<small><i>Helmut A. Gansterer</i></small>
Lob des Fremdenverkehrs

Unsere Tourismus-Talente nützen auch den Fabrikanten.

„Was nützt ein schöner Körper, wenn in ihm nicht eine schöne Seele haust?“ Euripides

Österreichs stärkster Werbe-Event findet im Wald statt. Er dient der Steiermark, dem steirischen Wein und dem höheren Ruhm der „Kleinen Zeitung“. Diese erfand vor 18 Jahren, als Welschriesling, Sauvignon Blanc und Schilcher anfingen, vom Gastritisgaranten zur Köstlichkeit zu werden, die endgültige Weinverkostung.

Die Grundidee war einfach. Man treibe eine ideale ­Mischung hoher Tiere in die Ställe des „Steirerecks“ auf dem Pogusch, das von der unerreichten Gastronomenfamilie Reitbauer so gut bespielt wird wie das „Steirereck“ im Stadtpark in Wien.

Man ernenne jene Gäste, die Rotwein von Weißwein scheiden können, zu Juroren. Man setze ihnen 39 Weine in 13 Kategorien zur Prüfung vor. Man überlasse den Event sodann dem eigenen Lauf. Der Effekt war berauschend. Der Erfolg stieg mit jedem Jahr, erreichte bald den Zenit des Möglichen und hielt ihn bis heute.

Das innerste Erfolgsgeheimnis dieses Events ist unsichtbar. Wir wollen es hier enthüllen. Es liegt in einer Eingebung von Chefredakteur Gerhard Nöhrer. Er stellte Geschäftsgespräche unter Todesstrafe. Bisher mussten erst zwei Teilnehmer standrechtlich erwürgt und in den Wäldern verscharrt werden. Tatsächlich funktioniert das nur, weil auch viele namhafte Künstler eingeladen werden. Diese bringen einen eigenen Geist und Witz ein, der die Sehnsucht nach Soll & Haben wie einen feuchten Tschick austritt.

Es kommt zu einem interdisziplinären Höhenrausch von Fabrikanten, Händlern, Dienstleistern, Bankern, Medienleuten, Winzern, Malern, Schriftstellern, Kabarettisten und Schauspielern. Um den Glanz des Events zu steigern, bringen Hubschrauber vom Westen her die Jedermann-Helden der Salzburger Festspiele, vom Osten her (so wie heuer) den Bundespräsidenten, den Vizekanzler und den Boss des Burgtheaters. Matthias Hartmann wollte eigentlich nur auf ein Achterl Morillon vorbeischauen. Zwölf Stunden später sagte sein leuchtendes Antlitz, er habe eine Bühne außerirdischer Art gesehen.

Schnitt, Szenenwechsel, Lech am Arlberg. Ich treffe Bürgermeister Ludwig Muxel in seinem Familienhotel ­Aurora. Der sonst ruhige Mann ist nervös, weil inmitten der Premiere eines Kultur-Events. Die neue Arlberg Classic Car Rallye spiegelt die Erkenntnis, dass Oldtimer immer auch Skulpturen sind: jeder Jaguar E-Type ein horizontaler Thin Man von Giacometti, nur schneller.

Zwei Freunde hatten mich auf Muxel als außergewöhnlichen Bürgermeister aufmerksam gemacht, der in den Bergen auch mehr Geist bieten wolle. Der eine ist Schriftsteller Michael Köhlmeier, Miterfinder des „Philosophicums Lech“. Der andere ist Professor Konrad Paul Liessmann, Dalai Lama desselben. Das Philosophicum hat Landschaft und Geist in höchster Gestaltung verbunden. Seit dem Vorjahr verleiht man zusätzlich den „Tractatus“, international staunend wahrgenommen als eine mit 25.000 Euro hoch dotierte Denkertrophäe in geiziger Zeit. Alles übers heurige Fest: www.philosophicum.com.

Schnitt, Szenenwechsel, Turracher Höhe, Hotel Hochschober, berühmt für Indoor-Totalservice, beheizten Pool im See und das authentischste Teehaus jenseits von Peking. Chefin Karin Leeb setzt im Teehaus (einer grandiosen Investition ihrer Eltern Peter und Barbara) zunehmend auf Kreativität & Geist. Wichtige Gäste entzückten sich nachhaltig an einem Kurs für Aquarell und fernöstliche Tuschemalerei. Ihr eigenes Werk wurde zur schönsten Erinnerung. Erste Lesungen im Teehaus zeigten auch eine Literatur­affinität der gehobenen Klientel.

Daher gibt es jetzt das „Wortreich“ im Hochschober. Genial erdacht von Gestalter Christian Satek, ist das Wortreich nun die feinste Hotel-Bibliothek, die ich weltweit kenne. Ein Beispiel: Ich verschleppte Newtons „Nudes“ (Verlag Taschen) und Bergs „Holzschnitte“ (tonnenschwer), einen vergriffenen Walker-Evans-Fotoband und Thomas Bernhards frühe Gedichte in meine Raucher-Suite. Man trägt sich in Büttenbüchern ein und aus.

Genug vom Geist. Zurück zum Körper. In der vorigen profil-Kolumne versprach ich, ein Produkt zu nennen, das Österreichs Sommertourismus aufziegeln wird. Niemand profitiert von den ab 2010 sprunghaft ausgereiften ­Pedelecs (Elektrofahrräder) wie Österreichs alpine Hoteliers. Bisher gewann man nur drahtige Mountainbiker. Nun gewinnt man auch Kunden mit Wohlstandsfett. Sie müssen auf ihren ­e-Bikes zwar mitstrampeln, schaffen aber mit der kleinen Mühe der Ebene die Gipfel der Berge, ohne den gesunden, fettverbrennenden Optimalpuls zu verlassen. Sie kehren ohne Herzinfarkt zur Sportlichkeit ihrer Jugend zurück.
Dies führt unsere Sommertouristik in eine Sternstunde by Hi-Tech. Sie ist für Patrioten umso heller, als das Geld in Österreich bleibt. Der Bestseller KTM e-Cross wird in Mattighofen hergestellt, der Antrieb BionX wurde von Magna gekauft und wird fortan in der Steiermark zur ewigen Marktführung weiterentwickelt.

Wie ich höre, ist Frau Leeb (Hochschober) schon mit Frau Urkauf-Chen (KTM) im Gespräch. Für Machos ist das BAD NEWS. Frauen entscheiden über Dinge, die sie gestern noch gar nicht kannten. Ansonst haben wir hier mehr GOOD NEWS gelesen, als wir pro Kolumne verkraften.

helmut.gansterer@profil.at