Feuer!

Smoke gets in your eyes.

„Wo Rauch ist, ist auch Feuer.“ Volksweisheit

Seit Wochen verweigere ich Diskussionen zur Raucherfrage. Reiner Zeitverlust. Ich glaube zwar, dass Österreich vernünftige Regeln fixieren wird, mit denen alle gut leben können. Aber das Regelwerk muss wirklich im Parlament festgeschrieben werden, nicht von der betroffenen Basis der happy smokers und happy smokers’ killers. Die Basisbetroffenen sind nicht imstand, objektiv zu sein. Wir Raucher verwerfen alle grauslichen Röntgenbilder. Die Nichtraucher verwerfen alle Untersuchungen, die der Mitrauchergefahr die hysterische Spitze nehmen. Und beide übersehen, dass die meisten Politiker in Österreich längst mit Augenmaß an die Sache herangehen. Sie achten zugleich ein Schutzrecht des Einzelnen und die Freiheit der Unternehmer. Öffentliche Räume wie Ämter, die jeder Bürger aufsuchen muss, sind rauchfrei gestellt. Räume, die man freiwillig aufsucht, wie Bars und Restaurants, bleiben wesentlich der Entscheidungsfreiheit der mündigen Betroffenen – der Unternehmer wie ihrer Kunden – überlassen. In beiden Lagern finden sich Radikale, die vernünftige Kompromisse verachten. Radikale sind im geschichtlichen Rückblick immer ein Unglück gewesen, links wie rechts, oben wie unten, die liederlichen Sünder wie die fiebrigen Frommen.

Einer, der mich in der Raucherfrage zunehmend nervte, war ich selbst. Zwar niemals Wortführer und keineswegs rabiat, vertrat ich auf schlechte Weise die Sache der Raucher. Ich war kontraproduktiv, weil provokant. Beispiel 1: Ich rauchte und trank zarte Wachauer Federspiele bei jeder genuss-liberalen TV-Sendung wie dem Original-„Club 2“ und dem späteren „Extrazimmer“, schon aus trotziger Opposition zu manchen Mitdiskutanten, die während der Sendung auf brav machten, aber nachher wie Manfred-Deix-Figuren durch jedes Nasenloch einen Tschik nahmen, nebst einem Achtel Obstler. Beispiel 2: Eine interviewende Kollegin, die fühlbar unobjektiv war, weil alles an ihr ein lodernder Hass auf Nicht-Vegetarier und Raucher war, fragte lauernd nach meinen diesbezüglichen Gewohnheiten. Die übermütige Antwort: „Ich bin Psychosomatiker. Ich bin nur so gesund, wie ich glücklich bin. Meine Seele liebt neben Kaffeehäusern, Weltliteratur und klassischer Musik auch Marlboro Lights und Steaks von einheimischen Klasse-Rindern. Um noch gesünder zu werden, müsste ich eigentlich mehr Fleisch essen und mehr rauchen.“
Scherze dieser Art sind töricht. Sie bringen nichts außer ein paar Lachern, aber viele Vergrämte und schlechte, persönliche Publicity. Vielleicht hatte die „Krone“ gar nicht Unrecht, wenn sie nach TV-Sendungen kritisierte, man möge als Journalist kein schlechtes Vorbild für Kinder sein. Obgleich ich mich frage, was die Rotzlöffel rund um Mitternacht vor der Glotze zu suchen haben, wohin alle TV-Sender ihre Diskussionen schieben, weil sie als Quoten-Killer maximal 200.000 Zuseher locken. Lauter Kinder?

Zunehmende Einsicht in eigenes Fehlverhalten muss nicht heißen, das Denken einzustellen. Beispielsweise verblüffte, dass kürzlich die SPÖ-Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser die Anti-Raucher-Diskussion unverhofft anheizte. Dies lässt sich nur so erklären, dass PolitikerInnen oft einen inneren Schub fühlen, zu populären Themen aufzuzeigen, um nicht vergessen zu werden. Auch wenn diese Meldung weder im Inhalt noch im Timing toll ist. Warum gerade jetzt, wo man weiß, dass im Hintergrund leise und vernünftig versucht wird, verbindliche Regelungen zu finden, auf die sich auch die Wirtschaft (Gastgewerbe, Fremdenverkehr, Transport) verlassen kann? Und: Welche spezielle Fantasie soll für die SPÖ darin stecken? Glaubt Frau Dr.IN Oberhauser (wir gehorchen in der Titelschreibung der Visitenkarte), dass neue Stimmen aus dem Lager der Manager & Unternehmer (tendenziell eher Nichtraucher) die damit bewirkten Verluste aus dem Lager der Arbeiter und Angestellten (eher tabakaffin) überkompensieren? Besuchen SPÖ-Granden keine Gasthäuser in Linz, Ternitz oder in Wiener Arbeiterbezirken mehr? Dann wüssten sie, dass radikale Rauchverbote, wie sie von militanten Missionaren gefordert werden, dort eine echte Existenzgefährdung wären. Aber vielleicht gehen sie nur noch ins Hotel Sacher und Hotel Bristol, die durch ihre „Rente der Lage“ (Nachbarn der Wiener Staatsoper) auch ein Rauchverbot verkraften. Wobei selbst das Sacher nicht übertreibt. Das „Sacher-Eck“ an der Kärntner Straße ist der lässigste Smoker’s Corner Europas. Wie schön, dass Unternehmer und ihre Kunden noch Entscheidungsfreiheit haben, nicht Planungszwang wie im einstigen Ostblock.

Die klassische SPÖ-Klientel ist auch sensibel für Winkelzüge, die man früher nur dem Klassenfeind zutraute. Dass man jetzt das vermeintliche Killer-Argument „Wir dürfen die Mitarbeiter nicht den Rauchern aussetzen“ mit Krokodilstränen aus dem Ärmel zieht, wird als unaufrichtig empfunden. Zumal man diese nicht einmal fragte. Ich habe dies stellvertretend für die Gesundheitssprecher aller Parteien getan. Ergebnis: Zehn von zehn Barkeepern würden an einer gespaltenen Bar lieber auf der Raucher-Seite arbeiten. Argument Nr. 1: Die Kohle – man verdient dort besser. Die weiteren Argumente nenne ich nicht. Sonst heißt es gleich wieder, man sei einseitig, befangen und kontraproduktiv. Allenfalls ein Hinweis: In vielen Pubs in Irland verwaist das schöne Interieur. Die Gäste rotten sich in verregneten Frischluft-Hinterhöfen zusammen, die mit Heiz-Schwammerln, Markisen und Bierfass-Stehtischen wohnlich gemacht wurden für die Raucher und Sänger.