Johannes Huber: „Menschlicher Jurassic Park“

Der Wiener Reproduktionsmediziner Johannes Huber über Licht- und Schattenseiten der künstlichen Befruchtung. Johannes Huber, 57, ist Leiter der Klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung an der Wiener Medizinuniversität sowie Vorsitzender der Bioethikkommission.

profil: Wie fällt Ihre Bilanz der künstlichen Befruchtung (IVF) aus?
Huber: Ich bin nach wie vor ein Befürworter der Methode. Aber wir haben auch Daten, die zur Vorsicht mahnen. So könnte die Frühprägung der Gene verändert werden oder das Brustkrebsrisiko durch die Hormonstimulation steigen.
profil: Heißt das, dass die Methode nicht für alle geeignet ist, die sich Kinder wünschen?
Huber: Eine Konsequenz aus den Daten ist zweifellos, dass die IVF primär bei Eileiterverschluss angewendet werden sollte. Bei einem schlechten Spermabefund oder einer unerklärbaren Kinderlosigkeit hingegen wäre ich vorsichtig.
profil: Das größte Problem sind offenbar die Mehrlingsgeburten. Sollte man die Zahl der rücktransferierten Embryonen gesetzlich reglementieren?
Huber: Das würde zwar die Zahl der Komplikationen senken, gleichzeitig aber auch die Chance auf eine Schwangerschaft drastisch reduzieren. Ich glaube, das müssen wir den Frauen überlassen.
profil: Bekommen denn die Frauen genügend Information?
Huber: Nein, sie werden heute kaum über Risken aufgeklärt. Es müsste einen Revers geben, wo wirklich alles drinnen steht.
profil: Aber die Methode ist nicht zuletzt auch ein gutes Geschäft.
Huber: Wenn die Beratung vom gleichen Arzt durchgeführt wird, der dann letztlich auch das Geschäft macht, ist das natürlich höchst problematisch.
profil: Welchen Kundenwunsch würden Sie nicht erfüllen?
Huber: Keinen, der gegen die Natur ist. Wenn sich eine Frau das Geschlecht des Kindes aussuchen möchte, würde ich sagen: Das hat die Natur nicht vorgesehen.
profil: Auswüchse wie 60-jährige Schwangere, Diebstahl von Eizellen, Leihmütter etc. gibt es ja schon heute.
Huber: Das ist erst der Vorgeschmack auf das, was auf uns zukommen wird. Wenn wir erst den Alterungsprozess des Eierstocks bremsen können, werden Schwangerschaften im Alter keine Ausnahme mehr sein.
profil: Gibt es ein Worst-Case-Szenario, von dem Sie sagen: So weit darf es nie kommen?
Huber: Wenn man aufgrund der genetischen Anlagen auf bestimmte Verhaltensweisen, etwa das Aggressionspotenzial oder das Stressverhalten, schließt und zu selektieren beginnt. Oder wenn wir aus der Schwangerschaft verstehen lernen, wie Organe wachsen. Wenn wir dieses Wissen kultivieren und auf die Organe alter Menschen übertragen, werden wir zu einer noch stärkeren Überalterung der Menschheit beitragen und eine Art menschlichen Jurassic Park schaffen.