<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Kufta & Karotten

"Café Ansari“: bunte Köstlichkeiten auf dunklem Grund.

Böse Zungen pflegen ihre Empfehlung, diese neue, unfassbar angesagte Bobo-Oase namens "Café Ansari“ aufzusuchen, mit dem Hinweis zu garnieren, man möge sich zu diesem Zweck einfach zwei Tage Urlaub nehmen. Dann könne man dort am ersten Tag Aperitif und Vorspeisen konsumieren, und am nächsten Tag würde man irgendwann auch ein Glas Wein und ein Hauptgericht kriegen. Tatsächlich gibt es genug Menschen, die den Eindruck erwecken, genau das zu tun.Sie sitzen nach Feierabend einfach da. Aber: Sollte das Service-Chaos diese Nachrede anfangs gerechtfertigt haben, ganz so ist es wirklich nicht mehr. Das "Café Ansari“ funktioniert schon recht gut, wenn man ein wenig mitarbeitet und den jungen Damen, die orientierungslos mit Tellern in den Händen um sich blicken, winkt. Dann hebt sich ihr Blick, und sie schauen so freundlich herüber, als hätten sie gerade den Liebsten erblickt, der sie vom Bahnsteig abholt. Und bringen wunderbare Köstlichkeiten der georgischen und maghrebinischen Küche heran.

Bevor wir uns denen zuwenden, etwas Grundsätzliches: Nana Ansari, die in der georgischen Hauptstadt Tiflis Kunst studierte, später ein Kochbuch über ihre Heimat herausbrachte ("Die georgische Tafel“, Mandelbaum Verlag) und auf dem Karmelitermarkt das georgische Lokal "Madiani“ eröffnete, hat Wien ein hinreißendes Ethno-Restaurant geschenkt. Das "Café Ansari“, im ruhigen Allee-Abschnitt der Praterstraße gelegen, würde auch in Paris oder New York gute Figur machen. Es könnte in der Gegend um den Canal Saint-Martin liegen, wo derzeit ähnliche Etablissements entstehen, oder in Greenwich Village, wo es Leben dieser Kategorie seit Jahrzehnten gibt.

Chefredakteure, Schauspieler und Bobos (und von allen auch die -innen) buchen hier. Architekt Gregor Eichinger gehört offenbar zu denen, die - wie schon erwähnt - ihre After-Work-Hour hier verbringen; er hat die Räume auch gestaltet. Die Schank ist mit pastellgrünen Kacheln verkleidet, die Tische sind anthrazitfarben beschichtet, was die Vermutung nährt, dass diese Farbwahl mit der Speisekarte abgestimmt wurde. Was im Nahen und Mittleren Osten Mezze genannt wird, heißt im "Café Ansari“ schlicht Antipasti. In knalligen Farben - das liegt auch an den allgegenwärtigen Granatapfelkernen - heben sich die Gerichte vom dunklen Tisch ab. Sieht ziemlich gut aus. Und schmeckt hervorragend: Die Melanzanirolle mit Walnüssen und Kräutern hat eine ordentliche Ration Tahine (Sesampaste) abbekommen, geht sich geschmacklich aber gut aus. Ziemlich erfrischend auch der Salat mit Melanzani, Avocado und roten Bohnen sowie die Tabouleh, über der Freunde der orientalischen Küche allerdings darüber debattieren können, wie sich das Verhältnis von Bulgur zu Petersilie zu gestalten habe. Hier regiert die Petersilfraktion. Und das Beste: die mit Nüssen und Safran gefüllten Karotten, appetitlicher Ethno-Schick im Design der derzeit tausendfach kopierten nordischen Hochküche.

Man kann sich durch ein Angebot von gezählten 17 Antipasti und etwas üppigeren Vorspeisen essen und sollte das auch tun, denn die Hauptgerichte schwächeln. Kufta, die faschierten Bällchen, sind zwar spannend abgeschmeckt, aber in ihrer Konsistenz doch etwas dicht (in der Astronomie nennt man so etwas weißer Zwerg), das geschmorte Rindfleisch mit Marillen hätte noch eine gute Stunde im Schmurgelbehälter vertragen. Macht gar nichts, denn das Schöne an diesem Ort ist: Man kann nach den Antipasti einfach ins Nachbarhaus gehen und dort im "Mochi“ (ab 4. September wieder geöffnet) eine Soft-Shell Crab ordern. Die Praterstraße lebt. Zumindest auf den ersten 200 Metern im Schatten der Alleebäume.

Café Ansari

Praterstraße 15A, 1020 Wien
Tel.: 01/276 51 02
www.cafeansari.at
So. geschlossen
Hauptgerichte: 8,20 bis 18,60 Euro

klaus.kamolz@profil.at