Frankreich: Hollande liegt deutlich vor
Amtsinhaber Sarkozy

Am 6. Mai wird erneut gewählt. Laut Umfragen liegt der sozialistische Marine Le-Pen könnten die Wahl jedoch noch spannend machen.

Frankreichs Bürger entscheiden am 6. Mai in einer Stichwahl über ihren neuen Staatspräsidenten. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und sein sozialistischer Herausforderer Francois Hollande kämpfen dabei um die Mehrheit der Wähler. Laut Umfragen liegt Hollande allerdings in deutlicher Führung vor dem chronisch unpopulären Präsidenten. Das Zünglein an der Waage dürften die Wähler der rechtsextremen Kandidatin Marine Le Pen von der Front National spielen, die in der ersten Wahlrunde am 22. April mit 17,9 Prozent der Stimmen einen herausragenden Erfolg landen konnte.

Bereits im Vorfeld der ersten Runde hatten die Meinungsforschungsinstitute Hollande einen Vorsprung von zehn Prozentpunkten in der Stichwahl prophezeit. An diesen Angaben hat sich auch nach der ersten Wahlrunde, bei der der Sozialist seinen Kontrahenten mit 1,45 Prozentpunkten überholte, trotz aller Bemühungen nur wenig geändert: Zuletzt betrug die Differenz zwischen den beiden Kandidaten immerhin sieben Prozentpunkte.

Deshalb dürften die Wähler Le Pens, des Linkskandidaten Jean-Luc Melenchon und des Zentristen Francois Bayrou eine wahlentscheidende Rolle spielen. Während sich jedoch Hollande des überwiegenden Teils der Melenchon-Wähler (11,11 Prozent in der ersten Runde) sicher sein kann, sind jene Bürger, die für Bayrou (9,13 Prozent) und Le Pen stimmten, zwischen den beiden Stichwahl-Kandidaten gespalten. Viele sind auch unentschieden oder wollen erst gar nicht zur zweiten Runde gehen. Für Sarkozy sind sie aber die einzige Hoffnung, doch noch im Amt bleiben zu können - auch wenn Le Pen zuletzt dazu aufgerufen hatte, "ungültig" zu wählen.

Hollande hatte in den vergangenen Tagen vor allem kontroverse EU-Themen wie die Forderung nach einem Kurswechsel in der europäischen Finanz- und Wirtschaftspolitik in den Vordergrund gestellt - zum Unmut der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die am EU-Fiskalpakt nicht mehr gerüttelt wissen will. Das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" warnte nach den Ankündigungen des Sozialisten gar bereits vor dem "gefährlichen Herrn Hollande", den man verhindern müsse. Sarkozy stellte dagegen - offenbar mit Seitenblick auf die Wähler der Rechtsextremen - erneut die Themen illegale Einwanderung und Grenzschutz in den Mittelpunkt.

Französische Medien kommentieren, dass mittlerweile ein Rollentausch zwischen den beiden Kandidaten stattgefunden hat: Während sich Hollande immer staatsmännischer gibt, spiele Noch-Amtsinhaber Sarkozy nun die Rolle des aggressiven Herausforderers. Welches Auftreten ihnen besser gefällt, werden die rund 43 Millionen Wähler am 6. Mai zu entscheiden haben.

(APA/Red)