Interview: „Natürlich werden Vorurteile bedient“

Villachs Bürgermeister Helmut Manzenreiter über das Image seiner Stadt und deren Spaß am Faschingsklamauk.

profil: Herr Bürgermeister, Villach wird vor allem mit dem Fasching assoziiert. Ist das für Sie ein Problem?
Manzenreiter: Ganz im Gegenteil, es ist ja ein sympathisches Bild, das von der Stadt gezeichnet wird. Manchmal wird dadurch leider die enorme wirtschaftliche Entwicklung etwas übertüncht, die wir in den letzten Jahren gehabt haben. Aber an und für sich entspricht die Lebensart, die da transportiert wird, durchaus der Lebensart der Menschen ganz im Süden von Österreich.
profil: Karneval und Fasching haben in Österreich keine so große Tradition wie etwa im Rheinland. Wieso ist gerade Villach zur Faschingshochburg geworden?
Manzenreiter: Das war vor ziemlich genau 50 Jahren, und es war eher das Bürgertum, das den Villacher Fasching begründet hat. Man wollte den Menschen in dieser schwierigen Nachkriegszeit etwas Fröhlichkeit geben, man wollte sie ablenken. Heute sind im Faschingsverein alle Gesellschaftsschichten zu Hause. Er orientiert sich an deutschen Vorbildern, in den letzten Jahren ist man aber einen eigenständigeren Weg gegangen. So hat der 11.11. bei uns nicht die Bedeutung wie in Deutschland.
profil: Warum hat man sich nicht mehr am Karneval von Venedig orientiert? Villach liegt ja nur wenige Kilometer vor der Grenze.
Manzenreiter: Die Orientierung nach Süden ist erst mit der Fertigstellung der Autobahn und später mit dem EU-Beitritt gekommen. Vorher sind die Leute nach Tarvis oder Udine zum Einkaufen gefahren, aber eine wirkliche Öffnung Richtung Italien hat es zu dieser Zeit, Mitte der fünfziger Jahre, nicht gegeben.
profil: Den größten Applaus gibt es beim Villacher Fasching immer für die politischen Nummern.
Manzenreiter: Natürlich werden alle Vorurteile bedient, die über Politiker in der Gesellschaft da sind. Die Gilde versucht aber, keine persönlichen Verunglimpfungen von Politikerinnen und Politikern zuzulassen. Das letzte Mal, als es zu sehr ins Persönliche gegangen ist, war die Auseinandersetzung mit Johanna Dohnal. Das war etwas zu tief, das habe ich bedauert. Aber daraus hat man gelernt. Die harte politische Konfrontation findet nicht wirklich statt.
profil: Es klingt grob, aber es wird niemandem wehgetan.
Manzenreiter: Ja. Das Ziel ist, dass selbst der Betroffene noch lachen kann. Man versucht, einen gewissen Ausgleich zwischen den Parteien herbeizuführen.
profil: Hatte das Auftauchen Jörg Haiders in Kärnten einen Einfluss auf das Programm?
Manzenreiter: In der ersten Zeit war auch bei Teilen der Faschingsgilde die Euphorie spürbar, die Haider in Kärnten erweckt hat. Inzwischen sind seine Veranstaltungen schlecht besucht, auch die Parteiveranstaltungen. Das Interesse an seiner Person hat nachgelassen. Am Beginn hatte er beim Fasching oft tosenden, lang anhaltenden Applaus – das ist vorbei.
profil: Wurde mit Ihnen als Bürgermeister auch schon einmal grob umgegangen?
Manzenreiter: Man hat natürlich auch mir den Spiegel hingehalten. Dann gab es wieder Jahre, in denen ich fast nicht vorgekommen bin. Insgesamt verliert die Lokalpolitik im Programm immer mehr an Bedeutung.
profil: Ist man als Politiker beunruhigt, wenn man gar nicht mehr vorkommt?
Manzenreiter: Da die Faschingsgilde ja nie ins Persönliche geht, ist es schlimmer, wenn man gar nicht vorkommt, als wenn man durch den Kakao gezogen wird.