In Österreich soll länger gearbeitet werden, aber es mangelt an Ideen und Jobs

In Österreich, dem Paradies für Frühpensionisten, soll länger gearbeitet werden. Aber in der Praxis fehlt es an allem: Ideen, Anreizen, Gesetzen – und vor allem Jobs.

Johann Wolfgang von Goethe sah das Elend des Älterwerdens als Verlust eines der größten Menschenrechte: „Man wird nicht mehr von Seines Gleichen beurteilt.“ Doch auch unter seinesgleichen kann es schmerzhaft sein. Der Präsident der Industriellenvereinigung, Veit Sorger, selbst schon 68, sieht im österreichischen Rentnerparadies eine „nationale Problematik“. Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass das Pensionssystem immer höhere Milliardenbeträge an staatlichen Zuschüssen braucht. Würden die Österreicher nur ein Jahr länger arbeiten, als sie es derzeit tun, könnte sich der Staat jährlich 1,2 Milliarden Euro an Pensionszuschüssen sparen. Doch davon ist Österreich weit entfernt: Der Durchschnittsösterreicher geht mit 58 in Pension, immer öfter nach Jahren der Arbeitslosigkeit. Denn am Arbeitsmarkt sind ältere Menschen nicht willkommen.

Das war nicht immer so.
Anfang der siebziger Jahre arbeiteten Männer durchschnittlich bis zum 67. Lebensjahr und hatten elf Jahre in der Pension vor sich. Frauen gingen mit 64 Jahren in den Ruhestand und hatten dann noch eine ­Lebenserwartung von sechzehn Jahren. Heute arbeiten Männer im Schnitt bis 59 und sind danach 22 Jahre in Pension, Frauen werden mit 57 Pensionistinnen und bleiben es 27 Jahre. Das Heer rüstiger Frühpensionisten wächst seit der Krise der Verstaatlichten Mitte der achtziger Jahre rasant. Damals etablierte sich in Banken, Versicherungen, Industriebetrieben, ORF und öffentlichem Dienst die bis heute übliche Praxis, Mitarbeiter im besten Erwerbsalter in den vorzeitigen Ruhestand zu verabschieden – und damit die Kosten für Ältere dem Steuerzahler aufzubürden. Vor allem in Gutverdiener-Branchen wurde der „golden handshake“ für angegraute Mitarbeiter zum probaten Mittel, die Belegschaft zu verjüngen und Kosten zu sparen.

Noch Anfang der neunziger Jahre wurde die Frühpensionierung mit Freuden genützt. Die Unternehmer ersparten sich die Kosten der Qualifizierung, die Arbeitnehmer die Mühe, etwas Neues zu lernen. Die Politik nahm das hin. „Man hoffte, sich damit eine Debatte über Jugendarbeitslosigkeit zu ersparen“, sagt der Bevölkerungswissenschafter Rainer Münz. Es hatte allerdings den unerwünschten Nebeneffekt, „dass infolge der Frühpensionitis der Arbeitsmarkt für Ältere völlig zusammenbrach“, ergänzt Sozialwissenschafter Bernd Marin. Und in Unternehmen etablierte sich eine Mentalität, die älteren Arbeitnehmern nichts mehr zutraute, sie körperlich und geistig zum Ausschuss zählte.

Die Zahlen sind alarmierend: Von 932.000 Österreichern im Alter von 55 bis 64 waren im Vorjahr nur 334.900 erwerbstätig, 21.700 arbeitslos, 21.400 arbeitsunfähig, 88.600 Hausfrauen. Die größte Gruppe – 457.700 – befand sich bereits in Pension.

Alle Pensionsreformen haben bisher nichts bewirkt. Das unterschiedliche Pensionsalter von Frauen mit 60 und Männern mit 65, ursprünglich dazu gedacht, Ungerechtigkeiten in der Erwerbsbiografie auszugleichen, wird erst 2033 abgeschafft. Es schlägt mittlerweile zum Nachteil der Frauen aus. Bis zum gesetzlichen Pensionsalter zu arbeiten ist ohnehin die Ausnahme und nicht die Regel, mehr als 50 Prozent gehen vorzeitig in Pension. In kaum einem anderen EU-Staat wird längeres Arbeiten weniger honoriert und der vorzeitige Ruhestand weniger bestraft.

Kaum Kündigungsschutz.
Leopold Stieger, Nestor der heimischen Personalentwicklung, gründete vor fünf Jahren die Plattform „Seniors for success“, die Menschen und Unternehmen auf den Übergang in die Pension vorbereitet. Seither zieht er als Wanderprediger für die neuen Alten durchs Land: „Wer eine Vision vom Alter entwickelt, schafft den Übergang leichter, lebt länger und ist glücklicher.“ Doch im modernen Arbeitsleben ist die Erfahrung von Älteren nicht besonders gefragt. Nach einer Umfrage der Arbeiterkammer aus dem Jahr 2009 ist fast jeder Zweite der 50- bis 59-jährigen Erwerbs­tätigen Burn-out-gefährdet. Die Gründe ­liegen nicht so sehr in der objektiven Arbeitsbelastung als vielmehr in mangelnder Anerkennung, widersprüchlichen Anweisungen der Vorgesetzten und fehlender Weiterbildung. „An vielen Arbeitsplätzen sind körperliche und psychische Belastung und der Zeitdruck enorm“, sagt Jörg Flecker vom ­Sozialforschungsinstitut Forba.

Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes bekämpfen Ältere häufig durch besondere Verausgabung, was sie nur weiter in Krankheit und Invaliditätspension treibt. Eine AK-Studie aus dem Jahr 2006 macht auch die Unternehmensphilo­sophie der „flachen Hierarchien“ dafür verantwortlich. Das propagierte Einzelkämpfertum, das in den neunziger Jahren en vogue wurde, benachteilige vor allem die Älteren.

Die Angst ist berechtigt.
„Der Kündigungsschutz älterer Arbeitnehmer ist ein weitverbreiteter Irrglaube“, sagt Arbeitsrechtler Klaus Mayr. Im Gegensatz zu den meisten EU-Ländern (Ausnahmen: Belgien und Griechenland) kann in Österreich ein Beschäftigter jederzeit ohne Angabe von Gründen gekündigt werden, auch über 50-Jährige. Der Betroffene kann dann zwar mithilfe des Betriebsrats vor das Arbeitsgericht ziehen und auf Sozialwidrigkeit klagen, doch dabei wird das Einkommen des Ehepartners berücksichtigt, was besonders Frauen zum Nachteil gerät. Gelingt der Nachweis, entscheidet ein Richter, ob die vom Unternehmen vorzubringenden Gründe – derzeit wird meist mit der schlechten Auftragslage argumentiert – eine Kündigung rechtfertigen. 90 Prozent der Fälle werden nicht ausjudiziert, sondern enden mit einem Vergleich. Für Kleinbetriebe, die keinen Betriebsrat haben, ist auch diese Möglichkeit im Grunde „totes Recht“, sagt Mayr.

In der Praxis bekommen 45-Jährige, wenn sie einmal arbeitslos geworden sind, keinen Fuß mehr in die Tür, konstatiert AK-Experte Wallner: „Bei den Aufrufen, länger zu arbeiten, sind alle dabei, aber wenn es dar­auf ankommt, frönt jeder dem Jugendkult.“ Solange es keinen Arbeitsmarkt für Ältere gibt, werden lediglich Kosten von der Arbeitslosen- zur Pensionsversicherung verschoben. Paradoxerweise privilegiert das Pensionssystem ausgerechnet jene Gruppen, die auf dem Arbeitsmarkt ohnehin geschützt sind. Die gut bezahlten Sonderruhestandsregelungen sind für Beschäftigte maßgeschneidert, die nie von Kündigung bedroht sind.

Das Paradebeispiel dafür ist die „Hacklerregelung“
, die nur dem Namen nach mit Arbeitern im Blaumann zu tun hat. Mehr als jeder zweite Staatsdiener, der im Vorjahr in den Ruhestand wechselte, tat dies via „Hacklerregelung“. Auch abseits dieser Sonderregelung finden staatsnahe Betriebe goldene Wege in die Frühpension: Der ORF etwa verabschiedete im Vorjahr 51-jährige Frauen und 56-jährige Männer mit Geldgeschenken in den Ruhestand. Einsame Ruhestands-Rekordhalter sind die ÖBB: Eisenbahner wurden im März 2010 im Durchschnittsalter von 51,4 Jahren pensioniert.

Selbst die Entscheidung, ob jemand zu krank zum Arbeiten ist und daher in Frühpension gehen darf, hängt keineswegs vom Gesundheitszustand ab. „Klassengesetz­gebung“ nennen selbst konservative Sozialrechtler wie Wolfgang Mazal die Invaliditätspension, weil sie Bessergestellte bevorzugt. Hilfsarbeiter verfügen über keinen Berufsschutz und werden kaum als invalid anerkannt, egal, wie krank sie sind.

Zuckerl für Privilegierte.
Bei bevorzugten Gruppen wird der Status „invalid“ leichter zuerkannt. Der Rechnungshof bemängelt, dass von den beamteten Landeslehrern in den Jahren 2004 bis 2006 bis zu 80 Prozent wegen Stress und psychischer Belastung als dienstunfähig in Frühpension geschickt wurden und das durchschnittliche Pensions­antrittsalter je nach Bundesland bei den Landeslehrern auf 54 bis 58 Jahre sank. Auch Bauern, die eine eigene Begutachtungsanstalt haben, wird zu 66 Prozent die Invaliditätspension zuerkannt.

Es sind vor allem Sonderregelungen, die das System teuer machen. Der Anstieg des Bundeszuschusses für ASVG-Pensionen von 3,6 Milliarden Euro im Jahr 2009 auf heuer 4,3 Milliarden ist zum Großteil konjunkturbedingt: Je mehr Menschen arbeitslos sind, desto weniger Beiträge fließen ins Pensionssystem. Kaum diskutiert wird dagegen, dass die 300.000 Beamten-Pensionen den Staat annähernd gleich viel kosten wie die 1,8 Millionen ASVG-Pensionisten.

Bis vor wenigen Jahren durften Jobbewerber aus Altersgründen abgelehnt werden. Seit 2004 ist die Gleichbehandlungskommission auch für Altersdiskriminierung zuständig. Obwohl offiziell verboten, findet man noch heute Jobinserate, die explizit „jüngere, dynamische Mitarbeiter“ – meist bis 35 Jahre – suchen. Kommt es zur Anzeige, werden die Inserenten verwarnt, im Wiederholungsfall zahlen sie läppische 360 Euro.

Selbst im Vorzeigeland des Liberalismus, in den USA, wird Altersdiskriminierung schärfer geächtet. Dort gibt es eine Schutzbestimmung für Arbeitnehmer ab 40 Jahren. Kündigungen müssen begründet werden und dürfen nicht des Alters wegen erfolgen. Öffentliche Förderungen sind daran gebunden, dass ein Betrieb einen gewissen Prozentsatz an älteren Arbeitnehmern beschäftigt. In vielen EU-Ländern wird versucht, durch Subventionen der Lohnkosten und Steuererleichterungen die Unternehmen dazu zu bringen, Ältere einzustellen oder zu behalten. In Frankreich mussten die Unternehmer eine Strafe bis zu einem Jahresgehalt zahlen, wenn sie über 50-Jährige kündigten. Das Gesetz läuft ­heuer aus. Es hatte dazu geführt, dass Ältere überhaupt nicht mehr eingestellt oder vor ihrem 50. Geburtstag entlassen wurden.

Staaten wie Finnland hingegen bitten Unternehmen zur Kasse, die ihre Mitarbeiter gehäuft in Früh- oder Invaliditätspension entsorgen. Das erschiene Christine Mayr­huber vom Wirtschaftsforschungsinstitut auch für Österreich sinnvoll: „Das Verhalten der Unternehmer wird bei Pensionsreformen viel zu wenig mitgedacht.“

Seit Jahren werben die Sozialpartner für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer. In Oberösterreich schloss sich ein Dutzend Betriebe einer Initiative an, die sich verpflichtet, Ältere einzustellen oder nicht zu kündigen. Stefan Haselsteiner, Geschäftsführer von Pecho-Druck, einer Offset-Druckerei mit 14 Angestellten, die Visitenkarten und Broschüren herstellt, heuerte vor Kurzem einen 56-jährigen Setzer für den Außendienst an. „Ältere haben mehr Ruhe, können mit den Kunden besser reden und wissen aus Erfahrung, welches Papier, glänzend oder matt, welche Wirkung erzielt“, sagt er. Als er in den vergangenen fünf Jahren einige Mitarbeiter kündigen musste, entschied er sich für die Kündigung der Jüngeren, die allesamt woanders unterkamen. Für den 56-jährigen Neuzugang war ihm vom AMS Oberösterreich eine Förderung zugesagt worden. „Jetzt heißt es, es sei kein Geld da“, ärgert sich Haselsteiner.

Pauline Köck wurde 2007 mit 50 im ­Familienunternehmen Joka-Werke angestellt. Sie arbeitet an der Zuschneidema­schine, fühlt sich geschätzt und hat „kein Problem damit, dass der Produktionsleiter Markus Köstl ein Bursch von 23 Jahren ist“. Von 140 Joka-Angestellten sind 42 über 50. Köstl sieht den Vorteil von Älteren „in der größeren Erfahrung und ­Loyalität“.

Geradezu euphorisch spricht Helmut Peter, der frühere liberale Politiker und Wirt des Weißen Rössls am Wolfgangsee, über die altersmäßige Durchmischung in seinem Betrieb. Von 135 Angestellten sind 26 über 50. Die älteste Vollzeitkraft ist 67 Jahre alt, die älteste Teilzeitbeschäftigte steht im 74. Lebensjahr. Er könne es sich nicht leisten, auf ihre Erfahrung zu verzichten. Doch er sehe auch keinen Grund, einen 50-jährigen Oberkellner besser zu bezahlen als einen 30-jährigen. Gegen einen Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer würde er auf die Barrikaden steigen. „Da würd selbst ich keinen mehr aufnehmen“, sagt Peter.

Wer in Österreich noch Arbeit hat, arbeitet viel und lange. Mit statistischen 42,9 Wochenstunden liegt Österreich gemeinsam mit Großbritannien an der Spitze der EU. ÖGB-Präsident Erich Foglar sieht in einer Verkürzung der gesetzlichen Arbeitszeit bei ­vollem Lohnausgleich eine Möglichkeit, ­Arbeitsplätze zu schaffen. ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser spricht lieber von „Arbeitszeitverkürzung bei Löhnen, von denen man leben kann“.

Der frühere ÖGB-Chef und nunmehrige Sozialminister Rudolf Hundstorfer plädiert für einen anderen Weg. Die Arbeitszeit ist deswegen so lange, weil 307 Millionen Überstunden pro Jahr geleistet werden. Drei Viertel aller Erwerbstätigen mit Überstunden würden laut einer Ifes-Umfrage lieber weniger lange arbeiten. Hundstorfer kalkuliert so: Könnte man die durchschnittliche Arbeitszeit auf das dänische Niveau von 39,1 Wochenstunden herunterschrauben, würden 84.000 neue Jobs entstehen.

Kultur des Umstiegs.
In vielen Berufen halten Arbeitnehmer nicht bis zum Schluss durch. Den Rund-um-die-Uhr-Job eines Devisenhändlers macht man idealerweise zwischen 20 und 30, und kaum jemand wünscht sich 75-Jährige im Cockpit von Verkehrsmaschinen. Der Bevölkerungswissenschafter Rainer Münz plädiert für eine „neue Kultur des Umstiegs“: „Wir müssen viel mehr als bisher in die Weiterbildung ­investieren.“ Wer bis 70 arbeitet, für den kann es sich auch mit 40 lohnen, noch einmal neu zu beginnen. Auf diese Klientel sei der normale Bildungsbetrieb aber nicht eingestellt.

Arbeitsforscher tüfteln daran, die „Rushhour des Lebens“ zu entlasten. Gemeint ist die Zeit zwischen 25 und 35, in der alles passieren muss: Bildungsabschluss, Karriere, Beziehung, Kind, Wohnung kaufen. In den Niederlanden sorgt ein Arbeitszeitanpassungsgesetz dafür, dass Menschen in manchen Phasen ihres Lebens Teilzeit arbeiten können, in anderen Vollzeit. ÖGB-Vize Oberhauser, vom Ursprungsberuf Kinderärztin, träumt von einer Arbeitswelt, in der Erholungspausen und Auszeiten normal sind und mit der Gesundheit der Arbeitnehmer pfleglich umgegangen wird: „Dazu gehört, dass die Arbeitsplätze so gestaltet werden, dass die Menschen nicht vor der Zeit ­verglühen.“

Auch in der Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts verrichten viele Menschen harte körperliche Arbeit. Für eine europäische Studie wurden heimische Arbeitnehmer gefragt, wie viel Zeit sie mit dem Tragen und Bewegen schwerer Lasten verbringen. Fazit: 40 Prozent der Männer, 31 Prozent der Frauen. Länger im Arbeitsprozess kann aber nur bleiben, wer gesund bleibt, arbeiten will – und arbeiten darf.

Die Ärztin und Psychotherapeutin Irene Kloimüller arbeitet seit dem Vorjahr daran, den Frühpensionierungskreislauf aufzubrechen. Sie berät im Auftrag der Pensionsversicherungsanstalt 12.600 Mitarbeiter in Betrieben, die besonders viele Frühpensionisten produzieren – Bau, Gesundheit, Handel, Metallverarbeitung. Kloimüller kann von Mitarbeitern erzählen, die schon mit Mitte 40 wissen, wie viele Tage sie noch bis zur Pension haben. Und sie kann von Unternehmen berichten, die ihre Arbeitsstrukturen nicht auf Ältere eingestellt haben. Viele Betriebe etwa arbeiten mit 12-Stunden-Schichten, das ist für Jüngere bequem, weil sie viel Freizeit blocken können. Für Ältere aber sind derart lange Schichten, etwa im Pflegebereich, nicht zu schaffen.

„Wir müssen uns von der Idee lösen, dass wir auch im Alter das machen müssen, was wir immer schon gemacht haben“, sagt Personalentwickler Stieger. Es vergeht kaum ein Tag, an dem er sich nicht über das falsche Bild vom Alter ärgert: „Wir haben noch immer die Bilder unserer Großeltern im Kopf.“ Nicht alles werde mit dem Alter automatisch schlechter. Eine Kette in Großbritannien setzt 60-jährige Häuslbauer in ihren Baumärkten ein – und das nicht aus humanistischen Motiven. Die Älteren kommen als Berater bei den Kunden einfach besser an.

Heute versteht Leopold Stieger auch seinen eigenen Vater besser. Als Pensionist zog dieser zweimal in der Woche einen Anzug an, ging zum Pfarrer und erledigte dessen Buchhaltung. Das ging so lange, bis ihn ein EDV-Programm ersetzte. Der alte Herr war sehr traurig. „Sei doch froh, jetzt kannst du deine Pension genießen“, versuchte der Sohn ihn zu trösten. Ähnlich verständnislos fragen ihn nun seine eigenen Kinder: „Papa, musst du noch so viel arbeiten?"