<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Der Ableger der Zeder

„Al Badawi“: Auch in der Josefstadt werden köstliche libanesische Mezze serviert.

Es war vor, na ja, vor ungefähr 1001 Nacht, und das dürfte sogar einigermaßen hinkommen, da haben an dieser Stelle drei Freunde aus dem Libanon über die korrekte Würzung eines Kafta Nayeh gesprochen, in das nicht nur Kreuzkümmel, sondern auch Siebengewürz gehört. Kafta Nayeh ist die orientalische Version des Beef Tatar. Die drei Freunde, die damals gerade ihr libanesisches Restaurant „Le Cedre“ am Rand des Wiener Wurstelpraters eröffnet hatten, haben mir auch von Makanik und Sujuk vorgeschwärmt, den Würsten aus Rind und Lamm, die mit nichts als etwas Zitronensaft am besten schmecken. Stimmt. Und sie haben mir erzählt, wie so eine arabische Männerwirtschaft funktionieren kann. „Es gibt nur zwei Sachen“, sagte Koch Mohammed Assi, „über die wir nicht miteinander reden: Religion und Politik.“

Vor zwei Jahren aber dürfte dann doch etwas passiert sein. Keine Ahnung, ob es mit Religion oder Politik zu tun hatte oder mit beidem, was mich jetzt auch nicht wundern würde. Oder ging es um Zutaten und Gewürze? Das Trio im „Le Cedre“ ist jetzt nur noch ein Duo, aber dafür hat Wien ein zweites, ziemlich sympathisches libanesisches Restaurant bekommen: das „Al Badawi“ in der Josefstadt (es gab vor vielen Jahren auch mal eines in der City), noch dazu in der Lammgasse! Es ist ebenfalls im Souterrain gelegen, aber in seiner ganzen Anmutung deutlich schwülstiger als das geradezu nüchterne „Le Cedre“: warme rötliche Farben, gipserne und übermalte Steinverkleidungen aus dem Baumarkt an der Wand, künstliche Rosen auf den Tischen, Shishas auf dem Schwedenofen, und an allerlei morgenländischem Nippes mangelt es schon gar nicht. Trotzdem: Ich fühle mich dort wohl, sehr sogar. Ich betrete libanesische Restaurants grundsätzlich mit einer Mischung aus Erwartung und Hunger. Das betrifft zum größten Teil die ersten Seiten der Speisekarte, auf der die Vielfalt der Mezze genannten Vorspeisen, kalt oder warm, gelistet ist, weshalb mir irgendwer bitte einmal erzählen sollte, wie es dann eigentlich mit den Hauptgerichten weitergeht. Aber halt, nein, das ist mein Job. Ich fange nächstes Mal hinten an. Versprochen.

Mezze also. Da ist dieser wunderbar frische Fattousch, ein Salat aus Radieschen, Paprika, Gurken, Jungzwiebeln und anderen Gemüsen. Und natürlich Tabule, ganz anders hier als meine oft zu Hause produzierte Version. Man könnte mir unterstellen, zu faul zu sein, um Unmengen von Petersilie zu hacken, weil mein Bulgur-Anteil viel höher ist als im „Al Badawi“, wo der Weizenschrot im Grün nahezu untergeht. Trotzdem: so simpel, so gut.

Mutabal gehört ebenfalls zu meinen Favoriten; das ist dieses von Räuchergeschmack und Zitrusfrische getragene Mus aus gegrillten Melanzani. Ab und zu greift man zwischendurch am besten in die kleine Schüssel Kabis (sauer eingelegtes Gemüse, ziemlich knackig), bevor man sich dem hinreißenden Hommus Lahme zuwendet, dem in diesem Fall mit gebratenem Lamm angereicherten Kichererbsen-Klassiker.

Dem „Al Badawi“ wünsche ich jedenfalls in Zukunft viel mehr Gäste, und zwar vor allem, um die Küche zu motivieren, das Öl zum Herausbacken der Falafel und der aus Weizen, Faschiertem und Pinienkernen geformten Kebbe doch etwas öfter zu wechseln. Schade um diese beiden fein abgeschmeckten Backwaren. Dass in einer Küche aus dieser Region ausgerechnet das Öl nicht mithält … Ach ja, am Samstag ist immer großes Shisha-Rauchen im Hinterzimmer. Und Bauchtanz. Ich sag’s nur, weil ich denke, der Hinweis könnte so oder so nützlich sein.

Al Badawi

Lammgasse 2, 1080 Wien
Tel.: 01/402 01 97
www.albadawi.at
Mo. geschlossen
Mezze: 4,20 bis 7,90 Euro; Hauptgerichte:
8,90 bis 16,90 Euro

klaus.kamolz@profil.at