Frühwarnsysteme: Notfallprogramm

Die verfügbaren Technologien eignen sich durchaus zur rechtzeitigen Detektion von Tsunamis.

Jedem Tsunami geht eine mächtige Erschütterung des Erdbodens voraus, die beispielsweise durch ein Seebeben, einen Vulkanausbruch, Rutschungen von Landmassen ins Meer oder durch unterseeische Rutschungen ausgelöst werden kann. Diese Erschütterungen sind mit entsprechenden Technologien messbar. Das zurzeit am weitesten entwickelte Überwachungs- und Detektionssystem, das Tsunami Warning System (TWS), wurde zur Kontrolle des pazifischen Raums entworfen und ist längst großflächig im Einsatz.

Das Herz der Datenerfassung sind sechs jeweils 2,5 Meter hohe Oberflächenbojen, die an sensiblen Stellen im Pazifik in bis zu 6000 Meter Tiefe verankert sind und von Experten „Deep-ocean Assessment and Reporting of Tsunamis“ (DART) genannt werden.

Das Funktionsprinzip von DART: Am Meeresgrund installierte Sensoren messen in der Regel alle 15 Sekunden den Wasserdruck und die Höhe der Wassersäule vom Meeresboden bis zur Wasseroberfläche. Diese Daten werden an die Boje gesendet und anschließend via Satellit an das Überwachungszentrum Ewa Beach in Honolulu geschickt. Unterstützt werden die Messungen von zahlreichen frei treibenden Bojen. Verändert sich der Wasserdruck oder die Höhe der Wassersäule auffällig, ist dies üblicherweise ein Zeichen für eine seismische Aktivität in der betroffenen Messregion, und das System schaltet augenblicklich auf den „Tsunami Response Mode“ – das Tsunami-Warnprogramm läuft an.

Zeigen die Messdaten, dass eine Monsterwelle unterwegs ist, sendet das Pacific Tsunami Warning Center (PTWC) – das logistische und operationelle Zentrum all der Überwachungsaktivitäten – von Honolulu aus eine Warnung an die potenziell betroffenen Regionen. Dort müssen die für den Notfall eingerichteten Stäbe aktiv werden und die Evakuierung der Bevölkerung einleiten. Nach Erfahrungen aus dem Pazifikraum sind solche Tsunami-Warnungen in 20 bis 30 Minuten realisierbar – mehr Zeit sollte von der Registrierung der Gefahr bis zur Alarmierung der lokal zuständigen Stellen nicht verstreichen. Auch eine Entwarnung oder gegebenenfalls ein Widerruf der Alarmierung liegen im Kompetenzbereich der PTWC.

Am Tsunami Warning System sind im pazifischen Raum insgesamt 26 Staaten beteiligt. Mit gutem Grund wurde das PTWC 1949 in Honolulu auf Hawaii gegründet. Denn die Vulkaninsel liegt mitten im so genannten „pazifischen Feuerkreis“, einem nur gegen das Südpolarmeer hin offenen Ring von seismisch besonders aktiven Zonen mit den dazugehörigen Vulkanausbrüchen und Erdbeben.

Grundsätzlich ist auch Indonesien in ein solches Warnsystem eingebunden – im Rahmen einer Mitgliedschaft beim International Tsunami Information Center (ITIC). Allerdings sind die Messeinrichtungen an der Ostküste installiert. Das verheerende Beben ereignete sich jedoch an der äußersten Westküste des Inselstaates. Mögliche Abhilfe für die Zukunft wird demnächst wohl heftig debattiert werden: Bei der World Conference on Disaster Reduction, die nächsten Monat im japanischen Kobe startet, wird das Thema Tsunami-Frühwarnung im Indischen Ozean auf der Tagesordnung stehen.