Kirche: Auf Irrwegen

FP-Volksanwalt Ewald Stadler überweist seinen Kirchenbeitrag an eine von der Kirche nicht anerkannte Sekte. Krenn vermittelt bisher ohne Erfolg.

Kardinal Christoph Schönborn hatte sein diplomatisches Geschick aufgeboten, um das verirrte Schäfchen zu bekehren. Dann, vor drei Wochen, schickte der Wiener Erzbischof Ewald Stadlers langjährigen Freund Bischof Krenn aus, um den Volksanwalt wieder auf den rechten Weg zu bringen.

Stadlers Sündenfall: Der Politiker weigert sich seit einem Jahr, seinen Kirchenbeitrag an die Erzdiözese Wien zu überweisen. Krenns Vermittlungsversuch blieb bisher ohne Erfolg. „Es schaut nicht gut aus“, so der Bischof gegenüber profil.

Statt an die Diözese gehen die 1,1 Prozent von Stadlers Gehalt an die Traditionalisten-Bruderschaft St. Pius X. Begründung: „Ich kann keine Funktionäre der Kirche unterstützen, die diese von innen zerstören“, erklärt Stadler. Für den Fall, dass die Kirche die Überweisung der Kirchensteuer an die Pius-Brüder nicht anerkenne, kündigt er einen „großen Konflikt bis zu einer Volksabstimmung zur Kirchensteuer“ an.

Kirchenrechtlich ist Stadlers Umwidmung des Kirchenbeitrags jedoch bedenklich: Eine zweckgebundene Überweisung kann nur an von der Kirche ausgewählte Einrichtungen erfolgen. Die Pius-Bruderschaft steht nach der Exkommunikation ihres Gründers, des Erzbischofs Marcel Lefebvre, im Jahr 1988 aber außerhalb der römisch-katholischen Kirche.

In Frankreich sind die Lefebvre-Gefolgsleute, welche die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils weit gehend ablehnen, politisch eng mit dem Umfeld des rechtsextremen Politikers Jean-Marie Le Pen verbunden. Lefebvre selbst wurde eine Woche vor seinem Tod 1991 wegen Anstiftung zum Rassenhass verurteilt. Stadler ficht das nicht an, Lefebvre sei ein „hochanständiger Bischof“ gewesen.

Selbst Kurt Krenn hält Stadlers Zahlungen an die Pius-Brüder für „keine gute Idee“: „Wir haben das Problem mit der Bruderschaft, dass sie nicht in die volle Gemeinschaft mit Rom zurückkehrt“, so Krenn.

Stadler beharrt darauf, dass Kirchenmitglieder ihren Beitrag frei verteilen dürfen. Sonst mache man sich „zum Testamentsvollstrecker der NS-Gesetzgebung“ (die Kirchensteuer wurde in der NS-Zeit eingeführt). Ein nächster Gesprächstermin ist für die Weihnachtszeit angesetzt, eine gütliche Einigung erscheint fraglich.