<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Plädoyer für ein Café

„Café français“: bis auf den Hahn ein lässiger Laden.

Über das „Café français“, eine neue Brasserie und Bar entlang der studentischen Trampelpfade im Umkreis der Wiener Universität, stand zu lesen, das Angebot erschöpfe sich in frankophilen kulinarischen Plattitüden und trage wenig dazu bei, die Frankophobie der Wiener, was die Küche betrifft, zu lindern. Mon dieu! Einspruch, Euer Ehren! Sollen die jungen Bildungshungrigen, die ja traditionell knapp bei Kasse sind, lieber die in jedem Wortsinn billigen Schnitzelbuden, Junkfood-Shops und Noodle-Asiaten frequentieren, die das Grätzel besetzt halten? Oder sollen sie hierherkommen in eine der stimmigsten Neueröffnungen der letzten Zeit, um vielleicht doch ein paar andere Geschmäcker kennen zu lernen? Hierher, wo früher das wirklich gute „Jin’s Sinohouse“ studentisches Volk mit zwar fair kalkulierten, aber das nach einer Troika schreiende Budget doch deutlich sprengenden Weinpreisen verschreckte, was dazu führte, dass die Ecke für mausetot erklärt wurde. Vorschnell, jetzt brummt der Laden, wie man es nie für möglich gehalten hätte.

Woran liegt das? Nähern wir uns der Küche in Etappen. Erstens einmal passt das Preisniveau; ein üppiges Club-Sandwich, sauber gemacht, um 10,50 Euro stellt keine Hemmschwelle dar, und offene Weine zwischen drei (für einen Weinviertel DAC) und sieben Euro (für ein Glas einigermaßen soliden Champagner) auch nicht.

Zweitens ist der Laden durchaus geschmackvoll gestaltet. Wer zum Frühstück „Très Tschick“ bevorzugt, einen Espresso und eine Zigarette um 2,20 Euro, muss das nicht in einer Abstellkammer tun, weil hier nämlich Raucher und Nichtraucher in verschiedenen Etagen sitzen, die mit gleich viel Empathie gestaltet sind.

Dass der Küchenchef ein Belgier ist, merkt man schon an den Pommes frites – erstklassig, knusprig und goldbraun, eben belgische Schule (die Gegend wird ja noch zum Fritten-Dorado, weil schräg gegenüber im „Charlie P’s“ haben sie die Erdäpfelstangen auch formidabel drauf). Sie begleiten fleischige Moules und noch einige andere Gerichte; gleichsam als kulinarisches Wappen der Küche. Feine Estragonnuancen im Huhn des Haussalats machen sich auch gut, und die Rillettes von der Räuchermakrele mit der nicht zu süßen, einem Häufchen Rotkraut ähnelnden Zwiebelmarmelade sind ein ganz entspanntes Entrée.

Nur was ist mit dem Coq au vin passiert? Das hat mit dem, was es sein soll, kaum etwas zu tun. Es ist nicht mehr als ein paprikahendlfarbenes Ragout mit einer Sauce von der Konsistenz einer Mure. Das muss, finde ich, allein aus pädagogischen Gründen repariert werden, sonst glauben die jungen Menschen noch, sobald sie sich eine Frankreich-Reise inklusive echten Bistro-Coq-au-vin leisten können, sie sind diesbezüglich dort im falschen Film und nicht hier in Wien.

Café français
Währinger Straße 6–8,
1090 Wien
Tel.: 01/319 09 03
Sonntag geschlossen
Hauptgerichte: 8 bis 17 Euro
www.cafefrancais.at

klaus.kamolz@profil.at