Großbritannien von Olympia bis Terror: Die Bürger tragen es mit stoischer Gelassenheit

Großbritannien. Von Olympia bis Terror: Londons Einwohner haben in der vergangenen Woche ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Sie tragen es mit stoischer Gelassenheit.

Business as usual. Drei Worte, die ihren Eingang in viele Sprachen der Welt gefunden haben. Drei Worte, die auf lakonische Weise die Lebenseinstellung des sprichwörtlichen Engländers repräsentieren, jener emotionsarmen, pflichtbewussten, unbeirrbaren Spezies Mensch, die man aus dem Lesebuch kennt. Drei unerträgliche Worte für all jene, die seit vergangenem Donnerstag um Angehörige und Freunde bangen oder schon trauern. Business as usual?

Es war der Londoner Polizeipräsident Sir Ian Blair, der am Tag nach den mörderischen Terroranschlägen auf die U-Bahn und einen Bus die drei Worte verwendete. „Von Montag an heißt Londons Devise: Business as usual“, sagte Blair, und es klang teils wie eine Beschreibung, teils wie eine Bitte, teils wie ein Befehl. Mehr als 50 Tote, hunderte von Verletzten, Schäden in Milliarden-Euro-Höhe, auf Wochen gesperrte U-Bahn-Strecken – kann man da einfach so weitermachen? Königin Elizabeth II., Premierminister Tony Blair, Londons Oberbürgermeister Ken Livingstone – alle politischen Repräsentanten der Acht-Millionen-Stadt beschworen die Widerstandskraft und den Gleichmut der Hauptstädter. „Angehörige meiner Generation erinnern sich daran, dass wir Ähnliches schon einmal erlebt haben“, sagte die Monarchin beim Besuch eines Krankenhauses im Londoner East End und erhielt donnernden Applaus. „Unsere Entschlossenheit ist größer als die der Terroristen“, konstatierte Premier Blair schon wenige Stunden nach den Anschlägen und traf damit die Stimmung der Bevölkerung.

Wechselbad. Aber Business as usual nach dem verheerendsten Angriff auf Westeuropa seit dem Zugattentat von Madrid im März vergangenen Jahres – geht das? In nicht einmal einer Woche haben die Bewohner von Großbritanniens Hauptstadt ein kollektives Wechselbad der Gefühle miterlebt, das den meisten Menschen zeit ihres Lebens erspart bleibt. Das Protokoll aufregender, wunderbarer, schrecklicher Tage.

Samstag, 2. Juli. „Make Poverty History“, schreit Bob Geldof an diesem kühlen Nachmittag die 200.000 Besucher im Hyde Park und zwei Milliarden TV-Zuschauer an. Dutzende von Weltstars schließen sich der Parole an: Madonna, Annie Lennox, Sir Paul McCartney, Robbie Williams, sogar die erstmals wiedervereinigten Pink Floyd – alle spielen sie beim Musikereignis des Jahres, um die Staatsmänner am G8-Gipfel zu mehr Entwicklungshilfe für Afrika zu bewegen. Konzerte gibt es an diesem Tag auch in Paris, Berlin, Johannesburg und anderswo. Aber die Idee kam aus London, einer Stadt, in der es in ist, Großes zu denken und zu wagen.

Mittwoch, 6. Juli. Die Lokalzeitung „Evening Standard“ trägt die Schlagzeile: „Wir haben einen Traum“. Auf dem Trafalgar Square versammeln sich gegen Mittag mehr als 10.000 Menschen, Büroangestellte, Schulklassen, neugierige Touristen. Um Punkt 12.46 Londoner Zeit soll in Singapur die Entscheidung über den Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2012 verkündet werden. In den Tagen zuvor waren Premierminister Tony Blair und seine Frau Cherie durch die Hotels von Singapur gestreift und hatten dort unentschlossene Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) umschmeichelt. Noch vor einem Jahr schien Londons Bewerbung völlig aussichtslos zu sein. Doch unter Führung des Doppel-Olympiasiegers Sebastian Coe haben die Briten ein Feuerwerk an Ideen entzündet und stetig den Vorsprung der französischen Hauptstadt Paris aufgeholt. Die Stimmung am Trafalgar Square ist erwartungsvoll, aber nicht optimistisch. „Glaubt ihr, wir gewinnen?“, schreit die Sängerin Rachel Stevens, wohl in der Hoffnung auf ein fröhliches Ja. Aber die Menge schweigt. Nein, so richtig glauben es die meisten nicht, sie hoffen.

Als IOC-Präsident Jacques Rogge schließlich das magische Wort „London“ ausspricht, vergeht beinahe eine ganze Schrecksekunde, ehe der Jubel losbricht. Die Techniker an der Konfettimaschine brauchen sogar drei Sekunden, ehe sie begriffen haben: „Wir sind gemeint, wir haben gewonnen.“ Erst als wenige Minuten später sechs Düsenjets der Kunstfliegertruppe Red Arrows über London donnern, rot-blau-weiße Streifen hinter sich zurücklassend, löst sich die Stimmung. Und dann tanzt der Trafalgar Square endlich.

Donnerstag, 7. Juli. An diesem Tag ist Londons Überraschungssieg in Singapur weltweit Schlagzeilen-Thema. An der Themse überschlagen sich die Zeitungen vor Begeisterung. Im schottischen Gleneagles, wo das G8-Treffen begonnen hat, wirkt Premier Blair so gelöst wie seit Langem nicht. „Dem Kerl scheint alles zu gelingen“, schreibt, halb genervt, halb bewundernd, der konservative „Daily Telegraph“.

Doch an diesem Morgen sind auch jene Männer unterwegs, die Londons Euphorie wenig später in grimmiges Entsetzen verwandeln. Ihre Bomben, so ergeben erste Ermittlungen, bestehen aus jeweils rund vier Kilogramm kommerziellem oder unter Laborbedingungen selbst fabriziertem Sprengstoff. Während Millionen von Pendlern auf dem Weg zur Arbeit die seitenlangen Berichte über Londons Olympia-Triumph nachlesen, machen sich die Terroristen an ihr mörderisches Geschäft.

8.51 Uhr. Die erste Bombe detoniert im dritten Wagen eines Zuges der Circle Line zwischen Aldgate und Liverpool Street Station im Osten der Londoner Innenstadt. Sieben Menschen werden getötet.

8.56 Uhr. Ein voll besetzter Zug der Piccadilly Line verlässt den Knotenpunkt King’s Cross, den wichtigsten Bahnhof im Norden der Stadt. Wenige Sekunden später zerreißt ein Sprengsatz den ersten Wagen. Die Wucht der Detonation ist so groß, dass die Rettungskräfte später erst stundenlang damit beschäftigt sind, den Tunnel zu sichern. Bis Freitagabend zählen sie 21 Tote, rechnen aber mit weiteren Leichen. Hunderte von Berufspendlern kommen mit dem Schrecken davon, dutzende werden schwer verletzt ins Spital eingeliefert.

9.17 Uhr. Bei der Einfahrt in den Bahnhof Edgware Road explodiert eine Bombe im zweiten Wagen eines Zugs der Circle Line. Ein junger Mann wird durchs Fenster geschleudert und landet direkt vor einem entgegenkommenden Zug – einer von sieben Toten, die die Einsatzkräfte hier zählen.

Unterdessen hat Scotland Yard den Terroralarm ausgerufen. Das gesamte U-Bahn-Netz wird lahm gelegt. In der City, dem Finanzzentrum der Stadt, haben viele Unternehmen ihre Notfallpläne in Kraft gesetzt. Ein Gebäude der schweizerischen Großbank UBS, das direkt auf dem Bahnhof Liverpool Street steht, wird umgehend evakuiert, die Aktienhändler in ein Nebengebäude ausgelagert. Dort herrscht zunächst Aufregung. „Die Fensterläden schließen“, ruft ein Bediensteter des Sicherheitsdienstes. Dann wird auf der Straße vor dem Gebäude ein verdächtiger Gegenstand entdeckt. „Alle Leute auf die andere Seite des Gebäudes“, lautet nun das Kommando. Schweigend befolgen die Angestellten die Anweisungen, scharen sich um TV- und Computerschirme und verfolgen die Berichterstattung.

Börsensturz. An der Londoner Börse haben die Anschläge für Unruhe gesorgt. Binnen Minuten rasen die Aktienkurse in den Keller, der Index FTSE-100 verliert vier Prozent, das Pfund fällt auf seinen tiefsten Kurs seit anderthalb Jahren. Doch die Broker bleiben im Geschäft, und nachmittags wird sich die Stimmung stabilisiert haben. Bei Handelsende wird der Verlust nur noch 1,4 Prozent betragen.

9.47 Uhr. George Psarabakis kennt sich nicht aus in Bloomsbury. Der Busfahrer der Linie 30 von Hackney im Nordosten der Stadt nach Marble Arch am Hyde Park hat am Bahnhof Euston seine normale Route verlassen müssen und fährt nun Richtung Süden auf den Tavistock Square zu. Als er auf dem Bürgersteig zwei Bedienstete der kommunalen Parkaufsicht sieht, winkt er das Duo zu sich heran. Im gleichen Augenblick wird der rote Doppeldecker von der vierten Bombe des Tages zerrissen. Augenzeugen berichten später davon, wie mehrere Menschen durch die Luft geschleudert werden. War ein Selbstmordattentäter darunter? Computerspezialist Richard Jones, der wenige Augenblicke vor dem Anschlag den Bus verlassen hat, ist später davon überzeugt: „Da war so ein Kerl, der dauernd in seine Tasche schaute und extrem aufgeregt wirkte.“

Angriff. Gegen 10.30 Uhr ruft ein Student aufgeregt beim Nachrichtenkanal Radio 5 der BBC an. Er meldet den Angriff auf den Bus in Tavistock Square. „Das ist aber bisher überhaupt noch nicht bestätigt“, sagt der Moderator, und seine Stimme drückt aus, was viele Londoner in diesem Moment denken: Ein Bus? Einer unserer roten Doppeldecker? Das kann, das darf nicht sein. Und wird doch wenige Minuten später von der Polizei bestätigt. Eine Zeit lang ist sogar von drei bombardierten Bussen die Rede, zum Glück ein Gerücht.

Ehe im TV die ersten Aufnahmen vom Tavistock Square zu sehen sind, rufen sich die Londoner alte Bilder ins Gedächtnis. Im Februar 1996 stand schon einmal das Wrack eines roten Doppeldeckers stundenlang auf einer Straße, Symbol der Verletzlichkeit öffentlicher Verkehrsmittel. Dabei hatte damals der 21-jährige IRA-Mann Edward O’Brien den Bus der Linie 171 wirklich nur als Transportmittel benutzt auf dem Weg zum Obersten Gericht Großbritanniens. Kurz vor dem Ziel, auf der Straße Aldwych, löste er versehentlich die Zündung aus. O’Brien starb, seine Mitpassagiere kamen mit dem Leben davon.

Diesmal sind unschuldige Tote zu beklagen. „Was gibt es hier eigentlich zu sehen?“, fragt ein Mann an der Absperrung, die von der Polizei errichtet worden ist. Dann bleibt ihm die Frage im Hals stecken. Das Dach des Busses ist vollständig abgerissen, orange Haltegriffe ragen in den grauen Himmel, viele der blau bezogenen Sitze sind verschwunden, weggesprengt mitsamt der Menschen, die dort saßen. An der fünf Meter entfernten Hausfassade klebt das Blut der Getöteten.

Dass es sich dabei um das Gebäude der Britischen Ärztevereinigung BMA handelt, rettet mehreren Schwerverletzten das Leben. Schon wenige Sekunden nach der Explosion stürzen 15 Allgemeinmediziner, die zu einer Tagung im Haus sind, auf die Straße und beginnen mit der Notversorgung. „Man denkt: Oh Gott, was jetzt?“, berichtet später Peter Holden. „Aber dann führt man aus, was man vor Jahren gelernt hat.“ Für viele Fahrgäste kommt jede Hilfe zu spät. Insgesamt sterben 13 Menschen. Auf Klapptischen werden die Verletzten in den Hof des Gebäudes getragen, Sanitäter schaffen Verbandsmaterial und Medikamente herbei. „Man muss rasend schnell entscheiden“, berichtet Holden. „Wenn Sie sich zu lang um einen Schwerstverletzten bemühen, kann ein weniger schwer Verletzter sterben, weil er keine Hilfe bekommt.“ Entscheidungen, die Ärzte normalerweise nur im Krieg treffen müssen.

Krieg. Es ist US-Präsident Bush, der das Wort als Erster in den Mund nimmt, als er am Rand des G8-Gipfels um ein Statement gebeten wird. „Der Krieg gegen den Terror ist noch lang nicht vorbei“, spricht Bush in die Kameras, „aber wir werden ihn gewinnen.“

Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Tony Blair schon auf dem Flug nach London. Zuvor hat sich der britische Gastgeber in Schottland mehrfach an seine Nation und die Weltöffentlichkeit gewandt. Alle Freude und Entspanntheit der vergangenen 24 Stunden sind aus seinem Gesicht gewichen. Blair wirkt bedrückt, aber entschlossen. In Situationen wie dieser erweist sich die innere Stärke des 52-Jährigen. Am Morgen nach dem jähen Unfalltod von Prinzessin Diana im August 1997 traf der damals jugendliche Premier wie kein anderer den Nerv der Nation, als er, fast schluchzend, von der „Prinzessin des Volkes“ sprach.

Auch diesmal kämpft Blair erkennbar mit seinen Emotionen, aber er kontrolliert sie. Im dunklen Anzug, mit roter Krawatte bestätigt er gegen Mittag erstmals, was in der Hauptstadt längst als sicher gilt: „London hat eine Serie von Terroranschlägen erlebt.“ Seine Gedanken und Gebete seien bei den Getöteten und Verletzten sowie deren Angehörigen, sagt Blair, und dem tief gläubigen Premier glaubt man das sogar. Schließlich gibt er dem Land den Ton vor, der in den folgenden Stunden und Tagen tausendfach wiederholt werden wird: Wir lassen uns nicht unterkriegen. „Die Terroristen sind zu allem entschlossen“, sagt Blair. „Aber unsere Entschlossenheit ist größer.“ Wenig später eilt der Premier zum Hubschrauber, um in London nach dem Rechten zu sehen.

In der Hauptstadt ist das Mobilfunknetz weit gehend zusammengebrochen. Wie in den Notfallübungen vorgesehen, haben die privaten Anbieter den Notfalldiensten zusätzliche Kapazität zur Verfügung gestellt. Normale Kunden haben stundenlang keinen Anschluss. Kurzzeitig erwägt Polizeichef Ian Blair auch, das Netz ganz abzuschalten, schließlich wurden die Bomben in Madrid per Handy ferngezündet. „Wir haben uns dann doch anders entschieden“, sagt Blair tags darauf, ohne Gründe zu nennen.

Hass-Mails. Anders als die Handys funktioniert das Internet den ganzen Tag über tadellos. So geht bei der Vereinigung der britischen Muslime bereits um 11.27 Uhr das erste E-Mail mit Verwünschungen und Beschimpfungen ein. Bis zum Freitagmittag werden es 4000, ein nicht abreißender Strom von Hass und Drohungen.

12.30 Uhr. Die Gewerkschaften der Londoner U-Bahn-Fahrer haben traditionell den Ruf der Militanz. Wenn Sprecher von RMT und Aslef in den Medien zu Wort kommen, knirschen viele regelmäßige „Tube“-Nutzer mit den Zähnen. Diesmal geht von Aslef-Sprecher Norman Light keine Aggressivität aus, nur Hilflosigkeit. „Unsere Mitglieder sind natürlich darauf getrimmt, ihre Augen offen zu halten“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „Aber wie wollen sie sich auf einen Terroranschlag vorbereiten?“

In der City geschieht um diese Zeit etwas ganz Ungewöhnliches: Sämtliche Sandwich-Shops um den Bahnhof Liverpool Street sind im Nu ausverkauft. Viele Großbanken verpflegen ihre Angestellten direkt am Schreibtisch, einigen wird das Verlassen ihrer Büros ausdrücklich verboten. Erst nachmittags gegen 14 Uhr wird die Ausgangssperre aufgehoben.

Für hunderttausende beginnt der lange Marsch quer durch die Stadt, in der keine einzige U-Bahn, in deren Innenstadt nicht einmal ein Bus fährt. Das Sirenengeheul ist verstummt, eine ungewohnte Stille legt sich über die Stadt, durchbrochen nur vom Piepsen der Mobiltelefone. Nach stundenlanger Überlastung funktionieren die Funknetze wieder. Millionenfach versichern sich Verwandte und Freunde gegenseitig ihrer Unversehrtheit.

Zur Erleichterung gesellt sich bei vielen muslimischen Bewohnern der Stadt nervöse Gespanntheit. Eine junge Muslimin kommt tränenüberströmt zu Hause an: Auf dem Fußweg von ihrer Arbeitsstelle in der City haben ihr zwei Männer, offensichtlich Franzosen, den Hijab heruntergerissen. Die Vereinigung britischer Muslime registriert außerdem zahllose Fälle von Bedrohungen. Am Abend wird im armen Stadtteil Kilburn ein junger Muslim angespuckt. Im nordenglischen Leeds werfen Unbekannte eine Brandbombe auf eine Moschee. Die Londoner Polizei verstärkt den Schutz muslimischer Einrichtungen in der Hauptstadt. Dass die Attentäter im Namen des Islam handelten, ist nach Tony Blairs Aussagen klar. Doch von Anfang an haben er und Oberbürgermeister Livingstone die Bevölkerung beschworen, sich von den Terroristen nicht in zwei Lager spalten zu lassen.

Freitag, 8. Juli. Innenminister Charles Clarke eilt durch die TV- und Radiostudios. Er spricht schnell und leise, als wolle er keine Zeit verlieren. Natürlich habe das Vorwarnsystem versagt, „das liegt ja auf der Hand. Aber es bedeutet nicht, dass unsere Sicherheitskräfte versagt hätten.“ Der Minister vergleicht die Suche nach Terroristen mit der Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen, ehe er mit einem Anflug von Ironie schließt: „Und wissen Sie, London ist ein ziemlich großer Heuhaufen.“

An diesem Morgen ist die 8-Millionen-Metropole auch ein ziemlich ruhiger Ort. Viele Unternehmen haben ihren Angestellten freigestellt, ob sie an diesem Tag zur Arbeit kommen wollen. Hunderttausende machen von dem Angebot eines freien Tages Gebrauch. Andere zwingen sich zur täglichen Routine. „Ich wollte heute überhaupt nicht in den Bus steigen“, erzählt die 22-jährige Louise Macdonald der BBC. Aber eine Bemerkung ihres Chefs hat sie eines Besseren belehrt. „Er sagte nur: ‚So, du willst also für den Rest deines Lebens auf öffentliche Verkehrsmittel verzichten?‘ Da hat er natürlich Recht.“

Sieben von zwölf U-Bahn-Linien sind an diesem Morgen vollständig in Betrieb, die meisten der anderen sollen übers Wochenende wieder funktionieren. Für Londons Business as usual ist das auch dringend nötig. Schließlich benutzen täglich drei Millionen Berufspendler, Kauflustige und Touristen die „Tube“. An diesem Wochenende kommen tausende von Kriegsveteranen hinzu, um mit der Queen das Ende des Zweiten Weltkriegs zu feiern. Absagen? „Kommt doch gar nicht infrage“, sagt ein 80-Jähriger lächelnd, der am Bahnhof Victoria auf den Bus wartet. „Nil desperandum, nie verzweifeln. Dabei bleibt es.“

Business as usual eben.

Mitarbeit: Sebastian Heinzel

Von Sebastian Borger, London