Filmkritik: Das elektrische Schaf

Mit dem Brustkorb Ketten sprengen und mit jeder Wortmeldung die Gesetze der englischen Phonetik: über "Terminator 3: Rebellion der Maschinen".

Der Science-Fiction-Virtuose Philip K. Dick versah 1968 einen seiner berühmtesten Romane mit dem schönen Titel " Do Androids Dream of Electric Sheep?" . Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, auch das aktuelle Menschmaschinen-Spektakel " Terminator 3" , dem man ein gewisses Maß an Androiden- Sachverstand zugestehen darf, hilft einem da vorerst nicht weiter. Die "Terminator " -Serie erweist sich in ihrer dritten Ausfertigung immerhin als stabil. Die Mission des aus der Zukunft anreisenden Terminators hat sich seit dem zwölf Jahre zurückliegenden Teil zwei nicht wesentlich gewandelt: Unverändert gilt es, jenen jungen Mann zu verteidigen, ohne den es in kommenden Jahrzehnten keinen menschlichen Widerstand gegen die Übermacht der Maschinen geben könnte. Die Zeit drängt einigermaßen: Nur noch Stunden trennen die Menschheit vom atomaren Vernichtungsschlag der längst mit Eigenwillen ausgestatteten Computernetzwerke.

Es ist Regisseur Jonathan Mostow zugute zu halten, dass er die " Terminator" - Reihe knapp vor dem Absprung ins Nirwana der seriellen Verschrottung zurück auf den Boden geholt hat: Mostows " T3" ist ganz offensichtlich weder von dem Ehrgeiz bestimmt, mit dem Größenwahn des Regie-Vorgängers James Cameron zu konkurrieren, noch von dem Zwang zu besonderer Originalität. Das Epos " T3" bietet präzise das, was man sich bestenfalls von ihm erwarten kann: ein 175 Millionen Dollar schweres, also ein wenig überdimensioniertes Neo-B-Picture, dessen Unterhaltungswert sich vor allem der Tatsache verdankt, dass Mostow noch Geschichten erzählen kann, ohne sich in der wahnwitzigen Logistik seiner Produktion zu verlieren. Das darf schon als Achtungserfolg gelten in einer Kinoindustrie, deren teuerste Erzeugnisse (zuletzt "Matrix Reloaded") zusehends zu Action-Nummernrevuen ohne inneren Zusammenhalt regredieren.

James Camerons "Terminator 1", 1984 für vergleichsweise wenig Geld produziert, führte den Prototypen vor, "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" (kurz: "T2") sieben Jahre später dessen hochtechnologische Perversion. Hier endeten zwangsläufig alle kreativen Wege. "T3" nun hält sich sinnvollerweise an das Gebot der Rückkehr zur Vernunft. Dass Pragmatiker Mostow gar nicht erst vorhatte, mit "T3" das Rad neu zu erfinden, erkennt man schon daran, dass sich ganze Sequenzen aus den ersten beiden Teilen fast bildident nun auch im dritten finden: mit dem kleinen Unterschied, dass der brutale Gegenspieler des Original- Terminators nun eine Gegenspieler ist - in eine Terminatrix, um genau zu sein: Model Kristanna Loken spielt die mörderische Prinzessin mit Puppenblick und Plexiglas- Physis, und sie sieht dabei tatsächlich "virtuell " aus, künstlich gehärtet, synthetischer als alle Filmmenschmaschinen vor ihr.

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