Interview: „Schlechte Signale“

Der Wiener Geschäftsmann Martin Schlaff über seinen Zoff mit der serbischen Regierung, sein Verhältnis zur BZÖ-Spitze und die mutmaßliche Verwicklung in den israelischen Parteispendenskandal.

profil: Herr Schlaff, während wir uns hier unterhalten, steht Ihre Belgrader Mobilfunkbeteiligung Mobtel offenbar vor dem Kollaps. Nach Berichten serbischer Medien scheint eine Insolvenz unausweichlich. Beunruhigt?
Schlaff: Nein. Die Insolvenz ist rein technisch gesehen, zumal das Unternehmen nicht verschuldet ist, nur eines von mehreren Lösungsszenarien. Das ist nicht unbedingt schlecht für uns.
profil: Sie haben die Mobtel-Anteile zusammen mit ihren Partnern Herbert Cordt und Josef Taus im August des Vorjahres vom serbischen Geschäftsmann Bogoljub Karic erworben. Seither reißt der Ärger nicht ab. Die Eigentumsverhältnisse sind nach wie vor umstritten, die serbische Regierung fordert stattliche Dividendennachzahlungen, hat dem Unternehmen im Dezember die Lizenz entzogen und die Zwangsverwaltung verhängt. Also ich wäre an Ihrer Stelle reichlich beunruhigt.
Schlaff: Ich muss zugeben, dass die vergangenen Wochen und Monate nicht einfach waren. Die Schwierigkeiten resultieren jedoch aus Vorgängen, die in die Zeit vor unserem Einstieg fallen. Und wir stehen, wie ich meine, in konstruktiven Verhandlungen mit der serbischen Seite, um unsere Interessen vor Ort zu wahren.
profil: Die serbische Regierung, die über die staatliche Post ebenfalls an Mobtel beteiligt ist, wirft dem früheren Aktionär Karic im Wesentlichen vor, Gelder illegal aus dem Unternehmen abgezogen zu haben …
Schlaff: Ich will das nicht kommentieren.
profil: Bogoljub Karic werden gute Chancen eingeräumt, als Sieger aus den nächsten Wahlen in Serbien hervorzugehen. Es sieht so aus, als wäre Mobtel unvermittelt zum innenpolitischen Spielball geworden.
Schlaff: Auch das will ich nicht kommentieren.
profil: Ist die von Ihnen angedeutete konstruktive Lösung eingedenk der verworrenen Lage im Lande überhaupt möglich?
Schlaff: Wir haben uns dank des Engagements von Vizekanzler Hubert Gorbach mit der serbischen Regierungsspitze auf die Einrichtung einer Arbeitsgruppe verständigt, die in den kommenden Wochen alle möglichen Szenarien durchgehen soll. Die Lösung soll sowohl den Interessen der serbischen Seite als auch den unseren entsprechen. Ich will den Ergebnissen aber nicht vorgreifen.
profil: Das Engagement in Serbien hat Sie dem Vernehmen nach bislang rund 100 Millionen Euro gekostet …
Schlaff: Diese 100 Millionen Euro sind nur ein Teil des gesamten Kaufpreises. Der gesamte Betrag wäre ohnehin erst bei einem erfolgreichen Abschluss des Deals fällig geworden. Im Übrigen verfügen wir über Verträge, die uns gewisse Gewährleistungsansprüche gegenüber dem früheren Eigentümer sichern. Unser Risiko ist derzeit durchaus überschaubar.
profil: Die serbische Regierung hat immer wieder betont, dass sich ihre Handlungen nicht gegen die österreichischen Investoren richteten. Dennoch waren diese bislang die Leidtragenden.
Schlaff: Das ist ein wenig übertrieben. Wir haben zur Stunde keinen finanziellen Schaden genommen. Mobtel steht zwar unter serbischer Zwangsverwaltung, der Geschäftsbetrieb läuft jedoch weiter. Aber das kann natürlich keine Dauerlösung sein. Der serbische Staat kann nicht das Ziel haben, Mobtel zu vernichten, er ist schließlich nach wie vor daran beteiligt.
profil: Für ausländische Investoren sind die Vorgänge in Serbien dennoch alarmierend.
Schlaff: Das sind schlechte Signale, keine Frage. Und genau das ist eine starke Motivation für die Regierung, mit uns im Rahmen der Arbeitsgruppe eine Lösung zu finden.
profil: Sie selbst haben in den vergangenen Wochen mehrfach und offenbar erfolglos mit serbischen Regierungsvertretern verhandelt. Warum sollte jetzt ausgerechnet Hubert Gorbach die Wende bringen?
Schlaff: Verhandlungen auf Geschäftsebene sind das eine, Verhandlungen auf Regierungsebene das andere.
profil: Wie haben Sie den Vizekanzler überhaupt dazu bewegen können, in dieser Angelegenheit in Belgrad zu intervenieren?
Schlaff: Es zeichnet die Einstellung österreichischer Regierungsvertreter aus, dass sie aus eigenem Antrieb im Sinne der heimischen Wirtschaftstreibenden agieren. Ich persönlich habe also niemanden dazu bewegen müssen.
profil: Sie haben nie ein Hehl aus Ihrer sozialdemokratischen Gesinnung gemacht. Dass Hubert Gorbach als Vertreter des BZÖ eher deutlich rechts von der Mitte daheim ist, scheint Sie nicht weiter zu bekümmern.
Schlaff: Die meisten Menschen in diesem Land saugen ihre politische Gesinnung mit der Muttermilch auf. Deshalb kann man auch als Sozialdemokrat nicht einfach sagen, dass jeder, der eine linke Gesinnung vertritt, anständig ist – und jeder, der eine konservative oder rechtsliberale Haltung hat, unanständig ist. Der Vizekanzler ist ein sympathischer, korrekter, erfolgreicher Mensch mit großem Durchsetzungsvermögen, der sich für die österreichische Wirtschaft mit höchstem Einsatz engagiert. Seine politische Gesinnung hat in diesem Zusammenhang keine Relevanz. Er macht einen guten Job.
profil: Und wie stehen Sie dazu, dass BZÖ-Obmann Jörg Haider in der Vergangenheit nicht nur einmal mit politisch problematischen Aussagen von sich reden machte?
Schlaff: Das mag sein. Aber auch ein Jörg Haider ist nicht ausschließlich an seinen Bierzeltsagern zu messen.
profil: Die Person Martin Schlaff umgibt seit Jahren der Nimbus des Geheimnisvollen. Sie geben kaum Interviews, es existieren nur wenige Fotos, dafür aber viele unkommentierte Gerüchte und Spekulationen. Was verrät uns das über Sie?
Schlaff: Ich denke, es gibt diesbezüglich im Wesentlichen zwei Kategorien Menschen. Die einen sehen sich gern in Medien, die anderen weniger. Ich gehöre zu den Letzteren. Es mag sein, dass es ab und zu ein gewisses Interesse an meiner Person gab. Aber ich habe mich dem nicht gestellt. Mag auch sein, dass ich dadurch eine derartige Nachrede provoziert habe. Ich kann mich gut erinnern, was mir nicht alles in Zusammenhang mit meinen Geschäften in der ehemaligen DDR angedichtet wurde. Hätte ich ernsthaft jeden Unfug kommentiert, der damals über mich geschrieben wurde, wäre ich damit voll ausgelastet gewesen. Ich muss oft schmunzeln, wenn Schulfreunde meiner Kinder nach Hause kommen und sich wundern, dass der Papa ein ganz normaler Mensch ist.
profil: Sie haben einst Computertechnologie in die DDR verkauft, später unter anderem das Spielkasino in Jericho im palästinensischen Autonomiegebiet eröffnet, dann in Bulgarien einen Mobilfunkbetreiber von einem Geschäftsmann erworben, der kurz zuvor des Landes verwiesen worden war, und sich schließlich auch noch mit der serbischen Regierung angelegt. Unter „normal“ versteht man mit Verlaub gemeinhin etwas anderes.
Schlaff: Die Herausforderung hat mich immer gereizt. Das ist wie beim Bergsteigen. Letzten Endes geht es immer nur um die Frage: Wie hoch ist das Risiko und wie hoch die Risikoprämie? Als wir 2002 die bulgarische Mobiltel übernommen hatten, war die Situation vergleichbar mit jener, die wir jetzt in Serbien haben. Der frühere Eigentümer (der russischstämmige Unternehmer Mikhail Chernoy, Anm. d. Red.) war im Lande nicht mehr erwünscht, die Regierung uns gegenüber nicht gerade wohlwollend eingestellt. Und trotz aller Unwägbarkeiten haben wir aus der Mobiltel ein Vorzeigeunternehmen gemacht, das wir schließlich an die Mobilkom Austria verkaufen konnten. Die Kunst besteht darin, gordische Knoten aufzuschlagen, ohne die Unternehmen zu beschädigen. Und wenn das klappt, dann wird es ja auch nicht schlecht belohnt.
profil: Sie stehen in Israel seit bald drei Jahren im Zentrum einer Affäre um mutmaßlich illegale Parteispenden an die Familie des zurzeit im Koma befindlichen Premiers Ariel Sharon. Angeblich haben Sie ihm über Umwege drei Millionen Dollar zukommen lassen.
Schlaff: Die Vorwürfe sind absurd. Diese Sache wird immer dann aufgekocht, wenn in Israel gewählt wird. Das war vor den israelischen Parlamentswahlen 2003 so. Und das ist halt jetzt wieder so. Vor dem tragischen Schlaganfall war Ariel Sharon der siegessichere Kandidat, weshalb die Sache jetzt offenbar noch einmal aufgewärmt werden musste.
profil: Ihrem Bruder wurden bei einem Besuch in Israel am 22. Dezember vergangenen Jahres von der Polizei Laptops und Handys abgenommen, auf denen laut Ermittlern neue Beweise für Ihre Verwicklung in die Affäre gefunden worden sein sollen.
Schlaff: Die Behörden haben inzwischen selbst einbekennen müssen, dass es keine neuen Beweise gibt, sondern nur einen alten Verdacht. Nachdem die Vorwürfe falsch sind, kann es derartige Beweise auch gar nicht geben.
profil: Die israelische Polizei wird aber doch nicht grundlos persönliche Gegenstände Ihres Bruders konfiszieren.
Schlaff: Ich kenne die Gründe nicht. Ich kann es mir nicht anders erklären, als dass man den Skandal vor jeder Wahl aufwärmen muss. Bezeichnend ist ja auch, dass im Jahr 2003 die zuständige israelische Staatsanwältin (Liora Glatt-Berkovich, Anm. d. Red.) nach ihrer Suspendierung im Zuge ihres diesbezüglichen Strafverfahrens zugab, den Akteninhalt vorsätzlich den Medien zugespielt zu haben, um Ariel Sharon bei den anstehenden Wahlen zu schaden. Ich selbst bin in dieser Sache nie einvernommen worden. Ich habe auch keine Kenntnis über den Stand irgendwelcher Ermittlungen.
profil: Es geht in Israel das Gerücht, Sie hätten der Familie Sharon unter die Arme gegriffen, um im Gegenzug Unterstützung bei Entfaltung geschäftlicher Aktivitäten im Nahen Osten zu bekommen.
Schlaff: Ich habe die Familie Sharon nicht unterstützt und auch keine Unterstützung bekommen.
profil: Es ist aber kein Gerücht, dass Sie Ihren Grundbesitz in Israel inzwischen verkauft und Ihren Lebensmittelpunkt wieder nach Österreich verlagert haben.
Schlaff: Das ist so nicht richtig. Israel war nie mein Lebensmittelpunkt. Ich war in der Vergangenheit im Durchschnitt höchstens 30 Tage pro Jahr dort, in Österreich lebe ich seit meiner Geburt. Aber es trifft zu, dass es mich augenblicklich nicht nach Israel treibt. Ich besitze zwar keinen Computer, den man beschlagnahmen könnte. Aber ich habe wirklich keine Lust, mich einem Medienrummel zu stellen wegen einer angeblichen Affäre, mit der ich überhaupt nichts zu tun habe.

Interview: Michael Nikbakhsh