Immofinanz-Causa zieht weite Kreise:
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Fries

Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt in der Immofinanz-Causa wegen einer angeblich fingierten Honorarabrechnung nun auch gegen den Badener Rechtsanwalt und Investor Rudolf Fries.

Von Josef Redl

Rudolf Fries weiß, wie man Geld verdient. Der Wirtschaftsanwalt aus Baden bei Wien hat – so scheint es – ein untrügliches Gespür für günstige Gelegenheiten. Im Jahr 2003 erwarb der Experte für Stiftungsrecht mit Partnern 3450 Wohnungen von der Bundesimmobiliengesellschaft – um den Schnäppchenpreis von 145 Millionen Euro. Vier Jahre später bewegte sich Fries in noch höheren Dimensionen: Der Verkauf von 20,95 Prozent der Anteile am Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm brachte ihm und seinen Geschäftspartnern einen Reingewinn von sagenhaften 650 Millionen Euro ein.

Zuletzt scheint ihn das Glück etwas verlassen zu haben. Mit seinem Einstieg bei der Immofinanz-Gruppe vor rund einem Jahr hat sich Fries mitten in einen Wirtschaftskrimi erster Güte katapultiert. Seit Kurzem ist der Investor sogar selbst Gegenstand der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien. Dabei geht es weniger um die komplexen Wertpapiertransaktionen, mit denen der Einstieg von Fries bei der Immofinanz-Gruppe bereitet wurde. Vielmehr interessieren sich die Behörden für ein vergleichsweise schnödes Dokument: eine Honorarnote. Das Schreiben ist von bemerkenswerter Schlichtheit und trägt den Titel „Honorarnote 080022“. Absender: Eckert & Fries Rechtsanwälte GesmbH. Kleine Worte, große Wirkung: Ein einziger Satz reichte im März des Vorjahres, um die Zahlung von 1,2 Millionen Euro zu veranlassen. „Für die in den Monaten Dezember 2007 bis Februar 2008 erfolgte rechtliche Beratung im Zusammenhang mit dem möglichen Erwerb von Immobilien bzw. Anteilen an Immobiliengesellschaften, der Transaktionsstrukturierung sowie der gesamten Vertragsgestaltung“, heißt es in der vom 13. März 2008 datierten Honorarnote. Adressat: eine CPB CFC GmbH, damals eine Tochter der Cons­tantia Privatbank, die mittlerweile von einer österreichischen Bankengruppe aufgefangen werden musste und nicht mehr Teil des Constantia-Konzerns ist. Im genannten Zeitraum von Dezember 2007 bis Februar 2008 befand sich die Immofinanz-Gruppe in einer äußerst heiklen Lage. Unter der Führung des damaligen Konzernchefs Karl Petrikovics sollen mit dem Geld von Immofinanz- und Immoeast-Anlegern im großen Stil eigene Aktien gekauft worden sein. Abgewickelt wurden die Geschäfte über die damalige Immofinanz-Konzernmutter Constantia Privatbank. Deren Vorstand hieß damals ebenfalls Karl Petrikovics. Das ging so lange gut, bis 2007 weltweit die Aktienkurse von Immobiliengesellschaften zu fallen begannen. Die Constantia Privatbank blieb auf den Papieren sitzen. Die Unternehmensgruppe brauchte Geld. Zu diesem Zeitpunkt trat eine Investorengruppe um Rudolf Fries auf den Plan und erwarb um rund 400 Millionen Euro etwa 15 Prozent der Immo­finanz-Anteile. Ohne Risiko. Fries ließ sich eine Put-Option einräumen, wonach die Constantia-Gruppe das Aktienpaket notfalls zurücknehmen musste. Aus genau jenen bewegten Tagen also stammt jene nicht näher ausgeführte „rechtliche Beratung“, welche die Anwaltskanzlei der Constantia-Tochter CPB CFC mit pauschal 1,2 Millionen Euro in Rechnung stellte.
Möglicherweise zu Unrecht.

Dies geht zumindest aus einem profil vorliegenden Anlassbericht der „Soko Cons­tantia“ im Bundeskriminalamt hervor. Das Schreiben wurde am 22. April verfasst, um von der Staatsanwaltschaft grünes Licht für mehrere Hausdurchsuchungen – unter anderem in den Räumlichkeiten mehrerer Gesellschaften von Rudolf Fries – zu erhalten. Darin heißt es: „Dr. Rudolf Fries, MMag. Dr. Karl Petrikovics und Mag. Christian Thornton (Ex-Vorstand von Immofinanz und Immoeast, Anm.) sind weiters dringend verdächtig (...) dadurch einen Schaden in der Höhe von 1.200.000 Euro verursacht zu haben, indem MMag. Dr. Karl Petrikovics und Mag. Christian Thornton als Geschäftsführer der CPB CFC GmbH eine offensichtlich fingierte Rechnung der Firma Eckert & Fries Rechtsanwälte GesmbH akzeptierten.“ Und weiter: „Dr. Rudolf Fries ist verdächtig, an den strafrechtlich relevanten Taten der Geschäftsführer der CPB CFC GmbH dadurch mitgewirkt zu haben, indem er eine Rechnung, der offensichtlich keine Leistung zugrunde lag, fertigte und den nicht zustehenden Betrag für die Eckert & Fries Rechtsanwälte GesmbH forderte.“

Pauschale. Den gleichen Verdacht hegt die Sonderkommission gegen den Linzer Steuerberater und Fries-Intimus Ernst Hable. Auch er hat im März 2008 eine Rechnung über exakt 1,2 Millionen Euro an eine Gesellschaft der Constantia-Gruppe gestellt. Beinahe wortgleich mit der Honorarnote von Fries. „Für die in den Monaten November 2007 bis März 2008 erfolgte betriebswirtschaftliche Beratung im Zusammenhang mit dem möglichen Erwerb von Immobilien bzw. Anteilen an Immobiliengesellschaften sowie der Transaktionsstrukturierung“ stellte die Hable Verwaltungs- und BeteiligungsgesmbH ihrerseits 1,2 Millionen Euro in Rechnung. Wie bei Fries fehlt auch bei Hable jede nähere Ausführung über Art und Umfang der laut Polizeibericht „tatsächlich nicht erbrachten Leistungen“. „Dazu nehme ich gegenüber Medien keine Stellung. Das liegt alles bei der Staatsanwaltschaft auf“, so Ernst Hable auf Anfrage. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Rudolf Fries wollte den Sachverhalt gegenüber profil nicht kommentieren. Seine Ehefrau und Kanzleipartnerin Christa Fries zeigt sich auskunftsfreudiger. Laut ihrer Darstellung stehen die Honorare im Zusammenhang mit der Übernahme der Immofinanz-Titel durch die Fries-Gruppe im Februar vorigen Jahres. „Es geht dabei um die Ausarbeitung aller Verträge, die mit dieser Transaktion in Zusammenhang standen. Es war vereinbart, dass alle damit verbundenen Kosten von der Constantia-Gruppe zu tragen sind. Aufgrund der vielen Einzelleistungen wurde eine Pauschale vereinbart“, so Christa Fries. Die Summe von 1,2 Millionen Euro sei bei einem Transaktionswert von über 400 Millionen Euro ohnehin nicht besonders hoch bemessen. Eine Darstellung, die nicht unwidersprochen bleibt. „Der Abtretungsvertrag über die genannten 400 Millionen Euro sieht dezidiert vor, dass alle Parteien die Kosten selbst zu tragen haben“, so Alfred Autischer, Sprecher der Constantia-Konzernholding Constantia Packaging B.V., die nunmehr 100-prozentige Eigentümerin jener Gesellschaften ist, die 1,2 Millionen Euro an Rudolf Fries beziehungsweise Ernst Hable gezahlt haben. Und weiter: „Mit den zuständigen Vertretern von Constantia ­Packaging B.V. hat niemand jemals über diese absurden Rechnungen gesprochen.“

Auch bei der Staatsanwaltschaft Wien hat Christa Fries mit ihrer Darstellung bisher offenbar keinen Erfolg gehabt. Dort heißt es lapidar: „Diese Vorwürfe sind nach wie vor Gegenstand des Verfahrens.“