurde, kam es zu einiger medialer Unruhe. Oppositionspolitiker sprachen von Zensur, Alfred Dorfer selbst, Autor und Protagonist der Sendung, beklagte die „unselige Verflechtung von Politik und Medien in diesem Land“. Mittlerweile wurde das verschobene Programm –  ohne inhaltliche Veränderungen – ausgestrahlt: die satirisch-offenherzige Aufbereitung eines problematischen Sujets, des politisch kontrollierten öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Satire, das steht spätestens seit Tucholskys Verdikt fest, darf alles. Darf sie auch im ORF alles? Und auch dann, wenn sie vom ORF selbst handelt? Alfred Dorfer beantwortet diese Frage nüchtern: „,Donnerstalk‘ unterlag bislang keinerlei Beschränkungen, mit Ausnahme der Vorgaben durch das ORF-Gesetz. Das war immer der Deal.“ Die Verschiebung einer Folge seiner Sendung stößt indes auch bei Dorfer auf Unverständnis: „Wir wissen, dass es eine offizielle Verordnung gibt, nach der Parteien oder deren Vertreter in Vorwahlzeiten in Unterhaltungssendungen nicht vorkommen dürfen. Mir kann man aber wohl nicht unterstellen, dass ich irgendjemandem Wahlhilfe gebe.“ ORF-Programmdirektor Reinhard Scolik bekundet zwar, „kein Problem mit politischem Kabarett zu haben“, hält die Vorwahl-Regel aber für „zumutbar“; schließlich gehe es nur um eine Woche, in der man sich mit Politikerpräsenz in Shows und Comedies zurückhalten müsse.

Auch David Schalko, Regisseur des „Donnerstalk“ und Miterfinder des ORF-Formats „Sendung ohne Namen“, bekundet ein gewisses Misstrauen: „Der ORF zieht sich in Zweifelsfällen immer auf die juristische Argumentation zurück – der wahre Grund für Änderungswünsche wird nicht kommuniziert.“

Ob die Tatsache, dass der auch um politische Aktualität bemühte „Donnerstalk“ zeitgleich zu der auf ORF 2 laufenden „ZiB 2“ ausgestrahlt wird, einer höheren programmtechnischen Logik – nämlich jener der vorsätzlichen Zielgruppenminimierung – folgt, ist kaum eindeutig zu klären. Dorfer bekennt sich jedenfalls zu kritischer Berichterstattung: „Ich habe den Anspruch, Themen aufzuwerfen, die sonst im ORF nicht vorkommen. Meine Sendung ist ein Beitrag zum öffentlichen Diskurs: In einer konzentrierten Medienlandschaft – zu der ja auch der Printsektor gehört – gibt es nur tolerierte Nischenmeinungen.“ Natürlich sehe es „niemand gern, wenn er in meiner Sendung vorkommt“, fügt Dorfer an. „Aber ÖVP-Klubobmann Molterer wird sich hüten, im Sinne des politischen Geschicks öffentlich dagegen Stellung zu beziehen. In Wirklichkeit ist das brisante Thema der verschobenen Sendung ja nicht die Wien-Wahl. Das heikle Thema war die Beeinflussbarkeit von Informationssendungen. Die Grundfrage lautet: Wie viel politische Desinformation muss man herstellen, damit sich politisches Desinteresse einstellt?“

Peter Hörmanseder, der als Teil des Kunst-Comedy-Trios maschek „Donnerstalk“-Beiträge zuliefert, lobt die „völlige Autonomie“, die Dorfer seinen Mitarbeitern zugestehe. Interventionen „nennenswerter Art“ habe es bislang nicht gegeben, betont Hörmanseder. „Allerdings hat uns die Redaktion ein vorauseilendes Anliegen kommuniziert: Weder Generalintendantin Monika Lindner noch Chefredakteur Werner Mück wünschen in unseren Beiträgen vorzukommen. Aber wir können auch ohne Mück und Lindner leben.“ Politiker im Unterhaltungsfernsehen hält Hörmanseder jedoch für ein Problem – wenn auch „keineswegs die satirische Nachbehandlung einer öffentlichen Figur wie Schüssel im ORF“. Was man vielmehr überdenken sollte, seien etwa „Privatauftritte“ des Kanzlers in populären ORF-Talkshows.

Die Antipathie, die ihm wegen seiner Polit-Comedy gelegentlich entgegenschlägt, will Dorfer weiterhin in Kauf nehmen: „Satire, durch die sich der Satiriker nicht auch unbeliebt macht, ist keine Satire. Wer seinen Freundeskreis vergrößern möchte, darf nicht Satire machen. Man sitzt logischerweise zwischen den Stühlen. Die einen sagen: Man ist ein ORF-Knecht, der ein bisschen Freiraum hat. Andere sagen: Man ist politisch unbequem. In Sachen Sympathie gibt es da nicht viel zu gewinnen.“

Von Wolfgang Paterno

Stichwort: maschek
Seit 1998 ist das medienkomödiantische Trio maschek aktiv. Spezialdisziplin: die betont holprige Nachsynchronisation ausgewählter ORF-Fernsehbilder. Mitglieder: Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel. Das erfolgreiche jüngste maschek-Programm „The Great Television Swindle“ ist noch bis 26. November im Wiener Rabenhof zu sehen. Termine diese Woche: 4. und 5.11. – Mit dem Abend „Die Zeros Show“ tritt die Truppe am 8.11. im Posthof Linz auf.
Infos: www.maschek.org
www.rabenhof.at