Geisterkugeln

Berichte erzählen von Leuchtkugeln, die lautlos Mauern durchdringen und durchs Zimmer schweben. Was ist dran am Phänomen Kugelblitze?
Im Sommer 1978 beobachtete der Hobbyfotograf Werner Gruber in St. Gallenkirch im Montafon, wie während eines Gewitters ein Feuerball vom Himmel fiel. Gruber war dabei, normale Blitze zu fotografieren und drückte auf den Auslöser. Das hier abgebildete Foto ist eine der wenigen Aufnahmen, die je von dem umstrittenen Phänomen Kugelblitz gemacht wurden. Auch Alfred Geiswinkler, ehemaliger technischer Direktor des burgenländischen Energieversorgers Bewag, berichtet von einer ähnlichen Beobachtung in den sechziger Jahren am Wörthersee.
Laut Beobachtungen können diese Kugeln geschlossene Fenster und Türen durchdringen, ohne Spuren zu hinterlassen. Bei der Berührung mit der Hand fühlen sie sich kalt an, können aber Verbrennungen auslösen. Sie entstehen zumeist während eines Gewitters, existieren einige Sekunden bis etwa eine Minute lang und verschwinden lautlos oder mit einem lauten Knall.

Alexander Keul, Sozialwissenschafter an der Universität Salzburg und promovierter Meteorologe, publizierte im „Journal of Meteorology“ eine Vergleichsanalyse von 405 mitteleuropäischen „Kugelblitzbeobachtungen“ (alexander.keul@sbg.ac.at). Fast 90 Prozent der Beobachtungen erfolgten im Sommer, großteils nachmittags während eines Gewitters, oft aus fünf bis zehn Meter Ent-fernung, wobei der angegebene Durchmesser des Objekts häufig im Bereich von 30 Zentimetern lag, teils aber auch weit darüber. Das österreichische Blitzortungssystem ALDIS kann Kugelblitze nicht detektieren. Wolfgang Schulz, technischer Manager von ALDIS, bezweifelt überhaupt ihre Existenz, weil sie sich physikalisch nicht erklären lassen.

Manche Physiker glauben, dass in der Umgebung von Blitzentladungen so viel Mikrowellenstrahlung entsteht, dass kugelblitzartige Lichterscheinungen entstehen können. Dies würde auch erklären, warum Kugelblitze oft auch in von Metall umschlossenen Räumen auftreten, wo die Mikrowellenstrahlung vielleicht stärker reflektiert wird. 1963 etwa hatte der Physiker Roger Jennison in einem Flugzeug einen Kugelblitz beobachtet, kurz nachdem ein Blitz ins Flugzeug eingeschlagen hatte.

1991 gelang es dem Japaner Yoshihiko Ohtsuki von der Universität Tokio, heiße Plasmabälle zu erzeugen, die wie Kugelblitze schwach leuchteten und Mauern durchdringen konnten. Er verwendete dabei eine Metallkammer, in die er hochenergetische Mikrowellen schickte.