Interview: „Kein freier Platz“

Waltraud Klasnic über die politische Verantwortung für die Estag-Affäre und die Comeback-Chancen von Gerhard Hirschmann.

profil: Frau Landeshauptmann, der Estag-Untersuchungsausschuss wird vielleicht erst 2005 zu einem Ergebnis kommen – also im Wahljahr. Haben Sie Angst vor weiteren Enthüllungen knapp vor der Landtagswahl?
Klasnic: Ich habe für alle notwendigen Prüfungen gesorgt, den Rechnungshof eingeschaltet und den Ehrenkodex für den Aufsichtsrat gefordert, der dann auch umgesetzt wurde. Mehr kann man nicht tun. Und eines muss ich schon sagen: Alle drei Parteien in der Landesregierung hatten und haben Vertreter im Estag-Aufsichtsrat. Die Verantwortung kann nicht nur die ÖVP treffen.
profil: Die ÖVP stellt immerhin den Eigentümervertreter.
Klasnic: Erst seit 2001. Davor war dies der Finanzlandesrat der SPÖ.
profil: In der Steiermark erzählt man sich, Sie selber hätten Gerhard Hirschmann gebeten, in die Estag zu gehen und dort nach dem Rechten zu sehen.
Klasnic: Diese Frage kann ich so nicht akzeptieren. Sie wissen, dass es eine Ausschreibung gab und Gerhard Hirschmann vom Aufsichtsrat der Estag nominiert wurde. Aber selbstverständlich habe ich ihn dabei unterstützt.
profil: Gab es den Kampfauftrag, im Konzern aufzuräumen?
Klasnic: Von mir gibt es keine Kampfaufträge.
profil: Magna-Chef Frank Stronach hat versucht, zwischen Herbert Paierl und Gerhard Hirschmann Frieden zu stiften. Hatte er Angst, den von ihm geschätzten Wirtschaftslandesrat zu verlieren?
Klasnic: Es gab eine ganze Reihe von Gesprächen, auch eines mit Herrn Stronach. Das Gesprächsklima dabei war sehr angenehm. Aber eine Entscheidung konnte nicht getroffen werden.
profil: Können Sie sich erklären, wie aus den Freunden Hirschmann und Paierl so erbitterte Feinde werden konnten?
Klasnic: Nein, dafür habe ich keine Erklärung. Ich kann nur sagen, dass beide ihre Aufgaben in der Politik großartig gemacht haben. Überall, wo Menschen sind, kann es zu Spannungen kommen.
profil: Hätten Sie nicht früher eingreifen müssen, um den für die Partei peinlichen Schaukampf zu beenden?
Klasnic: Wer die handelnden Personen kennt, der weiß, dass sie eine sehr starke Meinung haben.
profil: Gerhard Hirschmann genießt bei der steirischen ÖVP-Basis nach wie vor viel Sympathie. Glauben Sie, dass er es noch einmal in der Politik versuchen wird?
Klasnic: Das weiß ich nicht, das müssen Sie ihn selber fragen.
profil: Habe ich. Seine Antwort war etwas kryptisch, er sagte: „Nur, wenn man mich zwingt.“ Wäre er willkommen?
Klasnic: Die Regierung ist besetzt. Es gibt derzeit keinen freien Platz.
profil: Auch wenn Sie sagen, dass Sie sich keiner Schuld bewusst sind: Gibt es etwas, das Sie aus der Affäre um die Estag gelernt haben?
Klasnic: Ja, einiges. Das Wichtigste ist, dass ein Unternehmen nicht Spielball der Parteipolitik werden darf. Die Fachkompetenz muss im Vordergrund stehen.
profil: Das heißt, bisher war die Estag ein Spielball der Politik?
Klasnic: Nicht in der Vergangenheit, aber im letzten Jahr. Wenn ich daran denke, was von gewissen Politikern unter dem Schutz der Immunität alles gegen dieses Unternehmen gesagt wurde – das kann nicht sein.
profil: Wen meinen Sie konkret?
Klasnic: Ich nenne keine Namen. Die Betroffenen wissen, wen ich meine.