<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Sauber gemacht

Wir basteln uns eine Cuvée (II): Zweigelt oder Blaufränkisch?

Randvoll mit Vorurteilen mache ich mich an meine erste Cuvée. Ich werde, habe ich mir schon auf der Fahrt zu Robert Payrs Weingut in Höflein geschworen, den Zweigeltanteil immer schön flach halten. Mir doch egal, dass Zweigelt die Paraderebsorte im Carnuntum ist. Ich mag die Kirschfrucht nicht so sehr; ich mag eher die Blaufränkische Würze. Robert Payr, der überaus unterhaltsame Verkostungsseminare unter dem Titel "Meine Cuvée“ abhält, hat mir vorher noch den Tipp gegeben, mich zu entscheiden: Will ich einen Wein machen, der mir schmeckt? Oder einen, von dem ich glaube, dass er beim Publikum gut ankommt? Am Tisch neben mir sitzt Johannes Trapl, der junge Top-Winzer aus Stixneusiedl; irgendwie riecht die Situation nach Österreich - Brasilien. Aber Trapl muss auch unter besonderen Bedingungen arbeiten, sagt er: "Normalerweise brauche ich für meine Cuvée ein halbes Jahr, weil der Wein ständig anders schmeckt.“ Jetzt muss auch er in zwei Stunden fertig sein.

Mein erster Wein hinterlässt erste Flecken auf dem Tisch und besteht aus 50 Prozent Blaufränkisch, 30 Prozent Zweigelt und 20 Prozent Merlot, durchwegs Jahrgang 2009, Lage Bühl bei Höflein.

Er schmeckt mir nicht, die drei Sorten führen einen verzweifelten Überlebenskampf am Gaumen. Ich schiebe das Glas weg. Dann: 33,3 - 33,3 - 33,3 Prozent, nicht uninteressant, aber höchst unoriginell, denn das ist das Mischungsverhältnis von Payrs Cuvée Bühl, und eine Guttenberg-Nummer mag ich hier nicht abliefern. 40 - 40 - 20: Nein, da ist noch mehr drin. 60 - 30 - 10: Vielleicht ist die Idee mit der Blaufränkischdominanz doch nicht so gut? Trapl mischt und kostet gelassen vor sich hin; der weiß wahrscheinlich genau, was er tut. Vier weitere Cuvées zu je 100 Milliliter entstehen in meinem Messbehälter. Dann schiebe ich eine Pause ein, um das Zeug 20 Minuten später noch einmal zu kosten. Zurück am Tisch, ergebe ich mich dem Zweigelt. Von zehn Cuvées überzeugt mich die mit 60 Prozent Zweigelt, 25 Prozent Blaufränkisch und 15 Prozent Merlot am ehesten. In der Blindverkostung behaupte ich dann, sie sei blaufränkischlastig. Jedenfalls, und das ist das kleine Wunder, überzeugt sie unsere Runde einen Hauch mehr als die Cuvée von Trapl, die aus je 45 Prozent Blaufränkisch und Zweigelt und zehn Prozent Merlot besteht.

Jetzt will ich aber doch noch wissen, was ein unabhängiger Profi von meiner Erstlings-Cuvée hält. Robert Payr mischt noch eine Bouteille, und ab damit zu Adi Schmid, dem Herrn, der hier unten mit seinem Weinwissen brilliert. Und bitte, Herr Schmid, seien Sie offen und ehrlich. Zwei Tage später kommt die E-Mail mit dem amtlichen Bescheid: "Lieber Herr Kamolz, das ist ein feinfruchtiger eleganter Rotwein, der wunderbar zu trinken ist, aber mir fehlen der Druck und die Tiefe, die einen großen Wein auszeichnen. Dem Wein ist nichts vorzuwerfen, der Holzeinsatz ist perfekt, er ist sauber gemacht, aber eben gemacht - ohne Kanten und ohne Identität.“

Vielen herzlichen Dank, aber ich habe ja auch kein halbes Jahr Zeit gehabt.

Infos über die Verkostung "Meine Cuvée“:

Kosten pro Teilnehmer: 55 Euro Anmeldungen: Tel.: 0664/230 75 35

www.weingut-payr.at, robert@weingut-payr.at

klaus.kamolz@profil.at