Interview: „Verzicht aufs Auto bringt der Umwelt mehr“

Der Abfallwirtschaftsexperte Paul Brunner über den Sinn von Mülltrennung, Dosenpfand und neuen Sortierverfahren.

profil: Wie sinnvoll ist die Trennung von Hausmüll?
Brunner: Der Hausmüll macht nicht einmal zehn Prozent von den gesamten Abfällen in Österreich aus. Anstrengungen bei der Hausmülltrennung sind also in Relation weit weniger wichtig als bei den restlichen 45 Millionen Tonnen. Dort müsste man den Hauptbeitrag leisten, was zum Teil auch gemacht wird. Mit der Mülltrennung im Haushalt wird man das Abfallproblem aber sicher nicht lösen.
profil: Dennoch wird von Politikern und Umweltschützern die Mülltrennung in den Haushalten häufig in den Vordergrund gestellt. Wird die Bevölkerung auf diese Weise in die Irre geführt?
Brunner: In die Irre geführt nicht, aber es wird Nebensächliches überbetont, nämlich das, was für den Bürger sichtbar ist. Dass in dem Haus, in dem man wohnt, zehnmal mehr Abfälle anfallen, wenn es einmal abgerissen wird, ist nur den wenigsten bewusst.
profil: Was bringt Dosenpfand?
Brunner: Jeder Österreicher verbraucht im Jahr hochgerechnet 25 Kilogramm Aluminium, unter anderem für Autobestandteile oder Alufenster. Getränkedosen machen davon gerade ein paar Prozent aus. Auch wenn jede Dose eingesammelt würde, hätte dies auf Österreichs Alu-Haushalt keine entscheidende Auswirkung. Anders sähe die Sache aus, wenn die Aludose Glas- und Kunststoffflaschen immer mehr ersetzen würde. Dann wäre auch ein Dosenpfand wahrscheinlich sinnvoll.
profil: Was bringt das Sammeln von Papier, Glas und Kunststoff?
Brunner: Mit Altpapier kann man Recycling-Papier unter geringerem Wasser- und Chemikalieneinsatz produzieren, Altglas spart Energie bei der Flaschenherstellung. Das ist positiv. Kunststoffabfälle zu sammeln bringt aber nur einen minimalen ökologischen Beitrag. Und das Recycling ist außerdem teuer. Deshalb werden mittlerweile nur noch PET-Flaschen gesammelt. Ökologisch positiv wäre es zu bewerten, wenn PET-Flaschen als Mehrweggebinde wiederverwendet und nicht entsorgt würden.
profil: Könnte man PET-Flaschen nicht auch gleich im Müllofen verbrennen?
Brunner: Das würde die Ökobilanz der gesamten Abfallwirtschaft nicht wesentlich verschlechtern.
profil: Manche Experten meinen, dass die getrennte Sammlung von Kunststoff vor allem auch aus Gründen der Umwelterziehung sinnvoll ist.
Brunner: Das sehe ich anders: Es wäre viel gescheiter, die Leute mehr dazu zu bewegen, häufiger auf das Auto zu verzichten. Das würde dem Ziel, Mensch und Umwelt zu schützen, deutlich mehr bringen als die perfekte Mülltrennung.
profil: Deutsche Experten diskutieren das Ende der getrennten Sammlung, weil es bereits mechanische Verfahren zur automatischen Trennung des Hausmülls gebe. Ist das eine Alternative?
Brunner: Diese Ideen werden seit 30 Jahren verfolgt. Das Problem ist allerdings: Bisher hat keines dieser Verfahren wirklich funktioniert. Keines konnte Schad- und Nutzstoffe perfekt und zuverlässig aus dem Müll heraussortieren. Erst wenn das gelingt, ist die Mülltrennung insgesamt obsolet.