Forschungspolitik: Geballte Kompetenz

Mehr als 100 Innovationszentren im gesamten Bundesgebiet sollen Technologie-, Produktentwicklungen und die Gründung forschungsintensiver Unternehmen fördern. Österreichs Drehscheiben der Innovation gelten teils auch international als Musterbeispiele – trotz Aufholbedarfs.

Der Uneingeweihte würde Lamborghinis und Hummers wohl nicht gleich mit dem oberösterreichischen Innviertel assoziieren. Schließlich werden solche Karossen im Regelfall eher in Hollywood oder Cannes gesichtet. Und dennoch besteht ein Österreich-Bezug: Denn das Prüflabor Proof des Technologiezentrums Techno-Z Braunau sorgt dafür, dass die Luxusautomobile nicht aufgrund von technischen Tücken auf einem der Prachtboulevards liegen bleiben.

Mit Tests hochkomplexer Elektronik konnte sich das im Juni 2004 eröffnete Zentrum rasch als international beachtete Prüfstätte etablieren. „Zuvor wurden meist nur Einzelkomponenten geprüft, aber nicht das Zusammenspiel aller Teile“, erklärt Georg Kreilinger, Geschäftsführer des Techno-Z Braunau und des Technologiezentren-Verbunds Innviertel. Zu den Kunden des Labors zählen inzwischen Konzerne wie VW, die Porsche Holding und BMW. Getestet werden können die verschiedensten Parameter – von elektromagnetischen und mechanischen Komponenten bis zu chemischen Faktoren.

Das Techno-Z Braunau gilt mittlerweile in mehrfacher Hinsicht als Musterbeispiel dafür, in welche Richtung sich die mehr als 100 Technologie- und Innovationszentren Österreichs künftig entwickeln sollen. „Wir wollen eine Marke für solche Zentren etablieren“, sagt Kreilinger. „Besonders in strukturschwächeren Regionen ist es wichtig, als aktiver Dienstleister aufzutreten, der Unternehmen vernetzt und untersucht, was die Region benötigt.“

Neben eigener Prüftätigkeit bietet das Techno-Z Braunau deshalb Dienstleistungen an, die zum Beispiel den rund 800 Betrieben im Innviertel und weiteren Umkreis zur Verfügung stehen. Dazu zählen die kostenlose Benützung von Besprechungsräumen samt technischer Ausstattung, Gründungsberatung sowie Unterstützung beim Management von regionalen, nationalen und EU-Projekten. Denn die Bildung von Kooperationsnetzen und Technologietransfer sind laut Kreilinger heute zentrale Aufgaben von Technologie- und Kompetenzzentren.

Forschung, Technologie und Innovation stehen schon seit geraumer Zeit auf der Prioritätenliste der Bundesregierung – nicht zuletzt, weil die EU bis 2010 eigentlich den Innovationsmeister USA in Bezug auf Forschungsausgaben überholen wollte. Zwar ist mittlerweile klar, dass die Einhaltung der zeitlichen Vorgaben für diese so genannte Lissabon-Strategie nicht mehr realistisch ist, die prinzipiellen Ziele gelten aber: das Erreichen eines Anteils von Forschung und Entwicklung (F&E) am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von drei Prozent bis 2010 sowie die Vorgabe, dass mittelfristig zwei Drittel dieser Ausgaben von den Unternehmen getätigt werden sollen.

Fernziel. 2005 wurden in Österreich 5,773 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert, was 2,35 Prozent des BIP entsprach. Die Unternehmen trugen mit einem Anteil von 43 Prozent schon im Vorjahr am stärksten dazu bei – gefolgt von der öffentlichen Hand mit 36 Prozent und ausländischen Investoren sowie EU-Geldern mit 20 Prozent. Ein Erreichen der Zweidrittelvorgabe ist freilich trotzdem noch in weiter Ferne.

„Bei der Diskussion um die F&E-Quote geht es allerdings leider nur um den Input ins Innovationssystem“, sagt Friedrich Mader, Geschäftsführer der Profactor Produktionsforschungs GmbH, Österreichs größten außeruniversitären Forschungsinstituts. „Es wird viel zu wenig darauf geachtet, was mithilfe all der F&E-Gelder wirklich an Produkten und Entwicklungen auf den Markt kommt.“ Denn in Bezug auf diese Kriterien liegt Österreich – anders als bei der aktuellen F&E-Quote – noch weit unter dem EU-Durchschnitt, wie eine Studie des Beratungsunternehmens A. T. Kearney zeigt.

Zur Belebung und besseren Koordination der F&E-Aktivitäten wurde in den vergangenen Jahren die österreichische Forschungslandschaft immerhin kräftig umgebaut. So gibt es nun mit der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) erstmals eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen. Die FFG soll die Stärkung des Wirtschafts- und Forschungsstandorts Österreich fördern. Dazu dient eine Vielzahl regionaler, nationaler und internationaler Programme. Ganz konnte mit der Strukturreform der Dschungel an Förderungen und potenziellen Ansprechpartnern aus Bund, Ländern, Kommunen und EU jedoch nicht gelichtet werden: Während große Unternehmen eigene Forschungsstätten betreiben, klagen besonders kleinere Unternehmen weiterhin über zu viele Hürden.

„Forschungsvorhaben sind für kleinere Unternehmen nicht leicht zu realisieren. Forschung braucht Geld, Zeit und Ressourcen“, sagt Mader. „Es bedarf schon einer gewissen Motivation, etwa durch Förderungen, um ein Projekt zu riskieren.“ Profactor geht immer öfter aktiv auf mittelständische Unternehmen zu, um sie von Forschungsprojekten zu überzeugen.

Dichte Szene. Eine immer dichtere Szene an entsprechenden Einrichtungen soll dazu beitragen, dass derartige Initiativen auf eine breitere Basis gestellt werden: In Österreich gibt es inzwischen allein 108 so genannte Impuls- und Technologiezentren. Weiters versuchen 41 Kompetenzzentren eine fruchtbare Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft herzustellen. „K-Zentren sind auf sieben Jahre befristete Einrichtungen“, erklärt Otto Starzer, der bei der FFG für die K-Zentren verantwortlich ist. „Sie bieten Unternehmen die Möglichkeit, sich als Partner am Zentrum und somit am gemeinsamen Forschungsprogramm und Know-how zu beteiligen.“ Dabei werden immerhin bis zu 60 Prozent der Aufwendungen gefördert.

Wichtig für die Innovationslandschaft sind aber auch Forschungsinstitute wie Arsenal Research, Joanneum Research, Gründerzentren wie die AplusB-Zentren sowie Universitäten und Fachhochschulen. Die Technische Universität Wien hilft nicht nur bei Forschungskooperationen, sondern vermittelt auch wissenschaftliches Personal für F&E-Projekte an Unternehmen – unabhängig davon, ob es sich um ein Beratungsgespräch oder ein langjähriges Projekt handelt.

Für Klein- und Mittelbetriebe bieten sich vor allem die Technologiezentren an, um Innovationen voranzutreiben und sich zu vernetzen. „Der einzige Unterschied zwischen guten Technologiezentren und Clustern ist, dass Erstere nicht an der Wertschöpfungskette orientiert sind“, definiert Wolfgang Rupp, Vorsitzender des Verbandes der Technologiezentren Österreichs (VTÖ). Freilich hat sich die Funktion dieser Einrichtungen mit der Zeit deutlich gewandelt: Ging es ursrpünglich vor allem darum, Infrastruktur bereitzustellen, stehen heute zunehmend Inhalte im Mittelpunkt. „In den späten achtziger und Anfang der neunziger Jahre gab es vor allem noch Ziegelsteinförderung“, so Rupp, „dann erst kam die Software, um die Gebäude richtig zu bespielen.“ Darunter versteht Rupp beispielsweise Konzepte zur wirtschaftlichen Regionalentwicklung, zur Vernetzung oder Kooperation.

Eine weitere wichtige Funktion ist die des Inkubators, wobei sich zeigt, dass Impulszentren in dieser Hinsicht durchaus erfolgreich sein können. Eine Untersuchung über die Gründungsaktivitäten in den mittlerweile 15 Impulszentren der Innofinanz GmbH, eines Tochterunternehmens der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft, ergab, dass von den rund 200 Unternehmen, die zwischen 1986 und 2004 im inhaltlichen Umfeld der Zentren entstanden sind, 85 Prozent immer noch bestehen. Die in den Zentren angesiedelten Unternehmen sind laut dieser Erhebung zudem deutlich innovativer und exportorientierter als herkömmliche Unternehmen und weisen ein überdurchschnittliches Mitarbeiterwachstum auf.

Das reale Leistungsangebot der Technologiezentren ist derzeit trotz aller Fortschritte noch sehr verschieden. Während sich einige Zentren nach wie vor als gut ausgerüstete Immobilie verstehen, die konstant zu 100 Prozent ausgelastet sein soll, fungieren andere eher als Entwicklungsagenturen für die jeweilige Region.

Die meisten Impulszentren gibt es in der Steiermark mit 24 und in Oberösterreich mit 21. „Wir haben in fast jedem Bezirk ein Technologiezentrum“, sagt Karin Schachinger, die bei der oberösterreichischen Technologie- und Marketinggesellschaft (TMG) für die Koordination der Zentren verantwortlich ist. „Wir wollen damit auch Regionen aufwerten, in denen es noch wenig solche Aktivitäten gibt.“

Während bislang meist Entwicklungsagenturen der Bundesländer Technologiezentren errichteten, wird nun verstärkt auf so genannte Public-Private-Partnership-Modelle (PPP) gesetzt. Der größte Investor auf diesem Sektor ist die Prisma Unternehmensgruppe, die aus dem Vorarlberger Wirtschaftspark in Götzis, einem der ersten dieser Parks in Österreich, hervorging. Heute betreibt Prisma mit Partnern 20 Technologie- und Impulszentren in Wien, Vorarlberg, Tirol und Süddeutschland. Derzeit steht im Rahmen eines PPP-Projekts mit der Stadt Wien das Vienna Bio Center 3 knapp vor Baubeginn. Weiters wird das Vienna Competence Center um mehr als 8500 Quadratmeter an Labor- und Büroflächen erweitert.

„Mit über 100 Innovationszentren ist für Österreich schon eine gute Dichte erreicht“, resümiert Prisma-Geschäftsführer und -Aktionär Bernhard Ölz. „Heute geht es um die Aufwertung der bestehenden Standorte. Wichtig ist die Übernahme von Aufgaben eines regionalen Innovators.“ Diese Funktion als aktive Innovationsdrehscheibe erfülle derzeit erst knapp die Hälfte aller Technologiezentren, konstatiert Techno-Z-Braunau-Geschäftsführer Kreilinger aufgrund einer entsprechenden Erhebung. Zur Realisierung des von der EU beabsichtigten Forschungs- und Entwicklungsbooms sind demnach noch erhebliche Anstrengungen nötig.

Von Alfred Bankhamer