Hintergrund: Der Herr Kerry aus Mödling

John F. Kerrys Großvater wanderte aus Wien in die USA aus.

Als John Kerry einmal einen Zwischenstopp im Wien einlegte, hatte er im Hotel ein Ziel: die Telefonzentrale. Er griff sich das Telefonbuch, schlug unter Kerry nach und versuchte, Verwandte zu finden. Erfolg hatte er keinen.

Seit 15 Jahren weiß der nunmehrige Präsidentschaftsaspirant der Demokraten, dass er jüdische Wurzeln hat. Im vergangenen Jahr ist es dem Wiener Genealogen Felix Gundacker im Auftrag der Tageszeitung „Boston Globe“ gelungen, die Geschichte des väterlichen Familienstrangs Kerrys zu rekonstruieren.

Kerrys Urgroßvater Fritz Kohn stammt aus einem kleinen Dorf in Schlesien. Nach dessen Tod zieht die Witwe Mathilde mit ihren drei Kindern nach Mödling bei Wien. Der erstgeborene Sohn, der wie der Vater Fritz hieß, geht hier zur Schule. Er und sein Bruder Otto konvertieren zum Katholizismus und tauschen den Namen Kohn gegen Kerry. Einer Familienlegende nach, indem sie die Augen schließen und auf einer Landkarte mit dem Finger herumfahren – der zeigte auf die Grafschaft Kerry in Irland. Fritz Kerry heiratet 1900 Ida Löwe, eine Jüdin aus Budapest.

1904 wandern die beiden in die USA aus, wo 1915 Richard, der Vater des Senators, als drittes Kind geboren wird. Fritz Kerry, der sich jetzt Frederick Kerry nennt, lässt sich erst in Chicago nieder, wird ein erfolgreicher Geschäftsmann und zieht dann mit seiner Familie nach Massachusetts. Wirtschaftlich stehen die Kerrys gut da. Als Zeichen des Wohlstandes parkt vor der Tür ein Cadillac. Doch geschäftliche Rückschläge bringen Frederick an den Rand des Ruins. Am 23. November 1921 erschießt er sich in einem Hotelzimmer.

Sein Sohn Richard macht später Karriere – er wird Diplomat im Außenministerium –, heiratet in eine mindestens ebenso illustre Familie. Seine Frau, Rosemary, stammt väterlicherseits aus der legendären Magnatenfamilie Forbes, mütterlicherseits aus der Winthrop-Dynastie, einem uralten Bostoner Patriziergeschlecht.

Es ist eine weltläufige Familie, die sich dies- und jenseits des Atlantiks routiniert in den gehobenen Kreisen bewegt. Man sieht das John Kerry heute noch an: Sein aristokratischer Habitus wird von Wahlkampfstrategen als Manko des Kandidaten gesehen.