Gesundes Fast Food: Warum Burger immer gesünder werden

Gesundes Fast Food: Warum Burger immer gesünder werden

Warum Fast Food immer gesünder wird und niemand etwas davon wissen soll.

Der Befund
Neulich am "Spiegel“-Cover: "Unser Essen vom Fließband“ , ein alarmierender Report über lebensmittelindustrielle Massenschweinereien, gepfeffert mit ein paar Messerspitzen Gesundheitshysterie, Fortschrittsphobie und Sehnsucht nach der guten alten Zeit. Das Übliche also. Der Eindruck hat sich nicht nur in der Redaktion des Hamburger Nachrichtenmagazins verfestigt: Nahrungsmittel, die nicht direkt und ausschließlich vom Kleinbauernhof stammen, sind böse. Und wenn ein industrielles Produkt so tut, als wäre es nicht böse, sondern gesund oder gar nachhaltig, kann das ja wohl nur ein Marketingschmäh sein. Die Lebensmittelindustrie hat ein Imageproblem: Wie sie’s auch macht, macht sie es falsch. Das gilt auch für den zweiten anerkannten Bösewicht im globalen Geschäft mit Fett und Zucker: die Fast-Food-Industrie.

Der Hintergrund
Das US-Magazin "The Atlantic“ zitiert in seiner jüngsten Ausgabe zahlreiche Produktentwickler, die ein gut gehütetes Geheimnis lüften: Burger werden immer gesünder . Der Branchenführer McDonald’s etwa hat in den vergangenen Jahren Portionsgrößen, Salz- und Fettgehalt deutlich reduziert, ja zum Teil sogar Vollkornmehl eingeführt - und es niemandem verraten. Denn "gesund“ heißt für den Massenkonsumenten immer noch "schmeckt fad“. Dieser Umstand hat einen skurril anmutenden Forschungszweig hervorgebracht: Wie können Lebensmittel, die weniger Ungesundes enthalten, wie echte Kalorienbomben verkauft werden? Wie wird light zum real thing? Unter anderem wird etwa mit schwereren Joghurtbechern experimentiert (um Gehalt vorzutäuschen), der Zucker nur in die Enden eines Schokoriegels gepackt (über das Wohlgefallen entscheidet der Konsument mit dem ersten und letzten Bissen - was er dazwischen kaut, ist ihm eigentlich egal) oder mit Texturen, Farben und Aromen über den Kalorienschwund hinweggetäuscht.

Das Fazit
Jene, die unser Essverhalten am effektivsten zum Gesünderen verändern könnten (Biobauernläden sind von der Mehrheitsfähigkeit ungefähr so weit entfernt wie das BZÖ vom Kanzleramt), tun es nur vorsichtig, weil sich gesunde Burger nicht verkaufen (so, wie übrigens auch die österreichische Bäckerinnung keinen großen Wind um die Tatsache macht, dass sie in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium bis 2015 den Salzgehalt in österreichischem Brot schleichend reduziert). Der Mensch will keinen Salat, er will Fett und Salz und Zucker. Also soll er es kriegen, aber vielleicht eine Spur weniger davon. Das kann schon reichen. Und es hat größere gesundheitspolitische Auswirkungen als jede Iss-dein-Gemüse-Kampagne. Unser Essen vom Fließband kann die Welt besser machen. Man muss es nur lassen.

S. Ho.