<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Lobbying für Hochäcker

Ein "Best Value“-Blaufränkisch als Siegerwein in den USA.

Ich könnte jetzt voller Anmaßung die Frage stellen: Ach, kommt also die "New York Times“ auch schon drauf? Mein bescheidener Keller wird nämlich schon seit Jahrgängen vom Blaufränkisch Hochäcker aus Franz Weningers Weingut in Horitschon dicht besiedelt. Karg sind mittlerweile die Bestände des 2006ers, eines großen Jahrs; ein wenig vom 2007er ist auch noch da - und derzeit reichlich vom 2008er. Ich greife zum Hochäcker, wenn ich einen ordentlichen Tischwein für alle Tage trinken will; ich scheue nicht davor zurück, eine ganze Bouteille in einen Bräter zu kippen, wenn es ans Schmoren geht; und selbst an kulinarischen Feiertagen landet manchmal dieser Blaufränkisch auf dem Tisch. Ziemlich viel Trinkvergnügen also für 9,90 Euro pro Flasche ab Hof. Aber genug Hybris.Wahrscheinlich kennt der US-Weinkritiker Eric Asimov den Hochäcker vom Weninger eh schon länger als ich und hat sich aus ganz anderen Gründen bisher noch nicht an seine Lobpreisung gewagt.

Man müsse als Amerikaner nämlich die Angst wegwerfen und "das Hindernis des Umlauts überwinden“, schreibt er in der "New York Times“, dann darf man bei einem guten Glas Blaufränkisch einiges erwarten. Mit Verlaub, aber das kann nun wirklich kein Problem sein; schließlich hat es ja auch schon mit dem schwer auszusprechenden "groonen Veltliner“ funktioniert, der in New York zum Geheimtipp für Weinversteher geworden ist. Und Fränkisch? Wie FRANK Sinatra, FRANK Zappa, Dr. FRANK N. Furter, FRANKlin D. Roosevelt. Na also, geht ja. Nun berichtet Asimov, ein guter Freund österreichischer Flaschen, über ein Tasting des Blaufränkisch from Austria mit renommierten Sommeliers und Kritikern. Für Asimov und seine Verkoster präsentiert sich der Hochäcker 2008 (schon wieder so ein Umlaut) als anmutiger und harmonischer Wein mit klaren Aromen und komplexer und nachhaltiger Frucht und Würze. Fazit: "der absolute Liebling zum besten Preis“ unter 20 verkosteten "Franks“ von Carnuntum bis Südburgenland, der auch Spitzengewächsen um die 50 bis 70 Euro (Neckenmarkter Alte Reben 2006, Moric; Ungerberg 2007, Paul Achs) locker die roten Rücklichter zeigte - damit wir wissen, wovon wir reden.

Für diesen Wein muss jetzt gekocht werden. Meine spontane Telefonumfrage unter Köchen und Sommeliers brachte ebenfalls einen klaren Testsieger hervor - einen Kompromiss aus dem oft genannten Kalb und dem ebenso oft postulierten klassischen Schmorgericht mit jenem Wein, der dann auch ausgeschenkt wird. Das geht sich hervorragend aus, wegen der feinen Säure des Hochäcker nämlich, die den dichten Jus erfrischt.

klaus.kamolz@profil.at