Isolationhaft Einsamkeit

Einsamkeit gilt als Schreckgespenst einer digital restlos vernetzten und manisch beziehungssüchtigen Gesellschaft. Alleinsein muss jedoch nicht nur krank machen, sondern kann auch zum Trainingslager für ein besseres Ich werden.

Einsamkeit ist ein demokratisches Gefühl, das sich durch alle Altersgruppen und Schichten zieht. Das Baby, das sich – aus pädagogischen Maßnahmen unbeachtet – in den Schlaf schreit, kann von diesem Gefühl der Verlassenheit bis zu seinem Lebensende traumatisiert sein und als erwachsener Mensch von einer Beziehungspleite in die nächste tappen, weil der jeweilige Partner die aus den Verlustängsten resultierende Umklammerung nicht erträgt. Der Teenager, der sich hinter seinem Computer verkriecht und sich einen Identitäts-Avatar bastelt, weil er sich im analogen Leben zunehmend überfordert fühlt, vereinsamt inmitten seiner Familie und wird zum digitalen Autisten. Das Paradoxon der Gegenwartist, dass eine sozial so atemlos umtriebige Gesellschaft, deren Kommunikationsmöglichkeiten sich ständig erweitern, von einer Einsamkeit epidemiologischen Ausmaßes betroffen ist. Laut dem US-Einsamkeitsforscher John Cacioppo fühlen sich bereits 20 Prozent aller Menschen weltweit (allein in den USA sechzig Millionen) derart isoliert, dass sie unglücklich sind. Doch der Rückzug in die selbst gewählte Isolation ist auch die Voraussetzung für Kreativität. Und das Lebenskonzept des Alleinseins hat nicht nur deprimierende Seiten, schreiben Angelika Hager und Sebastian Hofer in der aktuellen Coverstory.

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